Produkttest: Motorrad-Navis Motorrad-Navigationsgeräte im Vergleichstest

Eine neue Generation von Motorrad-Navis mit wasserdichten Gehäusen und stabilen Halterungen soll den Markt beleben. Erfüllen diese elektronischen Landkarten nun alle Wünsche der Zweiradpiloten? Der Test klärt, wo noch Steine auf dem Weg liegen.

Foto: Archiv

Sie sollten es Ihrer Frau nicht gleich unter die Nase reiben, aber Motorradfahren ist ein teures Hobby. Das wird vor allem deutlich, wenn Sie auf der Suche nach speziellen Zubehörteilen für Ihr Gefährt sind. So zum Beispiel bei Navigationsgeräten. In den Läden stapeln sich die günstigen elektronischen Pfadfinder in allen Facetten und Formen. Doch an das Thema Motorradnavigation haben sich bislang nur wenige Hersteller gewagt. Die zu erwartenden Absatzzahlen sind im Vergleich zu Pkw-Produkten gering. Zudem erfordern Motorradnavis einen deutlich höheren Entwicklungsaufwand, was den Preis in die Höhe treibt.

Natürlich lassen sich handelsübliche Low-budget-Geräte unter 100 Euro auch irgendwie am Motorrad unterbringen. Allerdings muss man bei einer solchen Lösung eine gewisse Portion Leidensfähigkeit mitbringen und sich frühzeitig darauf einstellen, dass man die Rustikallösung irgendwann gefrustet in die Ecke feuert.

Zum A und O eines guten Motorrad-Navis zählt deshalb ein robustes, wetterfestes Gehäuse. Alle Geräte in diesem Test erfüllen den IPX-7-Standard. Der Schutzgrad für elektrische Betriebsmittel besagt: Das Gerät hält rund eine halbe Stunde unter Wasser dicht. Ein Aspekt, den man als Motorradfahrer nicht vernachlässigen sollte. Navis, die nur spritzwassergeschützt sind (IPX-4), können schon bei einem Regenschauer Schaden nehmen. Ob der Hersteller diesen als Garantiefall behandelt, ist mehr als fraglich. Gleiches gilt für die angesagten Smartphones à la Apple I-Phone und Co. Feuchtigkeit gepaart mit Vibrationen können den empfindlichen Geräten schnell den Garaus machen.

Natürlich ließe sich das Navi durch spezielle Tankrucksack-Adapter auch wasserdicht einpacken. Nur ist es dann meist vorbei mit der guten Draufsicht, von einer Bedienung des Gerätes mit wurstigen Handschuhen ganz abgesehen. Deshalb sollte ein gutes Motorradnavi bereits ab Werk mit einer soliden Halterung versehen sein. Bewährt haben sich die robusten Kugelkopfverschraubungen von Ram-Mount, mit denen sich das Navi an fast jedem Bike, vom Allrounder bis zum Superbike, befestigen läßt. Eine solche Halterung sollte das Gerät sicher aufnehmen und beim Einschub mit Bordstrom versorgen. Was fehlt zum guten Schluss? Eine aktuelle, verlässliche Landkarte natürlich. Auf die sollte bei der Routenplanung auf keinen Fall verzichtet werden.

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Foto: mps-Fotostudio

A-Rival PNX 35 M

Anbieter: Baros, Telefon 0511/12383506, www.a-rival.de
Preis: 299 Euro

Ausstattung: 3,5-Zoll-TFT-Monitor, Li-Ion-Akku (1800 mAh), Micro-SD-Kartenschacht, Lautsprecher, Bluetooth-Headset, Motorrad- und Autohalterung, Bordnetzanschluss, 12/24- und 220-V-Ladekabel

Kartenabdeckung: Europa (ohne Russland)

Gewicht: 240 Gramm

Bedienung: Die Eingabe über den Bildschirm gerät zur Geduldsprobe. Ohne Schlüssel oder Stift sind die sehr kleinen Tastflächen kaum exakt zu treffen, eine Bedienung mit Motorradhandschuhen (bsp. Scrollen oder Zoomen) ist fast gar nicht möglich. Darüber hinaus mangelt es an einer logischen und intuitiven Menü-Führung.

Darstellung: Insgesamt ein verwirrender und schlecht erfassbarer Aufbau im ungewöhnlichen Hochkantformat und auf zu knappem Raum. Für die 3D-Streckenansicht wird nur eine Bildschirmhälfte genutzt, die durch Einblendungen von Spurassistenten und Straßenschildern zusätzlich eingeengt ist. Die andere ist mit Piktogrammen und Daten zur Streckenführung belegt. Wem das Querformat lieber ist, kann auf Autobetrieb umschalten, hat dann aber Probleme mit dem ohnehin dürftigen Blendschutz der Gerätehalterung. Bei Sonneneinfall ist das Display hoffnungslos überfordert.

Navigation: Unterm Strich zu ungenau und zudem mit teils verwirrenden und schlecht verständlichen Sprachanweisungen. Dazu kommen grobe Schnitzer wie die Wendeansage in einer Einbahnstraße. Auf Abweichungen geplanter Routen reagiert das A-rival träge.

Befestigung: Lenkeraufnahme und Kugelkopfverschraubung sind gut gelöst, das Navi selbst muss aber im Halter verschraubt und per vibrationsgefährdetem USB-Port ans Bordnetz angeschlossen werden.

Plus:
Ausstattung, Preis

Minus:
Bedienung, Darstellung, Navigationspraxis

FAZIT:
In Sachen Preis/Leistung überzeugt das A-rival durch sein reichhaltiges Ausstattungspaket: Ladekabel, Bordnetzanschluss, Halterung, Bluetooth-Headset, wasserdichtes Gehäuse nach IPX-7-Standard. Der Betrieb ist im Hoch- oder Querformat möglich. Im harten Motorradeinsatz zeigen sich aber etliche Schwächen: umständliche Gerätehalterung, schlecht ablesbares Display, verwirrende Menüführung mit schlecht zu bedienendem Bildschirm und obendrein Patzer bei der Navigation.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

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Foto: mps-Fotostudio

Garmin Zumo 220

Anbieter: Garmin, Telefon 089/8583640, www.garmin.de
Preis: 399 Euro (UVP); 346,69 Euro (Garmin-Onlineshop)

Ausstattung: 3,5-Zoll-TFT-Monitor, Li-Ion-Akku (1800 mAh), Micro-SD-Kartenschacht, Lautsprecher, Motorrad- und Autohalterung, Bordnetzanschluss, 12V- und USB-Ladekabel

Kartenabdeckung: Europa (ohne Russland)

Gewicht: 210 Gramm

Bedienung: Die großen Tastflächen mit klarer Beschriftung und gut erkennbaren Piktogrammen machen die Eingaben am kleinen Garmin selbst mit Motorradhandschuhen und während der Fahrt zum Kinderspiel. Dazu passt auch der logische Menüaufbau. Einzig das Durchblättern der Menüs ist mit der nur vorhandenen Zurück-Funktion umständlich und nicht mehr zeitgemäß.

Darstellung: Das kontrastreiche, weiß unterlegte Display ist nicht nur gut ablesbar, sondern auch praktisch eingeteilt. Große 3D-Kartendarstellung, eingeblendeter Fahrspurassistent, dazu individuell belegbare Reiter mit wichtigen Fahrinformationen (z. B. Geschwindigkeit, Kompass, Höhenmeter). Ebenfalls gut gelöst: die Anzeige der Tempolimits sowie der Radarwarner.

Navigation: Die Leistung auf der MOTORRAD-Testrunde bleibt insgesamt schwach. Aussetzer beim Einfahren in Tunnels sowie dem korrekten Anfahren zweier Ziele nerven genauso wie der ruckelige Seitenaufbau sowie die teils abgehackte und damit schwer verständliche Sprachanweisung. Dafür glänzt das Garmin mit Extras wie der Routenaufzeichnung.

Befestigung: Die Docking-Station wird zwar per ultrastabilem Kugelkopf (Ram-Mount) am Motorrad verschraubt, die Sicherung fürs Gerät selbst ist aber ebenso dürftig wie der Bordnetzanschluss via USB.

