100 Jahre MOTORRAD: Leserbriefe (Archivversion)

Liebe Redaktion...

...werte Schriftleitung, hallo Reddis – die
Begrüßungsformeln in den Leserbriefen haben
sich die letzten 100 Jahren schon verändert.
Das, was die Menschen bewegt, jedoch kaum.

1905 Wer das von Herrn Koehlich den leichten Maschinen im Gegensatz zu den schweren gespendete Lob gelesen hat, kann den Ausführungen des Autors nur beipflichten. Zwar wird der an Schnelligkeitswahn leidende Sportfex und Kilometerfresser anderer Ansicht sein, ihm wird das Gewicht der drei- und vierpferdigen Kolosse keine Beschwerden machen. So rast er tagelang dahin, ausser Benzin nichts zu sich nehmend. Nun gibt es aber Menschen, die gezwungen sind, nicht erst nach 300, sondern schon nach drei Kilometern Halt zu machen. Wenn man die Mitgliederliste der D.M.V. betrachtet, so kann man dreist behaupten, dass diese die Hauptmasse bilden.Dr. Harazim 1932 Meine noch sehr junge Frau hat vier Kinder geboren. Ihre in Frage kommenden Organe sind trotzdem so geformt, dass ihr kein Arzt die vierfache Mutterschaft glaubt. Wir scheuen auf unseren ausgedehnten Motorradfahrten keine Strapazen, kein noch so schlechtes Wetter. Es kann vorkommen, dass meine Frau im Anschluss an eine Fahrt wie eine Tote schläft, aber nie wird sie während der Fahrt versagen. W. Sch. in S. 1954 Jeder Mensch hat einmal Zahnschmerzen und muß sich den schuldigen Zahn entfernen lassen. Wenn nun ein Motorradfahrer, kurz nachdem er einen Zahn gezogen bekommen hat, zur Beruhigung eine Zigarette in den Mundwinkel klemmt und dann auf seinen Hobel steigt, so muß er mit Schäden rechnen. Ich habe nach einer Extraktion eine Fahrt von 1200 km in zwei Tagen machen müssen, und dabei hat sich folgendes bewährt: man klebt auf die Außenhaut direkt an der Stelle der Wunde einen Wattebausch mittels zwei Leukoplaststreifen. Für längere Fahrten empfiehlt es sich, den Wattebausch mit etwas Gaze zu umhüllen, damit der Fahrtwind die Watte nicht zerfasert. Selbstverständlich muss man das Rauchen unterlassen. W. D. in L. 1973 Vor einiger Zeit habe ich bei Ihnen angerufen, weil man mir, als ich eine schwere Maschine kaufen wollte, gesagt hat, Motorradfahren mache impotent. Ihr Chefredakteur hat damals gelacht und mir versichert, das sei Unsinn. Nun lese ich aber im Bericht Ihres Mitarbeiters Joachim Stephan, dass er nicht wie andere Teilnehmer der Kolonnenfahrt wegen zu geringer Blasenkapazität schon vor dem Brenner habe anhalten wollen. Denn bei dem Gedanken, was er alles hätte aus- und wieder anziehen müssen, bekäme er Zustände. Sofern er »das Gesuchte« überhaupt finden könne. Nun werde ich zweifelnd. Denn wenn das Motorradfahren bereits auf einer so kurzen Strecke so katastrophale Verkümmerungen zur Folge hat, dann macht Motorradfahren vielleicht doch impotent. Werner Motterer, Weißenbrunn 1996 Obwohl Motorräder dieser Gewichtsklasse (Honda F6C) nichts für »Milchbubis« sind, testet jetzt ein »Milchmädchen« einen 335-Kilo-Koloß! Übrigens, ein Foto wäre noch interessant: Redakteurin Monika Schulz nicht auf dem Motorrad liegend, sondern rückwärts aus einer Parkbucht schiebend.Siegfried Lahm, TreuchtlingenUnsere Ex-Spitzenturnerin Monika dürfte es mit so manchem Jung-Macho aufnehmen können, was das Rückwärtsschieben anbelangt. Die Redaktion Tiere und Technik 1931 Unser Klubfreund Kloderich lehnt neulich seine BMW an den Bordstein, um sich einige »Giftnudeln« aus einem Laden zu holen. Kommt da in der Zwischenzeit ein neugieriger, breiter als hochgewachsener Wauwau des Weges, beschaut und beschnüffelt das Motorrad von allen Seiten. Nach typischer Hundeseelenart verleugnet er nicht seinen Stand. In Blitzesschnelle erfreute sich die gute Boschkerze