Test GPS-Geräte Navigationsgeräte für Motorräder

Immer auf dem rechten Weg bleiben, nie ins Abseits geraten: Navigationsgeräte sollten das heute möglich machen. MOTORRAD hat die aktuelle Navi-Generation für Bikes getestet und gibt Tipps und Tricks rund um das Thema Navigation auf zwei Rädern.

Fotos: Sdun

Es ist die Irrationalität des Motorradfahrens, den diese rein auf Rationalität ausgerichteten Mikrochips und Prozessoren nie nachvollziehen werden können: Wie soll ein in Binärcodes und If-then-Schleifen agierender Computer begreifen, was der motorradfahrende Mensch unter schöner Strecke versteht? Das zeigt einmal mehr dieser Test von Navigationssystemen fürs Motorrad. Im Handumdrehen Traumstrecken aus dem Hut zaubern sie in der Regel keineswegs. Und wenn doch, dann beruht dieses auf reinem Zufall.

Wer sicher sein will, auf dem Weg von A nach B tatsächlich das Schönste mitzunehmen, der muss selber ran und wie eh und je die gute alte Landkarte lesen, um dort grün markierte Abschnitte mit möglichst vielen Zwischenzielen auf sein Roadbook zu übertragen. Die Gefahr, dass man trotzdem schöne Streckenabschnitte verpasst, ist groß. Denn wie die zunächst nur per Luftlinie verbundenen Zwischenziele auf der Straße angefahren werden, hängt von den Einstellungen der Geräte ab. Auf der Karte mag einem zwar der Weg über die Landstraße am logischsten erscheinen, in der Routenberechnung dagegen weist das Navi dafür plötzlich einen Autobahnabschnitt als schnellere oder kürzere Wegstrecke aus.

Ist dieser Fauxpas mit der Funktion „Autobahn vermeiden“ leicht wegzustecken, droht gleichwohl neues Ungemach. Beispielsweise bei der Präferenz „kürzeste Strecke“. Da kann man sich plötzlich in verkehrsberuhigten Spielstraßen wiederfinden. Weil dieser Abschnitt eben den entscheidenden Meter kürzer ist, als wenn man auf der Hauptstraße durch den Ort rollen würde. Besonders peinlich, wer mit seinem Navi als Vorausfahrender der gesamten Motorradclique unterwegs ist. Dem System selbst mag man allerdings keinen Fehler anlasten. Schließlich folgt es nur der Programmierung. Wohl aber dem jeweiligen Hersteller. Hier, das betont auch GPS-Spezialist Jo Glaser von Touratech, „fehlt es eindeutig an der Lobby für Motorradfahrer“. Eine speziell aufs Motorrad angepasste Software-Lösung hat kein Navi an Bord. Obwohl es technisch machbar wäre, so etwas zu integrieren. Wie effektiv ein guter Routenplaner fürs Motorrad arbeitet, zeigt folgendes Beispiel aus unserem Test: Bei der Streckenberechnung Stuttgart–Heilbronn mit der Präferenz „Autobahn meiden“ hangeln sich die Testgeräte stets an der fast der Luftlinie folgenden A 81 entlang, dazu kommen viele Ortsdurchfahrten. Die tatsächlich schönste Strecke, die beispielsweise der als PC-Software erhältliche MOTORRAD-Tourenplaner auf Knopfdruck ausspuckt, weist kein Motorrad-Navi an.

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Die Erklärung

Alles, was die Gerätehersteller bei den Anbietern digitaler Kartensätze an Extras ordern, kostet Aufschlag. Ob sich diese Mehrkosten letztlich für die Controlling-Abteilung des GPS-Anbieters in echten Profit umrechnen lassen, bleibt fraglich, denn der Motorradmarkt ist für die Navi-Produzenten ein aufwendiges Nischengeschäft. Wer es ernsthaft versucht, kann nicht einfach ein weit verbreitetes, in hoher Stückzahl hergestelltes Autogerät ans Zweirad anpassen. In puncto Software wird derzeit jedenfalls vieles ausgeklammert, was den Motorradnutzen deutlich steigern würde. Folglich muss sich der Zweiradfahrer selbst um Zusatztools wie zum Beispiel eine zweiradtaugliche Routenplaner-Software kümmern. Weitere Hilfen lassen sich rasch im Internet per Google aufspüren. Sehr empfehlenswert als erste Informationsquelle ist die Adresse www.naviboard.de, von wo aus sich nützliche Ratschläge bis hin zu fix und fertig ausgearbeiteten Touren finden lassen. Interessanterweise beobachten Hersteller diese Aktivitäten offensichtlich sehr genau. Denn bei einem Telefonat mit der Service-Hotline erhält man durchaus mal den Hinweis, dass der Hersteller zu diesem Problem zwar offiziell nichts anbietet, „sich so etwas aber im Internet finden lässt“.