Plus:
Display, Menüaufbau, Bedienung

Minus:
Streckenführung, Halterung

Fazit:
Garmins 220er gefällt durch seine kompakte, schlanke Form sowie die intuitive Menüführung. Reiseprofis werden vor allem die Möglichkeiten der Routenaufzeichnung sowie die schnell abrufbaren Infos zum jeweiligen Standort zu schätzen wissen. Beim Navigieren von A nach B stimmt es zwar bei der Darstellung, weniger aber beim korrekten Ansteuern der gewünschten Ziele. In punkto Schnelligkeit (Grafik, Sprachausgabe) rangiert das Garmin mittlerweile in der zweiten Liga.

MOTORRAD-Urteil: Gut

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MOTORRAD-Testsieger: Garmin Zumo 660

Anbieter: Garmin, Telefon 089/8583640, www.garmin.de
Preis: 599 Euro (UVP); 507,95 Euro (Garmin-Onlineshop)

Ausstattung: 4,3-Zoll-TFT-Monitor, Li-Ion-Akku (1800 mAh), Micro-SD-Kartenschacht, Lautsprecher, Motorrad- und Autohalterung mit Bordnetzanschluss, 12V- und 220V-Ladekabel, Schutztasche, SD-Karte mit 800 Motorrad-Touren

Kartenabdeckung: Europa (ohne Russland)

Gewicht: 270 Gramm

Bedienung: Dank großer Bildschirm-Tastflächen lässt sich das Zumo 660 sicher und fehlerfrei bedienen. Wichtige Reiseinfos (Entfernung zum Zielort, Höhenmeter, Kompassanzeige) oder Übersichtskarten sind schnell abrufbar, umständlich dagegen ist die Anwahl wichtiger Ziele während der Fahrt (z. B. die nächstgelegene Tankstelle).

Darstellung: Das 660er punktet durch den gut auflösenden 4,3-Zoll-TFT-Bildschirm in attraktiver Widescreen-Optik. Selbst bei direktem Sonneneinfall bleibt die Darstellung des 660ers kontrastreich.

Navigation: Nur auf einem Abschnitt der MOTORRAD-Teststrecke leitet der Garmin-Navigator in die Irre. Ansonsten werden alle Zielvorgaben mit Bravour gelöst. Zusätzlich zu den klaren Sprachanweisungen hilft ein Fahrspurassistent mit zum Teil fotorealistischen Einblendungen. Dank Routenimport und -aufzeichnungsmöglichkeit sowie einer SD-Karte mit rund 800 Touren aus dem MOTORRAD-Tourenplaner bleiben planerisch kaum Wünsche offen.

Halterung: Die Dockingstation mit integriertem Bordnetzanschluss nimmt das Gerät sicher auf und läßt sich dank stabiler Kugelkopfverschraubung fest am Motorrad verankern.

Plus:
Display, Ansagen, Halterung

Minus:
Zielanwahl während der Fahrt

Fazit:
Mit dem Zumo 660 setzt sich Garmin an die Spitze der Motorrad-Navigation. Schwachstellen, die unter anderem in punkto Streckenführung beim 550er-Vorgänger bemängelt wurden, sind beseitigt, die Benutzerfreundlichkeit ist dank des Widescreen-Bildschirms spürbar gestiegen. Mit wasserdichtem Gehäuse, universell einsetzbarem Gerätehalter, der pfiffigen Vernetzung via Bluetooth zu Headset und Mobiltelefon sowie langer Akkulaufzeit lässt der Zumo 660 keine Wünsche offen.

MOTORRAD-Urteil: Sehr gut

Foto: mps-Fotostudio

Navgear Tourmate MX 350

Anbieter: Pearl, Telefon 07631/3600, www.pearl.de
Preis: 329,90 Euro (UVP); 199,90 (Pearl-Online-Shop)

Ausstattung: 3,5-Zoll-TFT-Monitor, Li-Ion-Akku (1000 mAh), SD-Kartenschacht, Bluetooth-Headset, Motorradhalterung mit Bordnetzanschluss, 220V-Ladekabel Kartenabdeckung: Europa (ohne Russland)

Gewicht: 230 Gramm

Bedienung: Das Startmenü läßt sich dank großer Tastfelder mit klar erkennbaren Piktogrammen leicht und schnell bedienen, die Eingabemaske für Adressen ist vorbildlich gelöst. Problematisch: das Scrollen, wo man sich durch die enge Anordnung der Eingabefelder schnell vertippt und mit Motorradhandschuhen keine Chance hat.

Darstellung: Der Bildschirm glänzt mit einer sehr gut einsehbaren Routenansicht in 3D. Wichtige Infos zum Streckenverlauf (Spur-assistent, Wegweiser, Tankstellen) werden sauber und gut erkennbar eingeblendet. Zusätzliche Infos wie z. B. die Geschwindigkeitsanzeige müssen über eine Extraseite abgerufen werden. Unterm Strich ist die Darstellung für sonnige Tage trotz des Blendschutzes am Gerät zu kontrastarm und wirkt etwas fahl.

Navigation: In Sachen Präzision legt der Tourmate die Latte sehr hoch. Die Reaktionszeit beim Abweichen von geplanten Routen ist extrem gering, die alternative Route steht selbst beim GPS-Signalabriss im Tunnel in Sekundenschnelle. Dazu kommt eine flüssige, gut verständliche Sprachansage. Einziger Patzer auf der MOTORRAD-Testrunde: die Zielanfahrt über einen gesperrten Wirtschaftsweg.

Befestigung: Die Dockingstation mit Bordstromanschluss verriegelt sicher. Weniger gefällt die schwache Kugelkopfverschraubung sowie der Halter, der bei konifizierten Lenkern Probleme bereitet.

Plus:
Präzision, Schnelligkeit, Ausstattung, Preis

Minus:
Halterung, fahles Display, Akkuleistung

Fazit:
Der Einstand bei den Motorradnavis ist gelungen. Optisch stark am Platzhirsch von TomTom angelehnt, geht das Navgear in Sachen Navigation aber eigene Wege. Komfortable Bedienung, saubere Darstellung und klare Ansagen sind überzeugend gelöst. Das Ausstattungspaket ist inklusive eines wetterfesten Bluetooth-Headsets für den Helm reichhaltig und gemessen am derzeitigen Angebotspreis unter 200 Euro unschlagbar. Da nimmt man auch die schwache Akkuleistung in Kauf.

MOTORRAD-Urteil: Gut

Foto: mps-Fotostudio

MOTORRAD-Kauftipp: TomTom Urban Rider

Anbieter: TomTom, Telefon 0031/20-7575000, www.tomtom.com
Preis: ab 249 Euro (UVP)

Ausstattung: 3,5-Zoll-TFT-Monitor, Li-Ion-Akku (2200 mAh), Motorradhalterung, 220V-Ladekabel

Kartenabdeckung: Mitteleuropa (ohne Skandinavien und Großbritannien); mit Gesamt-Europa (inkl. Russland) 299,95 Euro

Gewicht: 310 Gramm

Bedienung: In Sachen Benutzerfreundlichkeit für Motorradfahrer setzt der TomTom Rider weiterhin Maßstäbe. Ein besonderes Bonbon ist die Bedienung während der Fahrt. Mittels zweier Tastbefehle ist beispielsweise die nächste Tankstelle als Ziel programmiert. Der Touchscreen lässt sich auch mit Handschuhen sehr sicher bedienen.

Darstellung: Dank kontrastreicher Darstellung ist das Display bei allen Lichtverhältnissen sehr gut ablesbar. Der Fahrspurassistent wird zusätzlich durch realistische 3D-Ansichten an großen Wegpunkten (Autobahnkreuzen) unterstützt. Dazu sind Zusatzinfos zu aktuellen Geschwindigkeit, Tempolimits, Radarwarner, der Fahrstrecke oder Ankunftszeit eingeblendet.

Navigation: Der Urban-Rider gefällt auf der MOTORRAD-Testrunde durch seine Präzision - alle Ziele werden exakt angesteuert. Beim Abweichen von der Strecke ist die Route binnen Sekunden aktualisiert, Tunneldurchfahrten mit GPS-Abriss werden ebenfalls sehr gut gemeistert. Die klar verständlichen Ansagen lassen sich auch problemlos ohne Blick auf das Display umsetzen.

