Aktuelle Navi-Generation im Test Motorrad-Navigationsgeräte

Eigentlich ist dem Großteil der Motorradfahrer das Ziel der Tour egal. Hauptsache es liegen möglichst viele Kurven zwischen dem Abfahrts- und Ankunftsort. MOTORRAD hat untersucht, was die aktuelle Navi-Generation alles bietet.

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BMW R 1200 GS. Heilige oder eilige Kuh? Auch die neue GS macht alles mit: Touren, Genussfahren und richtig knackiges Schräg wie Schnellfahren.
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Dass die Motorrad-Navigation nicht einfach zu stemmen ist, musste auch jüngst Blaupunkt feststellen. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) im August vergangenen Jahres stellte das Unternehmen stolz sein Produkt Moto Pilot vor und kommunizierte in der Pressemitteilung, dass die wasserdichte Navigationslösung für Motorradfahrer ab Januar 2013 die hauseigene Travel Pilot-Serie ergänzen werde. Die Anfragen für ein Testgerät wurden jedoch immer wieder nach hinten verschoben mit dem Hinweis, dass sich nach der IFA noch diverse Änderungswünsche ergeben hätten, die noch berücksichtigt werden müssten. Geplanter Verkaufsstart derzeit: Ende Mai.

So bleibt es beim aktuellen Navi-Test unterm Strich bei einer überschaubaren Anzahl von bereits hinlänglich bekannten Marken. Und doch hat sich seit dem letzten großen Vergleichstest vor drei Jahren etliches getan. Vor allem, weil die beiden Platzhirsche Garmin und TomTom mit neuen Geräten antreten. Bereits vor einem knappen Jahr präsentierte Garmin das Zumo 340 LM mit einem komplett neuen Gehäusedesign, welches sich deutlich von den kantig gestalteten Vorgängern (Zumo 200-Reihe) abhebt. Als besonders augenfällige Neuerung sticht das in der Bildschirmdiagonale nun 4,3 Zoll große Display hervor. Ansons-ten hat man sich auf Bewährtes verlassen. Wer bislang mit der Bedienung eines Garmin-Navis keine Probleme hatte, wird auch mit dem 340er sofort klarkommen. Das Menü bleibt klar und übersichtlich und lässt sich auf Anhieb erschließen.

Eine weitere, nicht unwesentliche Neuerung findet sich nicht im, sondern auf dem Karton als Aufdruck: Das Kürzel „LM“ (für „Lifetime Maps“) bezeichnet die für die Nutzungsdauer des Gerätes kostenlose Versorgung mit aktuellem Kartenmaterial. Ein nicht unerheblicher Faktor, wenn man bedenkt, dass ein Update mit neuen Kartensätzen im Schnitt um die 50 Euro und mehr kosten kann. Auf das Gerät ist Mitteleuropa aufgespielt, womit man einmal quer durch von Gibraltar bis an die russische Grenze navigieren kann.

Das jüngste Gerät im Test kommt von Garmins schärfstem Mitbewerber bei den Motorradnavis, von TomTom. Und das heißt wie immer: Rider. Und sieht im Prinzip auch aus wie immer. Nur dass man ihm in der 2013er-Ausführung nun auch das große Display mit 4,3 Zoll großer Diagonale verpasst hat - der Vorgänger namens Urban Rider hatte noch den 3,5-Zoll-Touchscreen-Monitor. In Sachen Menüführung, Symbole und Navi-gations-ansicht hält TomTom am bewährten Aufbau fest. Weshalb auch hier gilt: Wer sich bereits auf dem Rider 1 und (Urban) Rider 2 zu-recht-gefunden hat, wird auch mit dem neuesten TomTom problemlos klarkommen. Wie stark der Markt der Hightech-Elektronik unter Preisdruck steht, zeigt die Tatsache, dass auch TomTom beim Rider ein (natürlich auf das Gerät bezogenes) lebenslanges Karten-Update einschließt. Die Kartenabdeckung von Mitteleuropa ist fix und fertig aufgespielt, ein wenig Mehrwert wird durch die Zugabe der Hauptverbindungsstraßen vor allem in Osteuropa geboten.