Rein technisch betrachtet haben Motorrad-Navigationsgeräte einen hohen Stand erreicht: Es gibt Geräte mit brillant auflösenden Displays, die nebenher Fotos und Videos in bestechender Schärfe wiedergeben. Dazu eine ruckelfreie Grafik, die Sehenswürdigkeiten auf der Strecke in opulenter 3D-Optik einblendet. So wie das Motorrad-Navigationssystem Crocodile von Becker, eine der führenden Marken in der Fahrzeugnavigation, welches zu einem Kampfpreis von unter 300 Euro angeboten wird. Inwiefern Becker damit allerdings den doppelt so teuren Platzhirschen von TomTom und Garmin Konkurrenz machen kann, bleibt fraglich. Noch fehlen wichtige Features, allen voran eine stabile Halterung fürs Bike. Und auch bezüglich Wetterschutz besteht beim Crocodile noch Handlungsbedarf. Mit seinem Spritzwasserschutz ist es jedenfalls wenig geeignet, einen Regenschauer bei Tempo 100 schadlos zu überstehen.

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Halt und Nässeschutz

TomTom hat diese Lernphase erfolgreich gemeistert und mit dem Rider 2 häufig kritisierte Schwachstellen des Vorgängermodells ausgeräumt. Auch hier waren zunächst mangelnder Nässeschutz und eine schwache Halterung das Problem. Aktuell ist die Dockingstation für das Rider-2-Navi das beste Originalsystem am Markt und sorgt gleichzeitig dafür, dass auch die Stromversorgung des Geräts stabil läuft. Wer einen soliden Straßennavigator sucht, ist mit dem TomTom bestens bedient. In Sachen Wetterschutz gab es bei den ursprünglich aus der Marinenavigation stammenden Garmin-Geräten noch nie wirklich Probleme. Noch dazu können sie mit einem reichhaltigen Bonusset für all jene aufwarten, die mehr als einen reinen Straßennavigator erwarten. Erfahrene Anwender werden beim Zumo 550 vor allem seine vielfältigen Funktionen bis hin zur Offroad-Navigation oder Routenaufzeichnung schätzen. Wobei es im Vergleich zur Konkurrenz von TomTom sowie Becker mittlerweile etwas angegraut wirkt und bei Darstellung (ohne Fahrspurassistent) und Leistungsmerkmalen (ruckelnder Seitenaufbau, stockende Sprachanweisungen) Schwächen offenbart.

Was das Nachfolgemodell Zumo 660, das in Kürze auf den Markt kommt, alles besser kann, muss sich zeigen. Interessant bleibt das 550er dann für alle Preisfüchse, die auf der Suche nach einem Schnäppchen sind. Das mit dem „Nie mehr verfahren“, das haben die Hersteller so langsam auf dem Kasten. Dass es dabei für Motorradfahrer auch noch gilt, die schönsten Strecken zu wählen, daran müssen sie noch feilen.

Foto: Sdun

Becker Traffic Assist Z 100 Crocodile

Anbieter: Harman/Becker, Telefon 07248/710, www.mybecker.com

Preis: 299 Euro

Ausstattung:
SIRF III-GPS-Empfänger mit 400-MHz-Prozessor, 4,3-Zoll-TFT-Touchscreen-Monitor, 2 GB interner Speicher, Micro-SD-Kartenschacht, eingebauter Li-Ion-Akku, Kartenmaterial für 42 europäische Länder vorinstalliert.

Bedienung:
Dank des übersichtlich aufgebauten Menüs lässt sich das Becker Crocodile auf Anhieb problemlos bedienen. Alle Funktionen sind schnell zu finden. Allerdings sind Eingaben während der Fahrt, etwa das Scrollen der Landkarte oder Auswahl der nächsten Tankstelle, nur schwer zu händeln. Die Ein/Aus-Taste, die zugleich als „Zurück-Taste“ dient, ist mit Motorradhandschuhen fast nicht zu bedienen.

