Motocross-WM: GP Brasilien GP Brasilien

Im brasilianischen Campo Grande holte Ken Roczen seinen ersten GP-Doppelsieg.

Foto: Wolf

Man vergisst es gern. Ken Roczen ist erst 16 Jahre alt. Und damit jünger als der Großteil des ADAC-MX-Youngster-Feldes, der zweiten Liga der internationalen deutschen Motocross-Meisterschaft MX-Masters, die jugendlichen Fahrern bis 21 Jahren vorbehalten ist. Aber der gar nicht mehr so kleine King Kenny fährt nicht nur schon das zweite Jahr eine Klasse höher, sondern auch in der MX2-WM. Und derzeit dominiert er beide Serien, WM wie Masters, fast nach Belieben.

Hat er in der Weltmeisterschaft nur aufgrund zweier technischer Defekte früher in der Saison kaum noch Chancen auf den Titel, so holte er sich die deutsche Meisterschaft bei der vorletzten Veranstaltung im schwäbischen Gaildorf mit zwei einsamen Siegen ebenso vorzeitig wie überlegen.

Dabei ist nicht zu vergessen, dass der junge Thüringer bei den hubraumoffen ausgeschriebenen MX-Masters-Rennen unverdrossen seine MX2-250-cm?-Werks-Suzuki einsetzt und somit auch auf der zwar völlig neu gestalteten, aber nach wie vor außergewöhnlich schnellen Piste von Gaildorf gegenüber den 450er-Boliden der Mehrzahl der Gegner mit knapp 20 PS weniger Motorleistung antritt.

Dass dies in Gaildorf selbst gegen einen Weltklassemann wie MX1-Vizeweltmeister Max Nagl auf seiner Werks-KTM, die im Ruf der leistungsstärksten Maschine im gesamten WM-Zirkus steht, dennoch zu Siegen führt, spricht für Roczens Ausnahmetalent. Zugleich stellt sich die Frage nach Notwendigkeit und Existenzberechtigung von zwei verschiedenen, in der praktischen Leistungsfähigkeit jedoch kaum unterschiedlichen Klassen in der WM. Max Nagl, der die Rennen in Gaildorf als Testeinsatz seines neuen 2011er-Motorrads mit Benzineinspritzung und vielleicht sogar noch ein paar PS mehr nutzte, wurde im Ziel des zweiten Rennens sogar noch von Roczens schweizerischem Teamkollegen Arnaud Tonus auf einer weiteren 250er-Suzuki auf Rang drei verdrängt und musste zugestehen, "dass ich die deutlich höhere Leistung meiner Maschine auf dem härter werdenden Boden nicht mehr perfekt umsetzen konnte".

Wo aber, wenn nicht auf einer Vollgasbahn wie der neuen Gaildorf-Piste, soll eine 450er noch ihre Vorteile ausspielen? So gesehen, sind die MX-Masters mit ihrer offenen Einheitsklasse ein gutes Vorbild für künftige Regelungen auch bei der WM. Und wenn neben den Regeln auch der Champion von WM und Masters schon bald der gleiche wäre, hätten die deutschen Fans noch mehr Grund zum Feiern.

Stand nach sieben von acht Veranstaltungen. Ken Roczen, Suzuki, 262 Punkte (Meister), 2. Filip Neugebauer (CZ) Kawasaki 204, 3. Cédric Soubeyras (F) KTM 195, 4. Angus Heidecke, Kawasaki 161, 5. Günter Schmidinger (A) Suzuki 158, 6. Arnaud Tonus (CH) Suzuki 155, 7. Kevin Wouts (B) 147, 8. Clément Desalle (B) Suzuki 134, 9. Maximilian Nagl (D) KTM 127, 10. Florent Richier (F) Kawasaki 120.

GP Brasilien
Antonio Cairoli verteidigte in Brasilien seinen Motocross-WM-Titel in der MX1-Königsklasse. Mit Rang zwei und einem Sieg baute der KTM-Werksfahrer aus Sizilien seinen Vorsprung auf die vom belgischen Suzuki-Fahrer Clément Desalle angeführten Verfolger auf 107 Punkte aus, was bei den vier Rennen der letzten beiden Motocross-GP im niederländischen Lierop und in Fermo/Italien nicht mehr aufzuholen ist.Von wesentlich größerer Bedeutung für die deutschen Fans war der beeindruckende erste Doppelsieg von Ken Roczen bei einem Motocross-GP. Der 16-Jährige krönte damit seine erste volle WM-Saison und erhielt zumindest rechnerisch die kleine Chance auf den WM-Titel aufrecht, auch wenn der Suzuki-Fahrer bei 71 Punkten Rückstand auf Weltmeister Marvin Musquin auf einen Schnitzer des Franzosen hoffen muss.

WM-Stand:
MX1: 1. Antonio Cairoli (I) KTM 578 Punkte (Weltmeister), 2. Clément Desalle (B) Suzuki 471, 3. David Philippaerts (I) Yamaha 441, 4. Max Nagl (D) KTM 420

MX2: 1. Marvin Musquin (F) KTM 571, 2. Ken Roczen (D) Suzuki 499, 3. Steve Frossard (F) Kawasaki 430.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote