Motocross: Grand Prix Tschechien in Loket Grand Prix Tschechien in Loket

Beim tschechischen Motocross-Grand Prix in Loket, unweit von Karlsbad, zeigte Ken Roczen vor dem MX2-Rennen Mut zur Lücke - und wurde fürstlich dafür belohnt.

Foto: Hodgkinson

Selten uneinig waren sich die Motocross-WM-Stars an der Startmaschine des tschechischen GP in Loket. Schuld daran war ursprünglich eine junge Frau aus Deutschland. Maria Franke hatte nämlich beim Start zum ersten Damen-WM-Rennen am Samstag auf regendurchweichter Bahn wider jegliche Standard-Logik ihre KTM auf die äußerste rechte Position gestellt und den weitest möglichen Weg in die Links-Bergaufkehre in eine saubere Führung und anschließend einen überlegenen Sieg ummünzen können. Sie hatte als einzige erkannt, dass die eigentlich besseren Linien über die Mitte der Startgeraden wegen massiver Wasserlachen eben nicht mehr der schnellste Weg ins Rennen gewesen waren.

So zogen auch die MX2-Cracks, angeführt vom Trainingsschnellsten Steven Frossard auf Kawasaki sowie Weltmeister und Tabellenführer Marvin Musquin auf seiner Werks-KTM zielstrebig auf die Außenbahn.

Aber es war inzwischen Sonntagmittag und strahlender Sonnenschein. Die Piste wirkte zwar immer noch sehr nass und weich, "aber ich habe trotzdem nicht verstanden, was die alle da außen wollten", erinnerte sich der 16-jährige deutsche Motocross-Held Ken Roczen. Als Qualifikationssechster war der Suzuki-Werksfahrer der Erste, der einen Platz ungefähr in der Mitte der Startmaschine wählte. Und Kenny sollte Recht behalten. Souverän zog er an die Spitze und ward fortan vom Rest der MX2-Welt höchstens noch am Horizont gesehen.

Mit der Ewigkeit von über 30 Sekunden Vorsprung flog der Thüringer knappe 40 Minuten später über die Ziellinie der auf einer immer breiter werdenden Idealline zügig abtrocknenden Piste, die damit allmählich auch wieder ihren Grundcharakter als Hochgeschwindigkeitspiste unter den WM-Motocross-Strecken offenbarte.

"Das war eine perfekte Vorstellung von Ken, da war gar nichts zu machen", lobte der geschlagene Weltmeister Musquin, der sich zum zweiten Rennen wie alle anderen Top-Fahrer doch wieder in die Mitte der Startreihe orientierte und prompt in Führung schoss. Roczen musste sich, Siebter am Start, erst aus dem Feld heraus pulen, konnte dennoch schon in der siebten von 20 Runden den Franzosen von der Spitze verdrängen. Aber nur, um sich kurz danach auf die Nase zu legen. "Wegen eines Überrundeten musste ich meine Linie in einer Rechtskehre ändern, dabei klappte das Vorderrad ein", ärgerte sich Kenny. Seinen Vorwärtsdrang stoppte dies allerdings nicht. Bis ins Ziel war er wieder am Hinterrad der KTM mit der Nummer eins, aber es reichte eben nicht mehr vorbei.

So bleibt es bei den leider auch durch zwei technische Defekte an Roczens Suzuki im Laufe der Saison angewachsenen stattlichen 78 Punkten Rückstand gegenüber Titelverteidiger Musquin. Der Titel für Roczen schon in seiner ersten vollen WM-Saison gerät also allmählich außer Reichweite. Und unklar ist auch, ob es zu einer Revanche mit Musquin kommt. Denn der Franzose wird 2011 für KTM die US-Supercross-Meisterschaft bestreiten. Und dort steht dem 16-jährigen Roczen derzeit noch das hochgesetzte Mindestalter im Weg, das jedoch noch nicht endgültig beschlossen ist. Das Hauptziel des Deutschen für 2011 bleibt also der MX2-WM-Titel, leider jedoch ohne Champion Musquin als Gegner.

Auch in der MX1-Königsklasse steigen die deutschen Aktien wieder. Vizeweltmeister Max Nagl scheint seine Verletzungen endgültig überwunden zu haben und meldete sich mit nach schwachen Starts heldenhaft erkämpften Rängen vier und fünf in der Weltklasse zurück. Den versöhnliche WM-Schlussrang drei hinter seinem kaum noch einholbaren KTM-Werksfahrerkollegen Antonio Cairoli (Foto unten) und Clement Desalle auf Suzuki hat der Bayer fest im Visier. Und für 2011 ist auch für Max Nagl alles klar. Mit dem wahrscheinlichen Weltmeister Cairoli wird er weiterhin die KTM-MX1-WM-Speerspitze bilden, und zumindest er auch wieder auf dem bärenstarken 450er-KTM-Boliden.

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