Navigationssysteme für Motorräder: Trends 2006 (Archivversion)

Blick voraus

Bei der Suche nach dem idealen GPS-Gerät lauern einige Stolperfallen. MOTORRAD hilft beim Navigieren durch den Angebotsdschungel und berät beim Kauf.

Reisespezialist Michael Martin kennt die Wüsten dieser Erde. Ziemlich gut sogar. Ohne satellitengestützte Navigation geht der Profi trotzdem nicht auf Tour. Allerdings verlässt er sich nicht komplett auf das GPS. »Das halte ich bei Extremtouren für sehr gefährlich, weil kein Gerät Angaben zur Beschaffenheit von Boden oder Piste machen kann. Und wenn einen der Satellit in eine unpassierbare Schlucht lotst, ist Schluss mit lustig«, erklärt Martin, der nach wie vor hauptsächlich auf gutes Kartenmaterial, sein Gefühl für Landschaft sowie auf Tipps von Einheimischen vertraut.

Nun fahren durchschnittliche Elektro-Navigierer eher selten auf abenteuerlichen Pisten durch die Wüste, nutzen das Gerät auf dem Motorrad dennoch beinahe zu jeder Gelegenheit, wie eine von MOTORRAD durchgeführte Umfrage unter GPS-Besitzern ergab. Etwa, um bei Urlaubstouren die schönsten Pässe nicht zu verpassen oder um sich in Großstädten einen Weg durch Häuserschluchten zu bahnen. In Internetforen wie www.naviboard.de oder www.pocketnavigation.de gibt es nützliche Routenempfehlungen und Software-Tipps – ein Tauschbasar für Wegpunktelagerer und Traumstraßenfänger. Einige Navi-
Freaks verbringen beinahe mehr Zeit vor dem Bildschirm als auf der Maschine, so dass manchmal der Eindruck entsteht, das
Navigieren und weniger das Fahren selbst ist das eigentliche Hobby.

Andererseits nutzen viele das GPS-Gerät gerade, um sich eine gewisse Spontaneität zu bewahren. Sie starten mit ihrer Maschine zu einer Fahrt ins Blaue, lassen sich von der Strecke treiben – und wenn sie in der fremden Gegend dann scheinbar verloren sind, bringt sie die Navibox komfortabel zurück an den Ausgangspunkt. Hat das Gerät eine Tracking-Funktion, lassen sich diese Neuland-Routen im Nachhinein sogar reproduzieren. GPS-Navigation ist jedoch nicht nur für Touristen ein Zugewinn. Zunehmend nutzen auch Sportfahrer deren Vorteile. Auf einem Rundkurs kann man sich zwar kaum verfahren, doch ungeschminkte, weil via Satellit ermittelte Werte wie Topspeed, Durchschnittstempo oder die Geschwindigkeit in bestimmten Kurven reizen Motorsportler zum Kauf
eines entsprechenden Geräts, das ihnen die gewünschten Infos für ihre persönliche Statistik liefern kann.
Wobei trotz vielfältiger Anwendungsmöglichkeiten gilt: Unter Navigationssystemen gibt es bislang entweder gute Eierleger oder eben prima Wollmilchsäue. Ein Gerät, das in jede Tasche passt, im Auto, am Motorrad sowie auf Wanderungen bei Wind und Wetter funktioniert, gleichzeitig noch das Opernprogramm in Mailand in petto hat, existiert momentan nur als Wunschvorstellung. Insbesondere schlecht informierte Navi-Einsteiger sind häufig enttäuscht, wenn ihr neuer Helfer am Motorrad nur äußerst begrenzte Dienste leistet. Ein handlicher Personal Digital Assistent (PDA) mit GPS-Funktion etwa, wie ihn viele Autofahrer als preisgünstigen Navigator nutzen, verfügt in der Regel nicht über ein wetterfestes Gehäuse. Im Tankrucksack untergebracht, ist das Display aber kaum noch ablesbar, und es kommt erfahrungsgemäß schon nach wenigen Ausflügen
zu Störungen, weil das mitunter humide Mikroklima im Kartenfach sowie starke Sonneneinstrahlung durch die Folie dem empfindlichen Gerät schwer zu schaffen machen.
Nicht von ungefähr bieten die Hersteller (Kontaktadressen bei den vorgestellten Geräten) spezielle Lösungen für Motorradfahrer an. Anbieter TomTom etwa, der zunächst nur Software für PDAs im Programm hatte, ist seit diesem Jahr mit dem Modell Rider auf dem Markt, bei dessen Entwicklung neben einer anfängertauglichen Menüführung die Bedienung mit Motorradhandschuhen
ganz oben im Pflichtenheft stand. Weitere, laut TomTom für die Zukunft denkbare Motorradfahrer-Spezifika: so genannte Buddy-Listen, will heißen, eine Positionsanzeige der übrigen Tourkumpane, falls beispielsweise einer wegen einer Panne liegen bleibt. Auch Marktführer Garmin ermittelt über gezielte Händler- und Kundenbe-
fragungen, was motorisierte Zweiradler wünschen, und forscht nach der idealen Gehäuseform, die sich am besten in
möglichst viele Motorradmodelle integriert. Oder verbessert die drahtlose Sprachausgabe im Helm.
Kurzum, im Motorradbereich besteht noch ein großer Entwicklungsbedarf. Gepäckspezialist SW-Motech, Telefon 06425/
816800, sieht in der Synergie Auto/Motorrad positive Signale fürs Geschäft: »Seitdem sich GPS-Navigation im Autobereich massenhaft durchgesetzt hat und fast
jeder Motorradfahrer auch Auto fährt, wollen viele am liebsten das Gerät für beides nutzen. Wir entwickeln deshalb Halterungen, die das möglich machen.« Touratech, Telefon 07728/92790, Pionier auf dem Gebiet der Motorrad-Navigation, hält indes die Spezialisierung auf das Motorrad für den besseren Weg und bietet die Geräte mit individuell abgestimmten Halterungen und Softwareprogrammen im Paket an. »Motorradfahrer wollen nicht einfach von
A nach B kommen, sondern schöne Strecken erleben. Navigation ist für sie eine spannende Herausforderung – Toys für
Big Boys eben«, erklären die Experten aus Niedereschach bei Rottweil.
Andreas Hülsmann, wie Michael Martin Motorrad-Weltreisender und Autor, ist so ein großer Junge. Er nutzt die moderne Technik etwa, um mittels eines speziellen Satelliten-Trackingsystems seine aktuelle Reiseposition ins Internet zu stellen – der letzte Schrei in der Traveller-Szene. Fernweh-Masochisten und Reisebegeisterte können ihn auf diese Weise daheim am Monitor virtuell durch das australische Outback oder die sibirische Taiga begleiten. Das Navigationsgerät ist mittlerweile dennoch mehr als reine Spielerei und
unverzichtbar für Hülsmann. Er warnt allerdings ebenfalls: »Man macht sich schnell zum Sklaven des Geräts. Da passiert man zum Beispiel achtlos einen wunderschönen Zeltplatz, weil dieser spontane Stopp im Navigerät nicht vorgesehen ist.«
Ob nun Reiseprofi, Navi-Freak oder nüchterner Nutzer – von den neuesten Entwicklungen profitieren alle. So ist die Auswahl an motorradtauglichen Navigationssystemen im Vergleich zu den Vorjahren deutlich größer. Und es geht weiter: Angedacht sind Komplettarmaturen mit Tacho, Drehzahlmesser und Navi-System. Tolle Aussichten, aber Hauptsache, man vergisst den Blick voraus auf die Straße nicht und lässt sein Hirn eingeschaltet. Wenn Navi-Fans den Experten Hülsmann gelegentlich um Rat fragen und dabei mit
absurden Anforderungen an Gerät und Software aufwarten, erwidert er lediglich: »Bist du auf Reise oder auf der Flucht?“
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Navigationssysteme für Motorräder (Archivversion) - Software

Nach der Tour ist vor der Tour – für einen gelungenen Motorrad-Trip ist die solide Vorbereitung das A und O. Auch in Zeiten der Satellitennavigation. Solange man jedoch innerhalb der Grenzen Europas bleibt, gibt es jede Menge Touren fix und fertig zum Übertragen auf den jeweiligen GPS-Empfänger – das spart enorm Zeit, und man wird oft zu regionalen Highlights geführt, die aus
Unkenntnis links liegen geblieben wären.

So bietet beispielsweise der neue MOTORRAD Tourenplaner (www.motorradonline.de; 40 Euro) 707 ausgearbeitete, exportfähige Strecken in zwölf Ländern. Besonders interessant: Diese Strecken lassen sich mit etwas Übung den eigenen Wünschen mit wenigen Maus-Klicks anpassen. Oder man plant auf den der Software bereits beiliegenden Karten gleich eine eigene Route und überträgt
diese dann bequem auf das GPS-Gerät.

Anspruchsvoller wird die Planung in entlegenen Gebieten. Egal, ob es auf Enduro-Pfaden durch die Alpen oder gar auf Wüsten-Pisten durch fremde Kontinente gehen soll, hier wird man bei der GPS-Navigation nicht ohne eine professionelle Planungs-Software wie QV von Touratech (www.ttqv.com; 99 bis 299 Euro) oder den Global Navi-gator von Fugawi (www.fugawi.de; 149 Euro) herumkommen. Diese Spezialprogramme können nämlich auch Digital-Karten in exotischen Dateiformaten oder sogar Sa-
tellitenfotos gänzlich unbewohnter Gebiete zur Navigation und Planung nutzen. Aber auch in heimischen Gefilden bieten diese Profi-Werkzeuge Nützliches. Beispielsweise lassen sich damit gefahrene Touren analysieren und archivieren oder die Foto-Stopps während einer Tour mit der gefahrenen Strecke synchronisieren.

Trickreiche Features, über die sich allerdings nur User freuen, für die Navigation ein Hobby und nicht ein lästiges Übel ist. Denn einfach so mal eben eine selbst eingescannte russische Militärkarte kalibrieren wird nur dem gelingen, der genau weiß, was er da tut. Und schließlich ist Navigation immer auch eine Frage der Sicherheit – vor allem abseits der Zivilisation. Deshalb sollte man sich mit diesen Planungsprogrammen schon einige Zeit vor der Reise vertraut machen.

Navigationssysteme für Motorräder (Archivversion) - Standpunkt

Sinkende Einstiegsbarrieren bringen auch überzeugte Landkarten-Freaks auf digitalen Geschmack. Allerdings droht das Orientierungsgefühl dabei zu degenerieren.
Ich gestehe: Hätte Kollege Zdrahal nicht irgendwann in meiner Bürotür gestanden und verkündet, er suche für ein neues
Einsteiger-Navigationsgerät eine Versuchsperson – ich wäre vermutlich bis heute GPS-resistent. Aber das klang fast unmoralisch gut: Das TomTom Rider solle ohne Einarbeitung oder Vorkenntnisse quasi aus der Packung heraus wegweisen. Einschalten, losfahren. Da kam die nächste Fete irgendwo jenseits des Äquators gerade recht. Und tatsächlich: Die Anleitung war kaum komplizierter als die meines Rasenmähers,
alles begreif- und umsetzbar. Und ich fünf Stunden und 490 Kilometer später punktgenau im Pusemuckeler Hasenpfad 7. Ohne 92 Karten oder qualvolle Wegbeschreibung (»...äh, dann hinter der dürren Fichte links, äh, oder rechts?!?«) Traumhaft! Aber wehe, irgendwas geht schief – Akku leer, Adresse falsch, Panne, was auch immer –, der Tunnelblick des reinen Instrumentenflugs stellt bei mir jegliche Orientierungssynapsen komplett auf null. Oder
wissen Sie nach zwei Stunden Pfeilverfolgung noch, wo Sie sich befinden? Ich nicht. Ich navigiere be-geistert digital, doch nie ohne Karte.

Navigationssysteme für Motorräder (Archivversion) - Plug&Play

Sie wollen möglichst unkompliziert Touren mit dem Motorrad unternehmen oder hausnummergenau bestimmte Adressen ansteuern? Dann sind diese
»ready to go«-Geräte genau das Richtige für alle, denen einfache Handhabung wichtiger ist als umfangreiche Funktions-Features.
Kontakt: GPS GmbH,
Lochhamer Schlag 5a, 82166 Gräfelfing,
Telefon 089/8583640; www.garmin.de
daten
Größe: 11,5 x 5,6 x 2,3 cm
Gewicht: 156 g (mit internem Akku)
Display: Breite 5,6 cm, Höhe 3,8 cm
Karten: serienmäßig Zentral- und Westeuropa (bereits installiert)
Preis: 779 Euro
Bewertung
Plus
Kann eine gefahrene Strecke zur späteren Auswertung aufzeichnen und speichern
Anschluss für Zusatzantenne (etwa für
den Einsatz in Pkw mit metallbedampfter Frontscheibe)
Minus
Fürs Motorrad ist die Display-Größe
etwas zu knapp
Die ausklappbare GPS-Antenne
ist nicht besonders robust
Die beleuchteten Tasten sind sehr klein