Halterung: Besser als mit der genialen Dokingstation des Urban-Rider läßt sich kein Navi am Motorrad unterbringen. Kleines Manko: die Variante mit integrierter Bordstromversorgung gibt es nur gegen Aufpreis (64,95 Euro).

Plus:
Display, Bedienung bei der Fahrt, Präzision

Minus:
Nur Akkubetrieb möglich

Fazit:

Die Low-Budget-Variante des bekannten Rider 2 zeigt sich in Sachen Funktionalität in Bestform: In punkto Motorradtauglichkeit setzt TomTom weiterhin Maßstäbe. Dazu kommen sinnvolle Bonbons wie die Bluetoothvernetzung mit Helmen und Mobiltelefonen. Die Darstellung hat durch die fotorealistischen 3D-Einblendungen nochmals deutlich hinzugewonnen. Dafür hat man den Rotstift bei sinnvollen Features wie der bordstromgespeisten Dockingstation angesetzt.

MOTORRAD-Urteil: Sehr gut

Zeichnung: Archiv

MOTORRAD-Wertung

Verdienter Sieg für das Rundumsorglospaket von Garmin. Der Zumo 660 ist nichts für Sparfüchse, lässt dafür aber kaum Wünsche offen: stabiler Sitz am Bike, großes Display, gute Streckenführung, viele Extra-Einstellungen. TomToms abgespeckter Rider lockt ebenso wie der Newcomer von Navgear mit günstigem Einstandspreis.

Foto: Touratech

Navis in Smartphones

Smartphones wie das jetzt schon kultige I-Phone von Apple, heißbegehrter Elektronik-Fetisch, punkten mit großer Vielseitigkeit (große Displays, Internetzugang, hohe Bild- und Videoqualität) und erübrigen häufig zusätzliche Geräte wie Digitalkamera oder elektronischer Terminplaner. Vor allem bei dem gerade erschienenen I-Phone 4, das auch ohne SIM-Lock erhältlich ist, taucht schnell die Frage auf: Läßt sich das Multifunktionshandy wie seine Konkurrenz auch als Motorradnavi nutzen? Bedingt. Immerhin ist mittlerweile zwar brauchbares Kartenmaterial verfügbar. Aber auch, wenn einige Geräte über GPS-Satelliten-Empfang verfügen (ansonsten steckt man unter Umständen in einem Sendeloch des jeweiligen Mobilnetzanbieters fest), würden Vibrationen und Wettereinflüsse einem ungeschützt am Motorrad angebrachten Gerät schnell den Garaus machen.

Foto: mps-Fotostudio

Spezielle Halterungen von Touratech und anderen Ausrüstern ermöglichen zwar die Motorrad-Navigation via Smartphone. Doch wie sich ein dauerhafter Einsatz an der Maschine auf die Lebensdauer des guten Stücks auswirkt, ist ungewiss und könnte beim Garantiefall Probleme bereiten. Insgesamt also eine Lösung mit vielen Abstrichen. Würde allerdings ein Global Player wie Google mit bereits vorhandener, ausgezeichneter Software-Grundlage eine eigene Hardware in Form eines absolut stoß- und wetterfesten Smartphone auf den Markt bringen, sähe das der viel zitierten eierlegenden Wollmilchsau - und genau dahin geht der Trend - schon sehr ähnlich.

Mit entsprechenden Halterungen sind Outdoor-Geräte wie das Garmin 62st schon jetzt nicht nur für perfekt mit Koordinationsdaten jonglierende Expeditionsfreaks, sondern auch für Enduristen sowie Motorradfahrer mit zusätzlichen Draußen-Hobbys wie Wandern, Kanufahren, Rad- und Wintersport eine heiße Alternative. In Bedienung und Kartendarstellung schon seit Längerem deutlich verbessert, verfügen die extrem robusten Outdoor-Handgeräte außerdem häufig über Zusatzfunktionen wie Puls- und Höhenmesser. Noch Zukunftsmusik: flächendeckende, komfortable Routingfunktionen für detailreiche topografische Karten. Firmen wie Geove arbeiten zurzeit intensiv daran. Motorradfahrer müssen zwar auf Komfortgimmicks wie handschuhtaugliche Touchscreens oder eine sprachgesteuerte Routenführung verzichten, bekommen aber für gelegentliches Touring ein gutes Werkzeug mit auf den Weg. Der kann dann auch mal abseits des normalen Straßenverkehrs verlaufen.