Darstellung:
Mit einer Bildschirm-Diagonalen von 11,2 Zentimetern im attraktiven Widescreen-Format bietet das Crocodile das größte Display im Test und punktet auch in Sachen Auflösung. Ein Manko ist jedoch die wenig kontrastreiche Darstellung, die gerade auf dem Motorrad tagsüber nur mäßig und bei direktem Sonneneinfall kaum ablesbar ist. Die Tag/Nacht-Umstellung funktioniert hingegen gut.

Navigation:
Paradedisziplin für das Krokodil. Satelliten sind schnell geortet, Ziele rasch und unkompliziert eingegeben, Routen-berechnung und Streckenaktualisierung erfolgen blitzschnell. Dank Fahrspurassistent und Einblendung von „echten“ Straßenschildern lassen sich besonders Städtedurchfahrten sicher meistern und werden von einer flüssig gesprochenen und gut verständlichen Ansage hilfreich unterstützt. Auf der MOTORRAD-Teststrecke werden beinahe alle Ziele exakt angefahren, lediglich eine Route endet vor einem gesperrten Wirtschaftsweg.

Plus
+ Großes Display
+ klare Ansagen
+ viele Extras

Minus
- Kurze Akkulaufzeit
- bei Tag schlecht ablesbar
- kein Routenimport möglich


Fazit
Präzises und schnell zu bedienendes Outdoor-Navi, dessen Motorradtauglichkeit allerdings durch ein lediglich gegen Spritzwasser geschütztes Gehäuse und ein bei Tag schlecht ablesbares Display stark geschmälert wird. Außerdem fehlt es an einer robusten, universell einsetzbaren Motorradhalterung. Die Navigationsleistung ist unterm Strich sehr gut, dazu kommt ein reichhaltiges Ausstattungspaket mit Staupilot, MP3-Player, Bildbetrachter und weiteren Technik-Features.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

Foto: Sdun

Garmin Zumo 550

Anbieter: Garmin, Telefon 089/8583640, www.garmin.de

Preis: 649 Euro

Ausstattung:
SIRF III-GPS-Empfänger, Prozessortakt k. A., 3,5-Zoll-TFT-Touchscreen-Monitor, 2 GB interner Speicher, SD-Kartenschacht, auswechselbarer Li-Ion-Akku, Bluetooth-fähig, Freisprecheinrichtung für Mobiltelefone, MP3-Player, Motorrad- und Autohalterung, Kartenmaterial für 33 europäische Länder vorinstalliert.

Bedienung:
Einfach und übersichtlich ist das Menü aufgebaut. Die Eingabe mittels Touchscreen ist okay, gerät mit gefütterten Handschuhen aber zum Glücksspiel. Weitere Funktionen wie beispielsweise das Auffinden der nächsten Tankstelle lassen sich im Fahrmodus nur umständlich anwählen. Besonders motorradtauglich sind dagegen die vier zusätzlichen Bedientasten, über die wichtige Grundfunktionen wie das Scrollen der Karte oder das Blättern durch das Menü abrufbar sind.

Darstellung:
Auf 8,9 Zentimeter Bildschirmdiagonale sind alle wichtigen Informationen gut dargestellt und lassen sich problemlos ablesen. Das Display bietet selbst bei direktem Sonneneinfall ausreichend Kontrast. Sehr gut gelöst ist die automatische Tag/Nacht-Umstellung, die für ein blendfreies Vorwärtskommen sorgt.

Navigation:
Licht und Schatten beim Zumo. In Sachen Navi-gationsfunktion bietet es selbst für den Profi-Anwender den größten Nutzen bis hin zur Offroad-Navigation oder Routen-Import und -Export. In der Praxis leitete das Garmin bei zwei Adressen in der Stadt zunächst in die Irre. Eine Strecke außerhalb endete vor einem gesperrten Wirtschaftsweg. Auch beim Abweichen von der geplanten Route folgten falsche Anweisungen. Das Eingabefenster für die Ziel-eingabe ist sehr umständlich aufgebaut.

Plus
Umfangreiche GPS-Funktionen, sehr gut ablesbar, extra Bedientasten

Minus
Sprachqualität der Ansagen holperig, ruckeliger Seitenaufbau.

Fazit
Vor allem Tourenfreaks werden das umfangreich ausgestattete Navigationssystem von Garmin mit der Möglichkeit zum Routen-Import und zur Streckenaufzeichnung zu schätzen wissen. In puncto Zielgenauigkeit leistete sich das Navigationssystem etliche Schwächen, ein fehlender Fahrspurassistent erschwert vor allem die sichere Navigation durch die Stadt. Sehr gut da-gegen die motorradtaugliche Ausstattung mit wasserdichtem Gehäuse und universell einsetzbarer Halterung.