Navigationssysteme für Motorräder (Archivversion) - TomTom Rider

Kontakt: TomTom, Rembrandtplein 35,
NL-1017 CT Amsterdam; Telefon 0031/20/
8500800; www.tomtom.nl
daten
Größe: 11,3 x 9,5 x 5,2 cm
Gewicht: 310 g (mit internem Akku)
Display: 8,5 cm Bildschirmdiagonale
Karten: Deutschland, Österreich, Schweiz
in der Standardversion (bereits installiert), Europaversion in Kürze lieferbar
Preis: ab 599 Euro mit den Karten
für D, A, CH
BEWERTUNG
Plus
Sehr einfache, fast schon intuitive Bedienung
Großes, übersichtliches Display
Drahtlose Übertragung der Ansagen
in den Helm per Bluetooth
Minus
Kann zwar vorbereitete Routen laden, nicht aber die tatsächlich gefahrene Strecke aufzeichnen (etwa für eine spätere Auswertung)
Keine Anschlussmöglichkeit
für externe Antenne

Navigationssysteme für Motorräder (Archivversion) - On the road

Wer maximalen Funktionsumfang und professionelle Features möchte, sollte sich einmal diese Geräte näher ansehen. Allrounder, die für alle Navigationsaufgaben eine zielführende Lösung in petto haben.
Kontakt: GPS GmbH,
Lochhamer Schlag 5a, 82166 Gräfelfing, Telefon 089/8583640; www.garmin.de
Daten
Größe: 14,2 x 8,1 x 5,1 cm
Gewicht: 420 g
Display: Breite 8,4 cm, Höhe 4,3 cm
Karten: Detailkarten von ganz Europa serienmäßig
Preis: 1099 Euro
BEWERTUNG
Plus
Aufrüstbar für TMC (automatische Staumeldung und Umfahrung, 199 Euro)
500 MB zusätzlicher Speicher für Karten
Auch für extrem anspruchsvolle Navigationsaufgaben gerüstet
Minus
Sprachausgabe im Helm nur gegen Aufpreis
Keine eigene Stromversorgung und
somit nicht als Handgerät geeignet

Navigationssysteme für Motorräder (Archivversion) - Garmin 276 C

Kontakt: GPS GmbH,
Lochhamer Schlag 5a, 82166 Gräfelfing, Telefon 089/8583640; www.garmin.de
Daten
Größe: 14,5 x 8,1 x 4,8 cm
Gewicht: 390 g (mit internem Akku)
Display: Breite 8,0 cm, Höhe 5,4 cm
Karten: weltweite Basiskarte serienmäßig (Detailkarten als Zubehör hochladbar)
Preis: 799 Euro
BEWERTUNG
Plus
Großes Display
Durch internen Akku auch unabhängig
vom Bordnetz einsetzbar
Sehr robust
Anschlussmöglichkeit für externe Antenne
Minus
Handhabung erfordert etwas Übung
Detailkarten müssen zusätzlich
gekauft werden
Sprachausgabe im Helm nur gegen Aufpreis möglich

Navigationssysteme für Motorräder (Archivversion) - Off the road

Hart im Nehmen und im Cockpit einer sportlichen Enduro nicht allzu voluminös – die Offroad-GPS-Geräte bieten Hightech in fast unverwüstlicher Verpackung. Dafür nimmt man im Bedienkomfort (keine Sprachausgabe) durchaus Abstriche in Kauf.
Kontakt: Telefon 0033/228/ 093800; www.magellangps.com
Daten
Größe: 16,3 x 7,4 x 3,3 cm
Gewicht: 350 g inklusive Batterien
Display: Breite 5,5 cm, Höhe 7,5 cm
Karten: serienmäßig weltweite Basiskarte, Detailkarten (Zubehör) hochladbar
Preis: 649 Euro
BEWERTUNG
Plus
Großes Display
Durch Wechselspeicher kein Mangel an Speicherplatz für Detailkarten
und Wegdaten
Extrem robust
Minus
Etwas klobig und unhandlich
Detailkarten müssen zusätzlich gekauft werden

Navigationssysteme für Motorräder (Archivversion) - Garmin
GPSMAP 60 Cx

Kontakt: GPS GmbH, Lochhamer Schlag 5a, 82166 Gräfelfing, Telefon 089/8583640; www.garmin.de
Daten
Größe: 6,1 x 15,5 x 3,3 cm
Gewicht: 213 g inklusive Batterien
Display: Breite 3,8 cm, Höhe 5,6 cm
Karten: serienmäßig weltweite
Basiskarte, Detailkarten (Zubehör)
hochladbar
Preis: 639 Euro
BEWERTUNG
Plus
Supersensibler GPS-Empfänger-Chip der
neuesten Generation (SiRFSTAR III)
Durch Wechselspeicher kein Mangel an Speicherplatz
für Detailkarten und Wegdaten
Minus
Displaygröße für Nutzung auf dem Motorrad etwas knapp
Detailkarten müssen extra gekauft werden
Keine Sprachausgabe

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