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Preislich schenken sich die beiden wenig: 399 Euro für das Rider, 50 Euro mehr für das Zumo 340 LM. Viel weiter zeigt sich die Preisspanne unter den übrigen Testkandidaten. Bereits für knapp 190 Euro bietet der Elektronikversand Pearl unter der Hausmarke Navgear ein wasserdichtes Motorrad-Navi an, Garmin selbst offeriert als Alternative zum 340er noch zwei weitere Geräte, die fast 600 Euro kosten. Sind diese Mehrkosten gerechtfertigt?


Beim Griff in die Navgear-Verpackung wird man zunächst nachdenklich, immerhin fördert man aus dem Karton das umfangreichste Extra-Paket im Testfeld zutage: Dockingstation fürs Motorrad, Saugnapfhalterung fürs Auto, Ladekabel für den Zwölf- und 220-Volt-Anschluss und sogar ein Bluetooth-Headset für den Einbau in den Motorradhelm sind beim Tourmate SLX-350 inklusive. Dagegen nimmt sich die Extra-Bestückung der meisten anderen Geräte sehr mau aus. Allenfalls das Paket für das Zumo 660 ist ähnlich prall gefüllt, kostet dafür aber auch unterm Strich 410 Euro mehr. Weg von der Quantität, hin zur Qualität der einzelnen Produkte. Das günstige Navgear bietet mit 3,5 Zoll den kleinsten Bildschirm im Testfeld. Das Zumo 660 misst mit seinem auffälligen Widescreen-Bildschirm genauso wie das Zumo 340 und das Rider 4,3 Zoll in der Diagonale, das Montana 600 liegt mit vier Zoll knapp darunter. Bei den Halterungen vertrauen alle Garmin-Geräte wie auch das Rider von TomTom auf die extrem fest verschraubbare, gleichzeitig aber leichtgängige RAM Mount-Kugelkopfhalterung, die zudem mit selbstsichernden Muttern und federnden Unterlegscheiben umfassend gegen das Losrütteln der Schraubverbindungen geschützt wird. Auf diese Feinheiten muss man bei der Navgear-Halterung verzichten, der Halter selbst lässt sich deutlich hakiger justieren.

Und auch bei der Navigation überzeugen TomTom und die drei Garmin-Geräte durch präzisere Reaktionen und eine besser erfassbare Darstellung während der Fahrt. Nur an einem Punkt hat sich bislang wenig geändert. Die Kurven muss man sich vor der Zielprogrammierung immer noch selbst auf der echten Landkarte zusammensuchen.

Foto: mps-Fotostudio

Garmin Montana 600 Moto-Bundle

Anbieter: Garmin, Telefon 0 89/8 58 36 40, www.garmin.de
Preis: 599 Euro
Ausstattung: Vier-Zoll-TFT-Touchscreen, austauschbarer Lithium-Ionen-Akku (2000 mAh), Micro-SD-Kartenschacht, Lautsprecher, Motorradhalterung mit integriertem Bordnetzanschluss, USB-Kabel, 220-Volt-Ladekabel, selbstklebende Anti-Reflex-Folien, Kurzanleitung
Kartenmaterial: Garmin City Navigator NT „Europa“ auf Micro-SD-Karte beigelegt
Funktionalität: große Tastflächen, klare Piktogramme, sauberes Ansprechen. Das Montana 600 lässt sich einfach und intuitiv bedienen. Allerdings sollte man das GPS-Gerät über das umfangreiche Menü exakt auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt haben, um die klassischen Navigationsfunktionen auch unterwegs schnell anwählen zu können. Im Test überzeugt das Gerät mit über 8,5 Stunden Akkulaufzeit und der Möglichkeit, auch über herkömmliche Batterien vom Typ AA betrieben werden zu können
Navigationspraxis: Auf der MOTORRAD-Testrunde lieferte das Montana 600 bis auf einen Patzer, bei dem das Ziel über einen (für Fahrzeuge gesperrten) Wirtschaftsweg angefahren werden sollte, insgesamt eine solide Vorstellung. Besonderer Clou des Montana: die Möglichkeit der reinen Luftlinien-Navigation für entdeckungsfreudige Biker und umfangreiche Möglichkeiten zur Streckenaufzeichnung
Motorradtauglichkeit: Das wasserdichte Outdoor-Gerät lässt sich wahlweise im Hoch- oder Querformat einsetzen, was der Unterbringung in engen Cockpits sehr entgegenkommt. Routen werden in auffälligen Farben und mit gut sichtbaren Pfeilen auf dem hellen Display angezeigt. Die Dockingstation mit Bordnetzverkabelung wird mit der ultrastabilen RAM Mount-Halterung am Motorrad verschraubt. Was fehlt, ist die Möglichkeit der Bluetooth-Vernetzung