So testet MOTORRAD

Auf einer trickreichen Teststrecke fühlt MOTORRAD den Qualitäten der Navigationsgeräte auf den Zahn. Dabei kommt es auf folgende Punkte an, die schließlich in der Endwertung auf der folgenden Seite zusammenfasst sind:

Navigationspraxis (max. 30 Punkte): Wie sicher führt das Gerät durch den Straßenschungel von Stuttgart mit seinen Einbahnstraßen und vielen Tunneldurchfahrten? Präzision und exakte Streckenanzeige ist auch bei der Überlandnavigation gefragt. Weiterhin im Fokus: Schnelligkeit und Güte von Streckenberechnung und Aktualisierungen, GPS-Empfang und Akkuleistung.

Motorradtauglichkeit (max. 40 Punkte): Wie gut läßt sich das Navi auf dem Motorrad einsetzen? Dazu wird nicht nur die Gerätehalterung genau unter die Lupe genommen. Genauso kommt es an auf ein robustes, wetterfestes Gehäuse (Minimum: IPX-7-Standard) sowie auf die Qualität der Darstellung, die Güte des Displays bei Sonneneinfall, die Sprachübertragung, Bedienung mit Motorradhandschuhen während der Fahrt, die Anschlussmöglichkeiten ans Bordnetz, über Bluetooth an Headsets, Helme und ggf. das Mobiltelefon.

Navigationsfunktion (max. 20 Punkte): Wie komfortabel ist die Eingabemaske beim Eingeben von Adressen oder Planen von Routen gestaltet? Welches Kartenmaterial (Umfang, Aktualität) liegt vor, gibt es motorradspezifische Extras bei Sonderzielen, den POIs oder sogar eigene Routenvorlagen? Können gefahrene Strecken gespeichert oder geplante Touren übertragen werden?

Ausstattung/Service (max. 10 Punkte): Neben den Gerätemerkmalen (Prozessorleistung, Speichergröße etc.) kommt es auch die mitgelieferten Extras wie Headset oder Ladegeräte sowie die Qualität der Anleitung an.

Begriffskunde

Um mit Weltraumtechnik auf der Erde unterwegs zu sein, bedarf es keiner astronomischen Ausbildung. Das kleine Einmaleins der Motorradnavigation.

GPS steht für Global Positioning System und bezeichnet die satellitengestützte Grundlage heutiger Navigationssysteme. Das GPS-Signal wurde ursprünglich vom US-Militär installiert und ist für den Alltagsgebrauch erst seit gut zehn Jahren praktisch nutzbar.

Waypoint oder auf deutsch "Wegpunkt" ist Basis der Navigation und steht für eine im GPS-Empfänger gespeicherte Position. Er wird entweder über Koordinaten eingegeben oder aus der im Gerät installierten Datenbank (Adresse, POI) ausgewählt. TIPP: Beim Erstellen von Touren sollten die Wegpunkte zuvor beim Planen mit einer klassischen Landkarte möglichst exakt definiert werden.

Track bezeichnet im GPS-Jargon den zurückgelegten Weg und ist das Gegenteil zur Route (der geplante Weg). TIPP: Unterstützt das Navi eine Track-Aufzeichnung, können diese Daten über PC-Anwendungen wie Google Earth zur Tourenplanung genutzt werden.

POI heißt "Point of Interest" und ist das Kürzel für "interessante Orte". Darunter fallen meist Tankstellen, Hotels, Restaurants, Museen, Werkstätten etc. TIPP: Die werksseitig auf einem Navi gespeicherte POI-Liste lässt sich bei vielen Navi-Anbietern online aktualisieren oder anpassen.

TMC steht für Traffic Message Channel und ist ein digitaler Verkehrdienst von UKW-Radiostationen mit Informationen zur Verkehrslage. Je nach Ausstattung kann das Navi somit Staus oder andere Verkehrsbehinderungen bei der geplanten Route einbeziehen.

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