MOTORRAD-Urteil: Gut

Foto: Sdun

TomTom Rider 2

Anbieter:
TomTom, Telefon 0031/20-7575000, www.tomtom.com

Preis: 599 Euro

Ausstattung:
SIRF III-GPS-Empfänger mit 380-MHz-Prozessor, 3,5-Zoll-TFT-Touchscreen-Monitor, 32 MB interner Speicher, SD-Kartenschacht, integrierter Li-Ion-Akku, Bluetooth-fähig mit Universal-Helm-Headset, Freisprecheinrichtung für Mobiltelefone, Motorradhalterung, Kartenmaterial für 31 europäische Länder plus Hauptstraßen in elf
weiteren Ländern auf SD-Karte vorinstalliert.

Bedienung:
Bezüglich Benutzerfreundlichkeit auf dem Motorrad ist das TomTom Rider 2 derzeit das beste Gerät auf dem Markt. Ein besonderes Bonbon ist die Bedienung während der Fahrt. Mittels zweier Tastbefehle ist beispielsweise die nächste Tankstelle als Ziel programmiert. Der Touchscreen lässt sich auch mit gefütterten Handschuhen noch sehr sicher bedienen.

Darstellung:
Mit einer Bildschirmdiagonalen von 8,6 Zentimetern besitzt das TomTom zwar das kleinste Display im Test, doch dank kontrastreicher Darstellung ist dieses bei allen Lichtverhältnissen sehr gut ablesbar. Zusatzinfos zu aktueller Geschwindigkeit, Tempolimits, der Fahrstrecke oder Ankunftszeit sind aufgrund der sehr kleinen Anzeige allerdings nur schwer zu entziffern.

Navigation:
Das TomTom gefällt als sehr guter Straßennavigator, der mit seiner Fahrspuranzeige auch im innerstädtischen Verkehr stets sicher den Weg weist. Dazu erfolgen klar verständliche Ansagen, die sich auch ohne Blick auf das Display umsetzen lassen. In Sachen Präzision überzeugt das TomTom Rider 2 ebenfalls. Nur auf einem Abschnitt der MOTORRAD-Teststrecke kam es aufgrund einer leicht ungenauen Ortung zu einem falschen Hinweis.

Plus
+ Kontrastreiches Display
+ klare Sprachanweisungen
+ sehr lange Akkulaufzeit

Minus
- Eingeschränkte Zoomfunktion
- Verkehrsinfos umständlich abrufbar

Fazit
Der Straßennavigator für alle, die ohne großen Aufwand auf schneller oder schöner Strecke von A nach B kommen wollen. Das TomTom Rider 2 punktet vor allem durch seine praxisnahe Bedienung, das robuste, wasserdichte Gehäuse sowie die erstklassige Gerätehalterung. Bei den Zusatzfunktionen ist das Bild eher durchwachsen. Sehr gut ist der Radarwarner, Verkehrsinfos lassen sich nur über ein Mobiltelefon empfangen, und ein Aufzeichnen der gefahrenen Strecke ist nicht möglich.

MOTORRAD-Urteil: GUT

Endwertung

Mit durchweg guten Werten in allen Kategorien setzt sich TomTom an die Spitze des Trios. Das Rider 2 ist derzeit der beste Motorrad-Navigator. Das angejahrte Garmin schwächelt in der Praxis, und Neuling Becker muss das Crocodile für den Motorradeinsatz noch etwas schärfen.

TomTom Rider 2
Preis: 599 Euro
MOTORRAD-Urteil: Gut

Garmin Zumo 550
Preis: 649 Euro
MOTORRAD-Urteil: Gut

Becker Crocodile
Preis: 299 Euro
MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

So testet MOTORRAD

Navigationspraxis (max. 30 Punkte): MOTORRAD hat eine trickreiche Teststrecke ausgearbeitet, auf der sich die Geräte bewähren mussten: Wie sicher führt das Navi durch den Straßen-Dschungel von Stuttgart? Findet es Adressen im Einbahnstraßen-Gewirr der Innenstadt, wie meistert es Tunneldurchfahrten? Präzision und eine exakte Streckenanzeige war auch bei der Überlandnavigation gefragt. Weiterhin in der Bewertung: die Schnelligkeit und Güte von Strecken-Berechnung sowie -Aktualisierung beim Abweichen von geplanten Routen, GPS-Empfang und die Akkuleistung.

Motorradtauglichkeit (max. 30 Punkte): Wie gut lässt sich das Navi auf dem Motorrad einsetzen? Bewertet wurden neben der Qualität der Darstellung die Bedienung mittels Tasten oder Touchscreen während der Fahrt, der Anschluss an das Bordstromnetz und die wetterfeste Beschaffenheit des Systems. Ebenfalls ein wichtiges Kriterium: Lässt sich das Navi an Helm-Kommunikationssysteme anschließen, ist die Sprachausgabe verständlich?

Navigationsfunktion (max. 20 Punkte): Wie komfortabel lassen sich Routen planen, welche Sonderziele sind gespeichert, gibt es Import- und Exportfunktionen?

Ausstattung/Service (max. 20 Punkte): Neben den Leistungsmerkmalen des Geräts (Prozessor, Speichergröße) wurde beurteilt, wie es um den Support bestellt ist. Dazu gehören eine verständliche Bedienungsanleitung, die Gerätewartung via PC sowie eine kompetente Hersteller-Hotline. Und: Ist eine Motorradhalterung inklusive?

Begriffskunde

GPS steht für Global Positioning System und bezeichtet die satellitengestützte Standortbestimmung rund um die Welt. Die Grundlage heutiger Navigationssysteme wurde ursprünglich vom US-Militär installiert, um Fahrzeuge und Waffensysteme präzise steuern zu können. Für den Alltagsgebrauch ist das GPS-Signal erst seit dem Jahr 2000 nutzbar und erreicht bei ziviler Nutzung eine Genauigkeit von zirka zehn Metern. Zuvor wurde das Signal von den Militärs künstlich verfälscht.

Waypoint oder auf deutsch „Wegpunkt“ ist eine im GPS-Empfänger gespeicherte Position, die angefahren werden muss. Wird entweder klassisch über Koordinaten eingegeben oder aus der im Gerät installierten Datenbank (Adresse, POI) ausgewählt.

Track bezeichnet im GPS-Jargon den zurückgelegten Weg und ist das Gegenteil zur Route (der geplante Weg). Unterstützt das Navi eine Track-Aufzeichnung, können diese Daten dann über PC-Anwendungen wie Google Earth zur Tourenplanung genutzt werden.

POI heißt „Point of Interest“ und ist das Kürzel für „interessante Orte“. Darunter fallen meist Tankstellen, Hotels, Restaurants, Museen, Werkstätten et cetera. Die werksseitig auf einem Navi abgespeicherte POI-Liste lässt sich über die Websites der Navi-Anbieter aktualisieren oder an persönliche Bedürfnisse anpassen.

TMC steht für Traffic Message Channel und ist ein digitaler Verkehrdienst von UKW-Radiostationen mit Informationen zur Verkehrslage. Je nach Ausstattung kann das Navi somit Staus oder andere Verkehrsbehinderungen bei der geplanten Route einbeziehen.

WAAS/Egnos bezeichnet ein Korrektursignal geostationärer Satelliten, mit dem sich die Standortbestimmung auf unter drei Meter genau verfeinern lässt. Allerdings ist das Signal im Gebirge sowie in dicht bewaldeten Gebieten oder in der Stadt nur schwer zu empfangen, was dann bei der Ortung zu starken Ungenauigkeiten führt.

Lektüretipp: Rainer Höh, GPS-Outdoor-Navigation, 5. aktualisierte und erweiterte Auflage 2007, Reise Know-How Verlag Bielefeld, ISBN 978-3-8317-1598-5, 12,50 Euro.

Foto: Sdun

Aus dem Testprotokoll

Aufgeräumt: Hinter der Abdeckklappe an der Geräteunterseite befinden sich SD-Kartenschacht und USB-Port des Garmin Zumo 550. Die Pin-Leiste in der Mitte dient zur Stromversorgung über die Motorradhalterung.

Nutzlos: Der integrierte Lautsprecher des Becker-Navis bringt auf dem Bike nichts und schmälert zudem den Wetterschutz. Im Gegensatz zur Konkurrenz ist das Crocodile nur gegen Spritzwasser geschützt.

Angriffsfläche: Wer beim Becker Crocodile die Anschlüsse von Kopfhörer oder TMC-Antenne sowie USB-Port (dient auch zur Stromversorgung) nutzt, muss auf die schützende Abdeckklappe verzichten.