Fazit
Die teure, aber (fast) perfekte Lösung für Motorradfahrer, die mehr als ein klassisches Straßen-Navi erwarten. Mit dem Montana 600 ist zwar auch die Routenführung von A nach B möglich, die besonderen Stärken des ursprünglich reinen GPS-Gerätes sind aber die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten - etwa bei der reinen Offroad- oder Luftlinien-Navigation - sowie die umfangreichen Tracking-Funktionen. Durch das optional erhältliche Kartenmaterial lässt sich das Montana weltweit einsetzen.

MOTORRAD-Urteil: gut

Foto:

Garmin Zumo 340 LM CE

Anbieter: Garmin, Telefon 0 89/8 58 36 40, www.garmin.de
Preis: 449 Euro
Ausstattung: 4,3-Zoll-TFT-Touchscreen, fest eingebauter Lithium-Ionen-Akku (Kapazität k. A.), Micro-SD-Kartenschacht, Lautsprecher, Motorradhalterung, integrierbarer Bordnetzanschluss, USB-Kabel, Kurzanleitung
Kartenmaterial: Garmin City Navigator NT „Mitteleuropa“ vorinstalliert. Nach Online-Registrierung zeitlich unbefristete Möglichkeit zum kostenlosen Karten-Updaten
Funktionalität: Auch das neueste Gerät der Zumo-Reihe folgt dem Garmin-typischen Layout und lässt sich selbst mit dicken Motorradhandschuhen sicher bedienen. Einsteiger finden sich in den logisch und übersichtlich aufgebauten Menüs schnell zurecht, und auch Navi-Profis finden beim 340er noch reichlich Möglichkeiten zur Feinabstimmung wie Luftlinien-Navigation oder Möglichkeiten zur Routenerstellung. Mit knapp sechs Stunden Akkulaufzeit muss sich das Garmin 340 dem Rider von TomTom knapp geschlagen geben
Navigationspraxis: gleiches Kartenmaterial, gleicher Fehler beim Anfahren einer Adresse auf der MOTORRAD-Testrunde. Dafür überzeugt das Zumo 340 mit rasanten Streckenaktualisierungen beim Verlassen geplanter Routen, einer brillanten Anzeige mit Spurassistent und Kreuzungsansicht sowie klar verständlichen Sprachansagen. Beim Planen langer Routen (1000 Kilometer) mit vielen Vorgaben (kürzere Strecke, keine Autobahnen) geht das Garmin aber schnell in die Knie, berechnet nur Teilstücke oder bricht komplett ab
Motorradtauglichkeit: wasserdichtes Gehäuse, stabile Dockingstation, Kugelkopf-Halter von RAM Mount. Auch beim „kleinen“ Zumo muss auf nichts verzichtet werden. Per Bluetooth werden Sprachansagen zu Helm-Headsets übertragen

Fazit
Mit dem Zumo 340 rüstet Garmin nach dem 660er in der 4,3-Zoll-Klasse auf. Das Einsteiger-Navi für Motorradfahrer punktet vor allem durch die exzellente Routendarstellung, klar verständliche Ansagen und robuste Hardware - vom Gerät selbst bis zur Motorradhalterung. Ein echter Pluspunkt ist das im Kaufpreis enthaltene Karten-Update ohne zeitliches Limit. Garmin-Fans werden aber einige vom 660er bekannte Features wie das Koppeln mit dem Mobiltelefon vermissen.

