Zahn um Zahn (Archivversion)

Fahrdynamik und Spritzigkeit ändern sich
je nach Endübersetzung. Ein Versuch.

Auch bei diesem 600er-Vergleichstest waren die teilweise viel zu langen Endübersetzungen wieder Diskussionsthema bei den Testern. Natürlich lassen sich nur damit die strengen Geräuschgrenzwerte schaffen. Leider verhageln solche Maßnahmen speziell bei hoch drehenden und dreh-
momentschwachen Motoren zuweilen den Fahrspaß auf Landstraßen und Rennstrecken. Der Grund: Die Drehzahlsprünge zwischen den einzelnen Gängen sind so groß, dass der Fahrer den Motor zwangsläufig zwiebeln muss, um flott voranzukommen.
MOTORRAD hat exemplarisch für die Honda CBR 600 RR die Über-
setzung durch den Austausch der Ritzel von 16:42 auf 15:42 sowie auf 14:42 verkürzt (Bezugsquellen: Enuma-Ketten, Telefon 06245/3077, oder im Fachhandel). Laut Auskunft des TÜV Landau ist es möglich,
die Endübersetzung ohne teures Abgasgutachten und Fahrleistungsmessungen um bis zu acht Prozent kürzer zu wählen (gilt also lediglich
für das 15er-Ritzel) und eintragen zu lassen. Eine vorherige Nachfrage bezüglich Geräuschmessung und Tachometerangleichung bei der
zuständigen Prüfbehörde ist ratsam.
Im Fall der Honda CBR 600 RR brachte das 15er-Ritzel subjektiv und messbar den besten Kompromiss. Die theoretische Höchstgeschwin-
digkeit lag immer noch bei 247 km/h (Serienübersetzung 264 km/h), bezogen auf die Höchstdrehzahl von 15300/min. Mit dem ultrakleinen 14er-Ritzel hing der Motor bei 231 km/h im Drehzahlbegrenzer fest.
Auf der engen Rennstrecke von Calafat pfefferte Markus Barth die
modifizierte CBR 600 RR 0,6 Sekunden schneller um den Kurs als mit der Serienübersetzung. Die Endgeschwindigkeit stieg an den meisten Sektorenmesspunkten aufgrund der besseren Durchzugskraft aus den Kurven (Sektor 1: 231,9 zu 230,3 km/h, Sektor 2: 178,6 zu 175,3 km/h, Sektor 7: 150,3 zu 149,9 km/h).
Die gefühlte Beschleunigung, also der tatsächliche Fahrspaß nahm
auf Landstraße wie Rennstrecke deutlich zu, die Honda vermittelte
wesentlich mehr Spritzigkeit. Speziell auf den engen Bergstraßen
im Hinterland zeigten sich die Vorteile der kurzen 15:42-Übersetzung.
Auf dem Zugkraftdiagramm unten wird deutlich, wie sich diese in
den Gangstufen eins und sechs auswirkt.

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