Tippspiel: Trotz des großen Displays ist das Becker-Gerät mit Handschuhen nur mäßig zu bedienen. Schlecht erreichbar: der Ein/Aus-Schalter (rot), der eine wichtige Funktion bei der Menüführung übernimmt.

Auflagensteigerung: Mit dem Rider 2 hat TomTom die Haltevorrichtung gründlich überarbeitet. Die Führungsleiste ist sauber ins Gehäuse integriert. Über die Pins in der Mitte wird das Gerät mit Strom versorgt.

Navigation und Kommunikation

Ohne eine gute Akustik ist derrichtige Weg nur schwer zu finden. Das müssen Navis leisten.

 

Ein gut ablesbares Display ist bei der Motorradnavigation nur die halbe Miete. Wichtig ist, dass zudem klar verständliche Ansagen beim Fahrer ankommen. Schließlich hat man das Gerät nicht immer im Blick. Die simpelste Lösung der getesteten Geräte findet sich bei Becker mit seiner 3,5-Millimeter-Kopfhörer-Anschlussbuchse. Die Konkurrenzmodelle von Garmin und TomTom bieten mit der drahtlosen Übertragungstechnik via Bluetooth deutlich mehr Komfort. Beim Rider 2 gehört ein Bluetooth-Headset, das sich einfach und schnell an Helme klemmen lässt, zum Lieferumfang. Ansonsten empfiehlt sich der Kauf eines bereits mit Bluetooth-Technik ausgerüsteten Helms. Beim vorliegenden Test hat sich die N-Com-Serie von Nolan bestens bewährt. Schöner Neben-effekt: Auch Mobiltelefone lassen sich mit dem Zumo 550 und Rider 2 vernetzen und dann über die Touchscreenfläche des Navis bequem steuern. Um aber Frust zu vermeiden, sollte man vorab prüfen, ob das eigene Handy mit dem Navi-gationsgerät kompatibel ist.

Foto: Sdun

Navigation und der richtige Halt

Was nützt das beste Navigationsgerät, wenn es nicht stabil am Motorrad zu befestigen ist? Die Lösungen ab Werk und aus der Zubehörszene im Überblick.Das Thema „Halterung“ ist nicht ohne. Beispiel TomTom: Bis heute treffen bei MOTORRAD Leserbriefe ein, die von massiven Problemen mit der originalen Geräteaufnahme für das Rider 1 berichten – bis hin zum Totalverlust des Navis. Bei dem Halter für das Nachfolgemodell haben sich die Niederländer der Kritik umfassend angenommen: Die Dockingstation für das Rider 2 ist derzeit das beste am Markt erhältliche Originalsystem.

Grundsätzlich müssen die Halterungen so konstruiert sein, dass sie die hohen Belastungen, die beim Motorradeinsatz auftreten, möglichst vom Gerät fernhalten. Insbesondere Vibrationen können auf Dauer sehr zerstörerisch wirken. Besonders gefährdet sind die Anschlussstellen zur Stromversorgung, denen bei intensivem Dauereinsatz Schaden droht. Gut ist, wenn der Halter wie beim TomTom-Anbausystem das komplette Gerät aufnehmen. Beim Garmin-Halter fehlt es dagegen an der Seiten-führung. Eine besonders gefällige Lösung bieten die Originalsysteme in puncto Stromversorgung: Beim Einschub der Navis werden diese automatisch mit dem Bordnetz verbunden und müssen nicht erst umständlich mit einer Steckdose verkabelt werden. Noch bleibt offen, wie Motorradneuling Becker das Haltesystem für den Crocodile lösen wird. Bislang befindet sich dieses im Prototypenstadium, serienreif soll die Halterung erst im zweiten Quartal dieses Jahres sein. Bei den Zubehörlösungen hat man es vor allem auf die Integration universaler Portable-Geräte abgesehen. Besonders beliebt: Tankrucksäcke mit aufgesteckten GPS-Haltern, die aber die Sicht auf die Instrumente stark einschränken können.

Die Originalhalter
TomTom:
Das Rider 2 wird auf die Dockingstation aufgeschoben und verriegelt dann absolut sicher. Zusätzlich kann es noch mit einer kleinen Halteschlaufe gesichert werden. Über eine Kugelkopfverschraubung von Ram Mount ist das Navi frei positionierbar.

Garmin:
Die Dockingstation lässt sich wie bei TomTom über eine frei positionierbare Kugelkopfverschraubung von Ram Mount am Motorrad befestigen, passt aber auch auf viele Haltevorrichtungen, wie sie von Motorradherstellern angeboten werden. Umständlich zu handhaben: die Sicherung gegen ein versehentliches Öffnen des Halters.