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Foto: mps-Fotostudio

Garmin Zumo 660 LM

Anbieter: Garmin, Telefon 0 89/8 58 36 40, www.garmin.de
Preis: 599 Euro
Ausstattung: 4,3-Zoll-TFT-Touchscreen, austauschbarer Lithium-Ionen-Akku (1800 mAh), Micro-SD-Kartenschacht, Lautsprecher, -Motorradhalterung mit integriertem Bordnetzanschluss und Schutz-abdeckung, Saugnapfhalterung, Klebeplatten, USB-Kabel, 220- und Zwölf-Volt-Ladekabel, Tasche, Ersatzakku, Kurzanleitung
Kartenmaterial: Garmin City Navigator NT „Europa“ vorinstalliert. Nach Online-Registrierung zeitlich unbefristete Möglichkeit zum kostenlosen Karten-Updaten
Funktionalität: Display-Aufbau und Menüpunkte folgen der -typischen Garmin-Optik. Das heißt vor allem, dass sich auch Navi-Einsteiger schnell und unkompliziert durch das Menü klicken können. Erfahrene Navi-Anwender schätzen das unkomplizierte Aufzeichnen gefahrener Strecken oder das Laden selbst erstellter Routen. Mit rund vier Stunden Akkulaufzeit gerät das 660er schnell an seine Grenzen, weshalb ein Bordnetzanschluss sehr zu empfehlen ist
Navigationspraxis: Mit dem Fahrspurassistenten und der fotorealistischen Kreuzungsansicht punktet das mittlerweile leicht angegraute Navi immerhin noch bei der sicheren Streckenführung von A nach B, unterstützt von präzisen, gut verständlichen Sprachansagen. Wie die Schwestermodelle Montana und Zumo 340 scheitert es aber bei der korrekten Anfahrt auf ein Ziel der MOTORRAD-Testrunde. Beim Abweichen von geplanten Routen reagiert das 660er inzwischen spürbar träger als Geräte der aktuellen Motorrad-Navi-Generation (v. a. Zumo 340 und Rider)
Motorradtauglichkeit: Neben der stabilen Halterung punktet das Zumo 660 mit sehr guter Ablesbarkeit im Widescreen-Format und übersichtlicher Aufteilung. Besonderer Pluspunkt: die Vernetzung mit dem Mobiltelefon

Fazit
Das Zumo 660 ist nicht schlechter geworden, muss sich aber dem allgemeinen Trend elektronischer Geräte beugen, dass die Konkurrenz immer schneller auf- und sogar überholt: Vor allem beim Navigieren reagiert das große Garmin inzwischen leicht träge, angefangen beim Hochfahren bis hin zur Streckenaktualisierung. Allerdings punktet das Gerät in Sachen Ausstattung mit reichhaltigem Zubehör, dem kostenlosen Karten-Update sowie Features wie einem integrierten Media Player.

MOTORRAD-Urteil: gut

Foto: mps-Fotostudio

Navgear Tourmate SLX-350

Anbieter: Pearl, Telefon 0 76 31/36 03 50, www.pearl.de
Preis: 189,90 Euro (aktueller Angebotspreis, sonst 319,90 Euro)
Ausstattung: 3,5-Zoll-TFT-Touchscreen, austauschbarer Lithium-Ionen-Akku (1300 mAh), SD- und Mikro-SD-Kartenschacht, Lautsprecher, Motorradhalterung, integrierbarer Bordnetzanschluss, Saugnapfhalterung, USB-Kabel, 220- und Zwölf-Volt-Ladekabel, Helm-Bluetooth-Headset, Kurzanleitung
Kartenmaterial: Navgear „Westeuropa“ auf Mikro-SD-Karte beigelegt
Funktionalität: Der Touchscreen mit Gestensteuerung will mit Nachdruck bedient werden, um die einzelnen Menüpunkte zum -Navigieren aufzurufen oder die Einstellungen zu konfigurieren. Dabei lassen sich Icons sowohl mit der bloßen Hand, vor allem aber mit Handschuhen nicht immer sicher treffen. Obwohl das Menü sehr übersichtlich aufgebaut ist, hat es nicht die intuitive Logik, die Konkurrenzmodelle bieten. Die Akkulaufzeit fällt mit knapp drei Stunden im Test sehr bescheiden aus, die Initialisierung des Gerätes bis zum Auffinden der Satelliten dauert vergleichsweise lange (über eine Minute)
Navigationspraxis: Da der Kartensatz vom gleichen Anbieter wie für Garmin-Geräte kommt (Navteq), scheitert auch das Tourmate an einem Zielpunkt auf der MOTORRAD-Testrunde. Bei Abweichungen von der geplanten Route oder Abriss des Satellitensignals nimmt die Streckenaktualisierung zum Teil sehr viel Zeit in Anspruch. Gut im Blick dagegen: die 3D-Ansicht mit Spurassistent und Einblendung von fotorealistischen Gebäuden und Wegweisern
Motorradtauglichkeit: auf der Habenseite mit wasserdichtem Gehäuse, Bordnetzanschluss und Bluetooth-Headset fürs Motorrad gut gerüstet. Weniger gefällt die nur unzureichende Verschraubung der Halterung ohne echte Sicherung

Fazit
Das einzige 3,5-Zoll-Gerät im Test lockt vor allem mit einem extrem günstigen Preis, aber auch durch Inklusivleistungen, die für Motorrad-Navigatoren dringend zu empfehlen sind - so zum Beispiel ein Headset für den Helm zur Übertragung der Sprachanweisungen. Die Bedienung selbst, sowohl das Konfigurieren von Routen wie auch die Nutzung während der Fahrt, gerät bisweilen zur Geduldsprobe. Hier bieten die Konkurrenzmodelle mehr Komfort und sprechen sauberer an.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

TomTom Rider - Testsieger

Anbieter: TomTom, Telefon 00 31/20/7 57 50 00, www.tomtom.com
Preis: 399 Euro
Ausstattung: 4,3-Zoll-TFT-Touchscreen, fest eingebauter Lithium-Ionen-Akku (Kapazität k. A.), Motorradhalterung, integrierbarer Bordnetzanschluss, USB-Kabel, 220-Volt-Ladestecker, Kurzanleitung
Kartenmaterial: Teleatlas „Europa“ vorinstalliert. Nach Online-Registrierung zeitlich unbefristete Möglichkeit zum kostenlosen Karten-Updaten
Funktionalität: Ein sauber strukturiertes, logisch durchdachtes Menü mit großen, klar erkennbaren Piktogrammen macht die Bedienung des neuen Rider selbst mit dicken Motorradhandschuhen und auch während der Fahrt zum Kinderspiel. Im Akkubetrieb warnt das TomTom rechtzeitig und mit langem Vorlauf (über eine Stunde) vor niedrigem Ladestand; die Laufzeit ist mit knapp über sechs Stunden im Testbetrieb sehr zufriedenstellend. Darüber hinaus zeichnet sich das Rider durch Menüpunkte wie eine Simulation geplanter Routen im frei skalierbaren Zeitraffer oder die Anbindung eines Telefons aus
Navigationspraxis: Auf der MOTORRAD-Testrunde patzt das TomTom bei einer Zielanfahrt, die in einer Sackgasse endet und zu Fuß fortgesetzt werden muss. Ansonsten reagiert das Rider bei Routenabweichungen mit ultraschnellen Streckenaktualisierungen. Das extrem helle Display geht auch bei direktem Lichteinfall nicht in die Knie und überzeugt mit seiner aufgeräumten Darstellung, über die alle relevanten Informationen während der Fahrt mit einem Blick wahrgenommen werden können - garniert mit Spurassistent und fotorealistischer Kreuzungsansicht. Nur die Routenplanung am Gerät braucht Zeit
Motorradtauglichkeit: Wie die Vorgänger glänzt das neueste Rider mit wasserdichtem Gehäuse, stabiler Dockingstation, Bordnetzanschluss und frei schwenkbarer RAM Mount-Verschraubung

Fazit
Mit Menüpunkten wie „Planen kurvenreicher Routen“, der Streckenaufzeichnung und dem Austausch mit anderen Geräten via Bluetooth kommt TomTom den Ansprüchen von Tourenfans an ihr Navi noch einmal deutlich entgegen. Aber auch in der simplen Streckenführung von A nach B glänzt das neue Rider mit großem und hellem Bildschirm, klarer 3D-Darstellung und verständlichen Ansagen. Via Bluetooth können nicht nur Headsets, sondern auch Telefone mit dem Rider verbunden werden.

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Alternativen

Mittlerweile können auch wetterfeste Outdoor-GPS-Geräte für Radfahrer und Wanderer mit entsprechender Software als Straßennavi eingesetzt werden. Taugen sie fürs Motorrad?

Foto: mps-Fotostudio

Falk Ibex Cross 30

Das GPS-Gerät ist für Wanderer und Radfahrer gedacht, die nicht nur über die Aufsicht auf topografische Karten navigieren, sondern sich auch im Gelände - wie beim Navigieren auf der Straße - mit Abbiegehinweisen zum Ziel leiten lassen. Beim Cross 30 ist eine routingfähige Straßenkarte inklusive, die aber nur die D-A-CH-Region umfasst. Das Gerät mit dem 3,5-Zoll großen Display erfüllt den IPX7-Standard (wasserdicht), hat aber keine Bluetooth-Schnitt-stelle. Ein Tipp für Offroad-Wanderer in den Alpen. Preis 449,95 Euro, Bezug: www.falk-outdoor.com

Foto: mps-Fotostudio

Takwak TW 700

Das wasserdichte, staubgeschützte Gerät (IP57) kombiniert ein Outdoor-Navi für Wanderer und Radfahrer mit Smartphone (inklusive Bluetooth-Schnittstelle und Fünf-Megapixel-Kamera) und Walkie-Talkie. Neben der Offroad- ist auch eine Straßennavigation integriert. Wahlweise lassen sich Open Street Maps (OSM) kostenlos laden oder topografische Karten beziehen. Die D-A-CH-Region ist auf dem Gerät mit druckempfindlichem 3,5-Zoll-Display installiert. Unser Tipp als motorradtaugliche Smartphone-Alternative. Preis 549 Euro, SIM-Karte erforderlich, Bezug www.takwak.com

Foto: mps-Fotostudio

VDO GP2 MTB

Der wasserdichte Navigator für Radler ist dank einer Navteq-Straßenkarte für die D-A-CH-Region auch auf dem Motorrad voll routingfähig. Beim Berechnen von Touren ist für -Motorradfahrer neben „kurz“ oder „schnell“ auch die Präferenz „Rennrad“ interessant, um über Nebenstrecken geführt zu werden. Für Reisen in andere Länder lassen sich über eine entsprechende App auf dem VDO mit 3,5-Zoll-Display kostenlos erhältliche OSM-Karten installieren. Da sich über die PC-Software Tracks in eine Tour mit Abbiegesymbolen umwandeln lassen, ist der GP7 ein heißer Tipp für Tourenplaner. Preis 399,95 Euro, Bezug www.cycleparts.de

Foto: Lohse

So testet MOTORRAD

Von A wie Akkuleistung bis Z wie Zielführung. Beim Navi-Test zählt vor allem der Praxisnutzen der Pfadfinder. Ein Blick auf das MOTORRAD-Testprotokoll.

Ausstattung (10 Punkte):
der (teils ernüchternde) Blick in den Karton. Was gibt es fürs Geld? Auf jeden Fall das Navigationsgerät. Doch wie sieht es mit dem notwendigen Zubehör aus? Sind zum Beispiel alle Ladekabel vorhanden, gibt es Extras wie eine Kfz-Halterung oder PC-Software zur Geräteverwaltung?

Funktionalität (20 Punkte):
Nun aber ran ans Gerät! Wie lange dauert es, bis es nach dem Einschalten den Satellitenkontakt aufgenommen hat und betriebsbereit ist? Ist das Menü verständlich aufgebaut, wie leicht (und schnell) lassen sich Routen planen? Wie lange hält der Akku durch?

Navigationspraxis (40 Punkte):
die Paradedisziplin im Test. Werden alle Ziele auf der MOTORRAD-Test-runde korrekt angefahren, reagiert das Navi schnell und präzise auf Abweichungen?

Motorradtauglichkeit (30 Punkte):
schrauben, schauen, lauschen. Von der Display-Güte über die Bedienung während der Fahrt bis hin zur Sprachübertragung. Wie gut funktioniert das Navi auf dem Motorrad?

Alternative Haltesysteme

Smartphone, Outdoor- oder Portable-Navi fürs Auto: Mit diversen Haltesystemen von Zubehöranbietern lässt sich mittlerweile nahezu jedes elektronische Pocket-Gerät am Motorrad unterbringen. Idealerweise sollten die Halterungen den Wetterschutz mitbringen, den die empfindlichen Geräte von Haus aus nicht haben. Dank gekapselter Zugänge wäre auch eine Versorgung mit Bordstrom oder über die Zwölf-Volt-Steckdose problemlos möglich. Allerdings könnten durch die feinen Vibrationen, die zwangsläufig im Fahrbetrieb entstehen, auf Dauer die Mini-USB- oder Ladestecker am Gerät förmlich zerrüttelt werden.

Foto: mps-Fotostudio

Givi

Mit Softtaschen in unterschiedlichen Größen lässt sich vom iPhone 4 bis zum 4,3-Zoll-Navi nahezu jedes Gerät passgenau verstauen. Die Reißverschlüsse sind wasserdicht getaped, eine Extra-Regenhaube schützt bei heftigen Schauern. Über einen pfiffigen Schnellverschluss wird die Tasche an der Klemmhalterung für Rohrlenker aufgesteckt. Preis: ab 39,95 Euro. Bezug-Infos: www.givi.de

Foto: mps-Fotostudio

SW-Motech/Bags Connection

Über den Quicklock-Schnellverschluss von SW-Motech lassen sich wasserfeste Softtaschen von Bags Connection in diversen Größen im Cockpitbereich des Motorrads unterbringen. Der Halter selbst ist gedämpft, um Vibrationen oder Stöße zu minimieren. Die Reißverschlüsse der Tasche sind genauso wie die Kabeldurchführungen spritzwassergeschützt. Preis: ab 76,95 Euro, Bezug-Infos: www.sw-motech.de

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Touratech

iBracket heißt die nicht minder stylishe Lösung des Schwarzwälder Expeditionsausrüsters für Apples iPhone-Serie (3G bis 5). Über einen Hebel wird das Smartphone in den Halter aus Edelstahl eingespannt, der mit Halteschellen an gängigen Rohrlenkern fixiert wird. Der Halter ist um 90 Grad drehbar und über eine Gummilagerung vibrationsentkoppelt. Was allerdings fehlt, ist ein Wetterschutz. Preise: von 59,90 (3G) bis 99,90 Euro (iPhone 5). Bezug-Infos: www.touratech.de

Foto: mps-Fotostudio

Wunderlich

Der „Multipod“ des BMW-Spezialisten ist ein Universal-Gerätehalter, der über die Lenkerklemmschrauben im Cockpit aufgesetzt wird und über zwei Kugelgelenke frei schwenkbar ist. Wahlweise lässt sich auf der vibrationsentkoppelten Adapterplatte direkt ein Navi-Halter (BMW Navigator, Garmin oder TomTom) aufsetzen oder der „Mediabag“, eine wasserfeste und staubdichte Weichtasche mit Rollverschluss, per Klett fixieren. Preise: Multipod 89,90 Euro, Mediabag 39,90 Euro, Bezug-Infos: www.wunderlich.de

Foto: mps-Fotostudio

Endwertung

Auch wenn sich das Rider von TomTom in der Schlussbilanz etwas vom Garmin Zumo 340 absetzen kann, hat jedes Gerät seine Eigenschaften, die dem ein oder anderen Nutzer besser zusagen: das Rider für alle, die ein schnelles, komfortabel zu handhabendes Straßen-Navi suchen. Das Zumo 340 für diejenigen, die mit dem Gerät tiefer in die klassische GPS-Navigation einsteigen wollen. Das ist vor allem die Stärke des Montana 600, leider fehlt es an der für Motorradfahrer wichtigen Bluetooth-Schnittstelle.

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