Zweitakt-Twins im Wandel der Zeit (Archivversion) Zweitakt-Twins im Wandel der Zeit

Lange in der Versenkung verschwunden, kehren die großvolumigen Zweitakter zurück

Alles alte Hüte, alles schon mal dagewesen. Wie so oft beim historischen Wandel durch die Technik, stößt man auch beim Thema Zweitakter auf fast vergessene Maschinen. Wir wollen jetzt nicht in der Legende von DKW und Ardie kramen, 20 Jahre zurück, das genügt bereits. Angespornt durch die Erfolge der wassergekühlten Yamaha TZ 350, die auf 352 cm3 aufgestockt die 500er Klasse beträchtlich aufmischten, versuchten man die Erfolge mit echten 500er Twins noch auszubauen. Jack Findlay mit seiner schnellen, aber höchst kapriziösen Zweizylinder-Suzuki, der TR 500, machte sich Anfang der siebziger Jahre daran, die Siegesserie der übermächtigen MV-Agusta- Renner zu durchbrechen. Abgelietet von der T 500-Straßenmaschine, verzeichnete der Suzuki-Werksrenner leider mehr Ausfälle als WM-Punkte und wurde nach endlosen Mißerfolgen durch die vierzylindrige RG 500 ersetzt. Etwas weiter südlich in Italien werkelten die Ingenieure von Aermacchi/Harley-Davidson an einem dicken Twin mit je zwei Vergasern pro Zylinder. Doch auch dieses Vorhaben verschwand auf nimmer Wiedersehen. Die Flut der Vierzylinder im Rennsport spülte die großen Zweitakt-Twins von der Bildfläche. Für Straße und Rennstrecke waren die RD beziehungsweise TZ 500 und Suzuki RG 500 mit vierzylindrigen Zweitaktern angesagt. Und das sollte die nächsten Jahre auch so bleiben. Bis der pfiffige Aprilia-Konstrukteur Jan Witteveen 1994 den ersten 400er Drehschieber-Twin auf die Rennpiste schickte, um mit sagenhaftem Handling und wenig Gewicht die leistungsstarken Vierzylinder-Werksmaschinen aus Japan zu schlagen. Leider mit mäßigen Erfolg. Daß ausgerechnet die Japaner selbst, besser gesagt Honda, mit einem rund 135 PS starken 500er-V-Twin zurückschlugen, war für die Italiener mehr als bitter. Das Gerücht, Honda plane die NSR 500 V2-Rennmaschine auch für die Straße, löste eine regelrechte Euphorie bei den Zweitakt-Freaks aus. Mit endlosen Anrufen stürmten sie die Telefonzentrale der MOTORRAD-Redaktion. Was ist dran an der NSR 500 mit Licht und Kennzeichen? Heute wissen wir’s: nichts. Also warten wir geduldig, bis Pierluigi Marconi seine Bimota 500 Vdue in die Kiste packt und über die Alpen karrt.

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