- (Archivversion) Vom Sportster zum Speedster?

Nach jahrelanger punktueller Zusammenarbeit machen Porsche und Harley-Davidson nun Nägel mit Köpfen: Sie errichten in den USA ein gemeinsames Motorenwerk.

Hoffnung für alle technisch interessierten Harley-Treiber: Wie bereits in MOTORRAD 15/1997 gemeldet, schließen sich Porsche und Harley-Davidson zusammen, um Motorradmotoren zu bauen. Obgleich sich die beiden Partner sehr bedeckt halten, weil im kommenden Jahr wieder mindestens 115000 Harley mit den altbekannten Motoren verkauft werden sollen, liegen einige Fakten klar auf der Hand: Harley braucht mittelfristig ein neues Triebwerk, das nicht an zukünftigen Abgas- und Geräuschwerten scheitert. Wie die kümmerlichen 56 bis 60 PS beweisen, die den 1340-cm³-Big Twins derzeit auf legalem Weg zu entlocken sind, muß der alte, luftgekühlte Stoßstangen-Twin bald in Pension. Bevor die Porsche-Entwickler sich dieses Motors annahmen, brachte er es hierzulande übrigens nicht einmal auf 50 Pferdestärken (siehe MOTORRAD 5/1995). Harley teilt denn auch unumwunden mit, man habe hinsichtlich Abgas- und Geräuschoptimierung große Achtung vor den Fähigkeiten der Porsche-Ingenieure aus dem Entwicklungszentrum Weissach. »Die langjährigen Kontakte in der Entwicklungsarbeit gehen bis in die frühen siebzigerJahre zurück«, berichtet Porsche-Sprecher Anton Hunger. »Und sie haben sicher dazu beigetragen, daß wir jetzt auch die neuen Motoren gemeinsam bauen.« Wer bei der Entwicklung dieser vermutlich wassergekühlten Twins den Ton angab, welche Leistungsvorgaben existierten und welche Harley-Modelle sie antreiben werden, darüber herrscht Stillschweigen. Es scheint, als ob speziell Harley die ganze Angelegenheit herunterspielen möchte: Eine Presseerklärung aus Milwaukee verweist trotzig darauf, daß der Summe von je 10 Millionen Dollar, die beide Partner in die neue Gesellschaft einbringen, allein 1997 immerhin 200 Millionen Dollar Harley-Investitionen gegenüberstünden.Das viele Geld stecken die Amis unter anderem in ein eigenes Entwicklungszentrum. Außerdem wollen sie 1998/99 in Kansas City/Missouri eine neue Fabrik eröffnen, und ebendort werden dann auch die neuen Motoren gebaut. Weil Harley seit geraumer Zeit die Marke Buell - dort hält die Firma 49 Prozent der Anteile - als sportliche Alternative pusht, ist ein Einsatzgebiet der neuen Motoren wohl schon klar. Als zweiter Arbeitsplatz würden sich die Sportster-Modelle anbieten. Diese Prognose basiert insofern auf gesicherten Informationen, als der Porsche-Systemlieferant Dürr, ein großer Hersteller von Lackieranlagen mit Dependence in den USA, kürzlich verriet, in Kansas City würden auf einer Produktionsfläche von 30000 Quadratmetern schon ab 1998 Buell und Sportster hergestellt und mittels Dürr-Technik lackiert. Warum also dann die neuen Motoren erst noch nach Milwaukee karren?Im Gegensatz zu Harley scheut sich Porsche nicht, die Ziele des Joint-ventures zu umreißen: »Wir wissen, wie gefährlich eine Monokultur sein kann«, sagt Anton Hunger. Er meint die Zeiten, als der 911er einziges und davor auch mal kurzfristig lahmendes Zugpferd der Stuttgarter war. Und nach der erfolgreichen Einführung des Boxster stehen jetzt weitere Bemühungen an, den Umsatz auf möglichst viele Säulen zu verteilen. Die Zusammenarbeit mit dem wirtschaftlich potenten US-Unternehmen ziert auch den weltgrößten Sportwagenhersteller, und außerdem, so Manfred Ayasse, Wirtschaftsfachmann in der Pressabteilung, »stimmt die Rechnung«. Anton Hunger ergänzt: »Die Kombination zweier so großer Namen hat auch für uns ihren Reiz. Porsche und Harley-Davidson - diese Namen kennt rund um den Erdball jedes Kind.« Dabei bescheiden sich die Stuttgarter eher mit der Rolle des dienstbaren Geistes, sind nicht auf Werbe-Effekte aus. Keinesfalls, so Porsche, sei daran gedacht, den neuen Motor etwa mit dem springenden Pferd, dem Markenzeichen des Hauses, zu schmücken. »Alle Vorgaben macht Harley, wir helfen bei der Entwicklung und bringen unsere Produktions-Erfahrungen ein«, erklärt Anton Hunger. Die intimen Kenntnisse über Harley schließen auch in Zukunft nicht aus, daß Porsche für andere Motorradhersteller forschen und entwickeln darf, zumal Hunger alle potentiellen Auftraggeber beruhigt: »Porsche wird nie selber ein Motorrad bauen.“

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote