Navigationssysteme für Motorräder (Archivversion) Standpunkt

Sinkende Einstiegsbarrieren bringen auch überzeugte Landkarten-Freaks auf digitalen Geschmack. Allerdings droht das Orientierungsgefühl dabei zu degenerieren.

Ich gestehe: Hätte Kollege Zdrahal nicht irgendwann in meiner Bürotür gestanden und verkündet, er suche für ein neues
Einsteiger-Navigationsgerät eine Versuchsperson – ich wäre vermutlich bis heute GPS-resistent. Aber das klang fast unmoralisch gut: Das TomTom Rider solle ohne Einarbeitung oder Vorkenntnisse quasi aus der Packung heraus wegweisen. Einschalten, losfahren. Da kam die nächste Fete irgendwo jenseits des Äquators gerade recht. Und tatsächlich: Die Anleitung war kaum komplizierter als die meines Rasenmähers,
alles begreif- und umsetzbar. Und ich fünf Stunden und 490 Kilometer später punktgenau im Pusemuckeler Hasenpfad 7. Ohne 92 Karten oder qualvolle Wegbeschreibung (»...äh, dann hinter der dürren Fichte links, äh, oder rechts?!?«) Traumhaft! Aber wehe, irgendwas geht schief – Akku leer, Adresse falsch, Panne, was auch immer –, der Tunnelblick des reinen Instrumentenflugs stellt bei mir jegliche Orientierungssynapsen komplett auf null. Oder
wissen Sie nach zwei Stunden Pfeilverfolgung noch, wo Sie sich befinden? Ich nicht. Ich navigiere be-geistert digital, doch nie ohne Karte.

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