Serie: Satellitennavigation (Folge 3)

Tour-Guide

Satellitennavigation – bei Motorrädern bisher fast ausschließlich ein Thema für Bastler, Technik- und PC-Freaks sowie den engagierten Zubehörhandel. BMW, Ducati und MZ bieten jetzt bereits ab Werk den Einbau von Navigationsgeräten an.

Foto: Sdun
Beispiel: Die MZ 1000 S kann man mit GPS-Empfanger ordern.
Beispiel: Die MZ 1000 S kann man mit GPS-Empfanger ordern.

Ein Navigationssystem auf Wunsch
ab Werk – das macht Sinn. Nach-
dem praktisch alle Autohersteller für die
meisten ihrer Fahrzeuge Navigationsgeräte anbieten, offerieren nun auch BMW,
Ducati und MZ (siehe Seite 114) zumindest an einigen ihrer Modelle den Anbau entsprechender Geräte. Ein Service, um den
interessierten Kunden in diesem immer lukrativeren Bereich zu binden. Und es ihm dabei so einfach wie möglich zu machen.
Stuttgart, Stadtmitte. Ducati Multistrada 1000 DS und BMW K 1200 LT sind startklar. Der Wunsch: Von hier durch
die schwäbische Provinz bis ins knapp
70 Kilometer entfernte Aalen fahren – auf möglichst kleinen, kurvigen Strecken, die meinem Kollegen und mir per Satellitennavigation genannt werden sollen.
Während die beiden GPS-Empfänger für einige Momente mit der Suche nach Satelliten beschäftigt sind, ein kurzer
Blick auf die Geräte, die vom amerikanischen Hersteller Garmin stammen. Ducati setzt bei der Multistrada (wie MZ bei
der 1000 S) auf den seit Jahren bewährten »Street Pilot III« (Setpreis 1500 Euro).
BMW dagegen verwendet den »Motorrad Navigator II« (1980 Euro), bei dem es
sich um einen von den Bayern geringfügig modifizierten »Street Pilot 2610« handelt, ein Gerät der neuesten Generation. Beide GPS-Empfänger beherrschen unzählige Navigationsoptionen (siehe MOTORRAD 17/2004) – sicherlich könnte man mit ihnen einen Dampfer souverän durch die Weltmeere leiten.
Weil uns eine gute Strecke nach Aalen genügt, interessiert hauptsächlich eine Funktion, die für die meisten Fahrer ohnehin die wichtigste sein wird: das so genannte »Autorouting«. Nach der Eingabe des gewünschten Ziels berechnet der Computer je nach Wunsch den schnellsten oder kürzesten Weg. Da bei letzterem auch kleine Straßen genutzt werden, handelt es sich meist um die kurvigere Variante. Der Fahrer wird dann per
Kartendarstellung und Abbiegehinweisen (Richtungspfeile, Text und Sprachausgabe mittels Kopfhörer) dorthin gelotst.
Ganz ohne Vorarbeit geht das bei dem auf der Ducati montierten »Street Pilot III« allerdings nicht. Das Gerät verfügt werksseitig »nur« über eine Basiskarte (Basemap), die ausschließlich Haupt- und Durchgangsstraßen in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten aufzeigt. Damit kann man sich zwar via Autobahn nach Mailand weisen lassen, nicht aber den Weg in eine bestimmte Straße, zu einem bestimmten Restaurant oder Museum. Dazu benötigt der GPS-Empfänger Feindaten, die für ganz Europa als CD (Map-Source-City-Navigator) im Lieferumfang enthalten sind. Am heimischen PC müssen also erst
die entsprechenden Daten der Zielregion übernommen und dann in den GPS-
Empfänger auf eine 128 Megabyte große Datenkarte überspielt werden.
Beim aktuell montierten »Motorrad Navigator II« der BMW entfallen diese Arbeitsschritte zumindest teilweise, die Feindaten von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Norditalien sind bereits gespeichert. Anders als beim »Street
Pilot III« lassen sich auf dem bis zu einem Gigabyte großen Speichermedium die Feindaten von fast ganz Europa abrufbereit halten. Und durch die kinderleichte, logisch aufgebaute Menüführung über Piktogramme plus Bedienung per Touchscreen beziehungsweise über eine von BMW entwickelte zusätzliche Halterung mit vier Bedienknöpfen geschieht die Eingabe des Ziels einfacher und zudem wesentlich schneller (siehe Bildleiste)
als beim »Street Pilot III«. Draufsetzen und losfahren – genau so muss es sein.
Überhaupt beschränken sich die Münchner anders als Ducati oder MZ nicht auf die Montage eines GPS-Empfängers und auf ein Fahrzeugmodell: Der »Motorrad Navigator II« wird mit hauseigenen Halterungen auch für alle Vierventil-Boxer angeboten, unter www.bmw.de gibt’s eine ausführliche Produktbeschreibung, und es lassen sich beispielsweise die Gebrauchsanweisung, wichtige Software-Updates oder diverse Strecken zum Nachfahren herunterladen. Außerdem veranstalten die Bayern einen Navigationskurs, um ihre Klientel an diese im Zweiradbereich noch seltene und zudem teure Technologie heranzuführen.
Nun aber los. In Richtung Aalen. Weitere beim »Motorrad Navigator II« eingegebene Parameter, um die Strecke zu klassifizieren: keine Fernstraßen (wir suchen ja den Kurvenspaß), keine Mautstraßen (gibt’s hier eh nicht), kein Offroad (K 1200 LT). Unglaublich, wie die beiden Geräte einen rechts und links der B 29 in Richtung Ziel führen. Teilweise sogar
über einspurige Nebenwege, an denen ich
garantiert vorbeigefahren wäre. Ein Blick auf die Kartenseite im Display, und wir wissen nicht nur haargenau, wo und in welcher Straße wir uns befinden, sondern auch, in wie vielen Metern der nächste Abzweig ansteht. Wobei die Anzeige beim »Motorrad Navigator II« übersichtlicher gestaltet ist und das Gerät zudem deutlich schneller als der »Street Pilot III« eine neue Route zum Ziel berechnet, sobald man die ursprüngliche verlassen hat – sei es, weil dieser Weg urplötzlich nur von landwirtschaftlichen Fahrzeugen befahren werden darf (so geschehen bei Schorndorf), weil man einem attraktiv scheinenden Abzweig nicht widerstehen konnte oder wir ein
lohnenswertes Zwischenziel, das abseits der Strecke liegt, eingegeben haben. Unterm Strich ließen sich diese beiden Navigationsgeräte nicht beirren. Egal, wie kreuz und quer wir gefahren sind – Richtung, Entfernung und Ankunftszeit in Aalen waren stets ablesbar. Und irgendwann sind wir dort auch tatsächlich gelandet.