Die Zubehörlösungen
SW-Motech:
Auf einem Metallausleger, der am Tankrucksack aufgesteckt wird, lassen sich GPS-Taschen oder Originalhalter verschrauben. Auch mit Polo-Produkten kompatibel.

Wunderlich:
Der per Kugelgelenk frei schwenkbare Halterarm „Multipod“ kann problemlos mit einem Rohrlenker verschraubt werden. Auf diesem können dann verschiedene Trägerplatten oder GPS-Taschen montiert werden.

Touratech:
Bei der Modifizierung des originalen Halters für das Garmin Zumo hat man darauf geachtet, dass das Gerät seitlich gut abgestützt wird und abschließbar ist.

Held:
Beim Tankrucksack „Streak“ ist im Deckel ein aufklappbares Fach mit einer Klarsichttasche für Navis integriert, das über ein Scherengelenk fixiert wird. Der Blick aufs Cockpit ist dadurch aber nahezu vollständig verdeckt.

Anbieter:
Held, Tel. 08321/66460www.held.de
Polo, Tel. 01805/5225785www.polo-motorrad.de
SW-Motech, Tel. 06425/816800www.sw-motech.de
Touratech, Tel. 07728/92790www.touratech.de
Wunderlich, Tel. 02642/97980www.wunderlich.de

Foto: Sdun

Alternative Wege

Navigationsgeräte gibt es in vielen Facetten und Formen, die Preisspanne reicht von unter 100 bis über 1000 Euro. Doch nur die wenigsten sind motorradtauglich. Eine Marktübersicht.

 

Die Outdoor-Klasse
Outdoor-Geräte sind gegenüber Standard-Navigationsgeräten deutlich robuster. Was aber nicht heißen soll, dass sie damit schon motorradtauglich sind. Ein kritischer Punkt ist die Beschaffenheit des Wetterschutzes. Ein lediglich gegen Spritzwasser geschütztes Gerät mag für Spaziergänger und Radfahrer ausreichend sein, für Motorradfahrer indes nicht. Um einem Regenschauer bei Tempo 100 standzuhalten, muss das Navi gemäß der Schutzklasse IPX7 als echt wasserdicht gelten, so wie das abgebildete Garmin Nüvi 550. Und im Menü Routenplanung sollten gerade Motorradfahrer darauf achten, dass die Funktion „Autobahn meiden“ vorhanden ist.

Plus
+ Robustes, teils wetterfestes Gehäuse

Minus
- Motorradhalterung meist nicht vorhanden, Bedienung nicht motorradtauglich

Fazit
Unterm Strich eine eher durchwachsene Lösung. Als Motorrad-Navi eignen sich die meisten Outdoor-Geräte nur bedingt. Oft hapert es an einem echten Wetterschutz.


Die Universal-Klasse
Die Geräte im Westentaschenformat gibt es nahezu überall: für 99,90 Euro beim Discounter, im Internet oder als Gratiszugabe zu einem neuen Handy-Vertrag. Aufgrund ihrer Größe könnten sie auch fürs Motorrad taugen. Bei den meisten anderen Kriterien gilt dies jedoch nicht. Mit den mitgelieferten Haltern kann man auf dem Motorrad nichts anfangen, eine stabile Anschlussmöglichkeit an das Bordstromnetz ist in der Regel nicht möglich. Noch dazu müssen sie wasserdicht eingepackt werden, was wiederum die Ablesbarkeit des Displays stark einschränkt. Bei direktem Sonneneinfall erkennt man auf vielen Geräten fast nichts mehr. Und mit Handschuhen ist praktisch keines dieser Geräte zu bedienen.

Plus
+ Kompakte Form, günstiger Preis

Minus
- Nicht wetterfest, keine Halterung, schlecht zu bedienen, schwer ablesbar

Fazit
Maximal geeignet für den gelegentlichen Einsatz beim Aufsuchen von Adressen. Um diese Geräte nur ansatzweise motorradtauglich zu machen, bedarf es vieler Extras.


Die Multifunktionsklasse
In dieser Klasse können sich alle austoben, die von ihrem Motorrad-Navi weit mehr als nur ein simples Straßenansage- wie -anzeigegerät erwarten. Die Spielwiese dieser sogenannten Kartenplotter ist groß, das Einsatzspektrum reicht von der klassischen Straßen- bis hin zur Hochseenavigation. Tourenprofis schätzen die Wegpunktaufzeichnung, mit der sie ihre Touren äußerst detailliert aufzeichnen können. Für eine perfekte Positionsbestimmung können sie mit topographischen Karten im feinsten Maßstab bestückt werden. Die Geräte sind in der Regel 100 Prozent wasser- und staubdicht und lassen sich am Motorrad sicher bedienen.

Plus
+ Robuste Machart, reichhaltige Ausstattung, sehr gut ablesbares Display

Minus
- Keine Motorrad-Halterung inklusive, teuer

Fazit
Erste Wahl für Tourencracks, die mit Vorliebe offroad unterwegs sind und auch ferne Länder auf dem Programm haben. Normalreisende schöpfen das Potenzial dieser Geräte dagegen kaum aus.

Touren mit dem Navi planen

Wer morgens aufsattelt und hofft, dass ihn das Navi auf schöner Strecke von A nach B führt, wird mit ziemlicher Sicherheit abends gefrustet absteigen. Bei der Tourenplanung per GPS sollte man sich ausreichend Zeit für die Planung nehmen. Bei der Routenprogrammierung muss das Navi mit möglichst vielen Wegpunkten gefüttert werden, damit es einen tatsächlich über die gewünschte Strecke führt. Tipp: Die getesteten Geräte bieten eine Routenvoransicht an. Diese sollte man dann mit einer Karte noch einmal abgleichen. Ansonsten empfiehlt sich der Einsatz einer guten Planungssoftware, wie zum Beispiel der MOTORRAD-Tourenplaner. Damit lassen sich bequem Ortsdurchfahrten inklusive Abkürzungen durch verkehrsberuhigte Wohn- oder hässliche Industriegebiete vermeiden. Per Exportfunktion ist die Route als Wegpunktstrecke schnell auf das Navi übertragbar, sollte dann aber nochmals kontrolliert werden.

Interview

GPS-Profi Jo Glaser vom Fernreise-Ausrüster Touratech erläutert den Stand der Technik, die Erwartungshaltung der Kundschaft und dietypischen Fehler bei der Motorradnavigation.

 

Das Angebot an echten Motorrad-Navis ist und bleibt überschaubar. Woran liegt‘s?
Auf einem Motorrad herrschen extreme Beanspruchungen, und da tun sich viele Hersteller schwer, das zu akzeptieren. Bei der Konstruktion von Gerätehaltern für die Rallye Dakar haben wir festgestellt, dass allein durch Vibra-tionen Kräfte von bis zu sieben g auf die Bauteile einwirken. Wenn das Navi beispielsweise über den USB-Eingang mit Strom versorgt wird, ist der Defekt programmiert. Bei diesen Kräften vibriert es das Bauteil einfach von der Platine ab.

Wird sich das künftig ändern?
Es tut sich zwar viel am Markt, aber bislang ist noch keine Lösung in Sicht, von der ich sage: Das ist es! Die Entwicklung geht jedenfalls nicht in Richtung Motorradfahrer. Man kriegt Spurassistenten hinzu, und die Liste der POI wird immer umfangreicher. Aber eine Pässeliste für die Alpen ist immer noch nicht dabei. Bei der Routenplanung gehen die Hersteller vom Typ „Vertreter“ aus, der sein eingegebenes Ziel erreichen muss. Technisch wäre vieles machbar, um per Navi auf Anhieb eine schöne Tour planen zu können. Doch kaum ein Her-steller favorisiert solche Möglichkeiten. Viel hilfreicher sind Internetforen, die fix und fertig aufbereitete Motorradtouren zum Download bereitstellen.

Das hört sich so an, als könne man auf die Landkarte immer noch nicht verzichten.
Die Generalkarte würde ich auf keinen Fall zu Hause lassen. Die ist für den Überblick besser und hilft bei der Zielführung genauso wie bei der Eingabe von Zwischenzielen. Beim Planen von Touren sollte man genau überlegen: Was kann mir das Navi abnehmen, was nicht? Es kann mich jedenfalls nicht an die tollsten Orte führen, wenn ich nicht ganz genau bestimme, wo diese sind.

Versteht das die Kundschaft?

Der Kunde kann das nicht nachvollziehen. Der sagt: Das Gerät lotst mich durch jeden Kreisverkehr in Europa, kennt aber keine schöne Motorradstrecke. Ich glaube, dass es hier einfach noch an Kundennähe fehlt.

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