eines warmen Fußbades. Als unser Kloderich gerade das Zigarrengeschäft verließ, sieht er noch, wie der motorradfreundliche Hundesohn kratzenderweise Sand auf die Geschichte streute. Mehrmaliges Antreten der Maschine hatte keinen Erfolg, die Kerze musste erst wieder trocken gelegt werden.Vielleicht hat einer der Sportgenossen eine brauchbare Idee, wie man sich vor derartigen Pannen schützen kann?H. D. in A.Hilfe kommt von BMW:In Ihrem Heft finden wir einen Artikel, der für ein »Preisausschreiben gegen Hunde« eintritt, da die Kerze einer BMW-Maschine durch gewisse Feuchtigkeit in ihrer Tätigkeit aussetzte. Auch bei Regen ist dies der Fall, weshalb wir unserer Kundschaft Kerzenschützer empfehlen zum Preis von Mk. 1,75. Diese Vorrichtung reicht für alle Fälle aus. Wir wären Ihnen sehr verbunden, wenn Sie diese »freudige Botschaft« übermitteln würden. 1964 Da brachte es doch einer fertig, mit einem MG kurz vor dem Start zu unserer Lichterfahrt den Startplatz zu blockieren. Der Höhepunkt: Er klemmte sich zwischen alle Gespanne, die sorgfältig aufgestellt waren. Danach stieg der Fahrer mit Ringelsocken (!) aus und wollte uns erzählen, dass sein Motorrädchen zum Elefanten-Treffen nicht fertig geworden sei. Er wird es auch nächstes Jahr nicht fertig haben, und wir verweisen ihn dann zum Trefffen der »Nicht-fertig-gewordenen«. Das ist aber dann woanders, nicht bei uns am Ring. Anton 1990 Beim Fotowettbewerb »Mein schönstes Tierfoto« in der Aprilausgabe versagte die MOTORRAD-Jury Leser B. einen Preis. Er hatte das Bild eines überfahrenen Kaninchens eingeschickt. In einer Zeit, in der ein katzenfressender Außerirdischer die höchsten Einschaltquoten erreicht, finden wir, dass die Gehirnakrobaten der Redaktion auch schwarzen Humor anerkennen und somit belohnen müssen. Durch die Engstirnigkeit Ihrer Jury wurde wohl die kreativste Idee zu Grabe getragen.Petra Klees, Martin Egler, Oberthal 1996 Chefredakteur Friedhelm Fiedler wettert gegen die Hornochsen von Rasern. Hier die Retour-Kutsche:Lieber rasende Hornochsen als senile Leithammel. Ja, ja, wenn man so in die Jahre kommt, schimpft man gern mal über diese Motorradraser, die es so gern krachen lassen. Unverbesserliche sind das. Bei 90000 Lesern pro Ausgabe muß man schon vorneweg die Meinung der großen Schafherde wiederblöken. Die paar Hornochsen fallen bei dieser Auflage ja nicht ins Gewicht, wahrscheinlich können die nicht mal lesen.Herbert Wimmer, WürzburgDie Welt ist schlecht 1954 Hiermit bestelle ich »Das MOTORRAD« ab, weil Ihr in letzter Zeit zu aufgeblasen und nichts vom Gelände und Rennsport bringt, sondern Tests von Quickly und Tourist. Außerdem möchte ich keine NSU-Revue alle 14 Tage ins Haus bekommen für mein gutes Geld, sondern hätte gern mal etwas von BMW gelesen, denn ich fahre die R 51/3 mit Rennlenker, Renntank, -kissen, kurzum die Maschine, wo alles dran ist.E.S. in Osch.Uff, uff, uff, sagten die Rothäute, sprangen mit einem Satz auf die Kommode und lachten sich tot. (Kommentar der Redaktion) 1974 Trotz aller Dementis in Ihrem BMW R 90/6-Testbericht kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie eine Schwäche für die Weiß-Blauen haben. Ich bin selbst BMW-Fan, meine allerdings, dass echter Murks verniedlicht oder gar verherrlicht wird. Produziert BMW Murks, bleibt dies auch Murks, was meines Erachtens noch schwerer wiegt, wenn es Murks nach viel Arbeit ist.H. Cuvenhaus, Münster 1975 Über Ihren Artikel »Säufer« waren wir doch sehr erstaunt, um nicht zu sagen verärgert. Der von uns schon lange gehegte Verdacht einer Suzuki-unfreundlichen (-feindlichen) Einstellung Ihrerseits bestätigte sich nun endgültig. Ein Nicht-Suzuki-Fahrer, der diesen Artikel liest, wird