100 Jahre MOTORRAD: Editorials der Chefredakteure 1903 - 2003 (Archivversion) Der arme Poet

Da sitzt er, der arme Chefredakteur, und müht sich, zu verfassen, was ihm die Gunst der Leser bringen möge. Wenn sie doch nur nicht so verschieden wären, die Motorradler.

Es ist nicht ganz leicht, den Anfang zu machen. Für den armen Poeten in seiner Dachkammer ebenso wenig wie für den armen Chefredakteur in seiner Redaktionsstube. Der ganzen hehren Erwartungen wegen, die da auf dem armen Schreiberling vor seinem leeren Blatt Papier oder dem bösen weißen Bildschirm lasten. Egal, ob mit dem Federkiel gekratzt oder mit den Tasten geklappert, hier wie dort gilt es, die rechten Worte zu finden. Man will ja niemanden enttäuschen. Also heißt es, originell zu sein, die Leser zu fesseln, sie an sich, ans Blatt zu binden, aber sie nicht zu bevormunden. Und ihnen dennoch zu sagen, wo’s langgeht. Deswegen Leitartikel. Der soll ja den Lesern nicht nur einen Weg in die Zeitschrift weisen, sondern sie auch durch die Irrungen und Wirrungen des in vielerlei Hinsicht bewegten Motorradfahrerlebens führen. Ein weites Feld: hundert Jahre MOTORRAD, hundert Jahre Editorials, hundert Jahre arme Poeten. Von Rainer Maria Rilke und Paul Förster über Ernst Jünger und Gustav, Gussi, Müller, Heinrich Böll und Carl Hertweck bis hin zu Günter Grass und Michael Pfeiffer.

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