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MZ 1000 S

MZ bietet die 1000 S auf Wunsch ebenfalls mit einem Navigationssystem an. Und zwar mit dem gleichen Gerät, wie es auch Ducati verwendet: einem »Garmin Street Pilot III«. Das wird mittels einer Lenkerhalterung von Touratech in Position gehalten. Preis komplett: rund 1000 Euro. Anders aber als bei Enduros oder reinen Tourenmotorrädern erschwert eine sportliche Sitzposition das Ablesen des Displays – die Gefahr, den Verkehr zu sehr aus den Augen zu verlieren, steigt. Ansonsten aber ein sehr lobenswerter Schritt, um das Interesse potenzieller Kunden zu wecken.

Ducati Multistrada

Ducati hat einen Seitenblick auf die Reiseszene geworfen – und die Multistrada
entsprechend aufgepeppt. Neben Koffersystem plus Topcase, höherer Verkleidungsscheibe und einer komfortableren Sitzbank montieren die Italiener bei Bedarf den »Garmin Street Pilot III« an den Lenker, der mit Halterung 1500 Euro kostet. Das Ganze präsentierte sich am Testmotorrad allerdings noch nicht ganz ausgereift:
Zwischen dem großen GPS-Empfänger und den Bordinstrumenten ist es fast unmöglich, mit Handschuhen den Zündschlüssel zu betätigen. Zudem befindet sich die Antenne des Geräts zu versteckt hinter der Verkleidung – es kann passieren, dass der Empfang des ohnehin schwachen Satellitensignals unterbrochen wird. Hier würde sich eine zusätzliche Antennenmaus empfehlen.

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