jeden GT 750-Fahrer für einen Idioten halten. Wer 16 l auf 130 km braucht, ist unserer Meinung nach auch einer. Wir, 15 GT-Fahrer des neuen M-Modells, haben alle einen Verbrauch zwischen 5,5 und höchstens 8 l auf 100 km. Daß Ihr »Säufer-Artikel« hinterhältig ist, beweist auch der Vergleich der Tankstellenstops. Wir sind jederzeit bereit, mit Ihnen durch den Schwarzwald oder auf der Autobahn zu fahren. Wir versprechen, auch immer auf Sie zu warten. Denn dass wir warten müssen, garantieren wir Ihnen.René Weller, Pforzheim 1990 Bei Euren Vergleichstests gewinnt grundsätzlich Honda. BMW und auch alle anderen Marken haben das Nachsehen. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass Ihr wichtige Kriterien wie zum Beispiel Wiederverkaufswert oder Laufleistung einfach weglasst. Somit sind Eure Tests für Käufer von Neumaschinen schlicht und ergreifend ungeeignet. Aber wenn schon nicht für diesen Leserkreis, für wen druckt Ihr sie dann überhaupt noch? Oder zahlt Honda wirklich so gut? Christian Spies, Germering 1990 Mit traurigem Herzen beobachten wir, wie die Verkaufszahlen japanischer Motorräder steigen. Erst wenn die letzte Ducati vom Band rollt, der Name Moto Guzzi ausradiert ist und die letzte Laverda schweigt, dann werdet Ihr plötzlich aufwachen. Und dieses Todesurteil gilt nicht nur für Motorräder aus Italien. Wir jedenfalls fahren Italo-Bikes bis zum bitteren Ende.Moto-Italia-Club, LindelburgLebens-beratung, Vorurteile 1972 Ich möchte mich über etwas beklagen, was mir schon öfter widerfahren ist. Da überholt man einen Pkw und plötzlich fliegt einem aus dem Ausstellfenster eine glimmende Zigarettenkippe entgegen. Meist geht’s ja gut, aber wie leicht kann so ein Ding ins Gesicht fliegen. Ich sehe ohne Brille gut, könnte also sogar etwas ins Auge bekommen. Warum werden in Pkw eigentlich Aschenbecher eingebaut?Uwe Grimm, Bremen-Blumenthal1. Ohne Brille fährt man nicht. Bienen und Fliegen wissen nicht, dass sie einen Bogen ums Gesicht machen müssen.2. Versuchen Sie mal in jedem beliebigen Pkw, die Zigarette im Aschenbecher auszudrücken. Sie schmeißen sie auch lieber aus dem Fenster. Die Autoindustrie ist nämlich unfähig, Aschenbecher zu konstruieren.Die Redaktion 1972 Hiermit wende ich mich vertrauensvoll an Sie in der Hoffnung, dass ich meinem Ziel näher komme. Da ich bei jedem Wetter fahren muß und ich hörte, dass eine Brille mit Scheibenwischer auf dem Markt ist, bitte ich Sie hiermit höflichst, mir Herstellerfirmen mitzuteilen, damit ich das Passende für mich bestellen kann.W. Ueffing, Oberhausen 1972 Ich kann Ihre freudige Hoffnung, dass die Neuzulassungszahl in der BRD bald 100000 Motorräder pro Jahr übersteigen wird, nicht ganz teilen. Ich kann auch nicht verstehen, wie Sie als Sprachrohr unserer Zunft so etwas als erstrebenswertes Ziel herbeiwünschen. Die Erfahrung lehrt doch, dass alles, was zur Massenbewegung wird, sehr schnell seinen Reiz verliert und sogar zur Landplage werden kann. Man denke ans Autofahren oder ans Camping. Peter Wiegand, Karlsruhe 1976 ...und wenn mir mal alles wieder stinkt und ich zu nichts mehr Lust habe, dann setze ich mich auf mein Motorrad und jumpe, wheele und drifte ich wie ein frenzy-go-lucky-fellow im Gelände herum, bis ich keine Lust mehr habe. Dann warte ich, bis mir mal wieder alles stinkt und ich zu nichts mehr Lust habe...R. Hümpfner, Weinheim 1987 Auf einem Motorrad sollten nur richtige Heizer sitzen. Wenn das den anderen Schönwetterfahrern nicht passt, können sie ja im Auto bleiben.Arnd Nordmeier, Ennepetal 1990 Freitagabend, Krimi-Time, ZDF. »Der Alte« – und der Mörder ist immer der Gärtner... Nee, wir haben ja noch Motorradfahrer, damit’s auch paßt, nehmen wir gleich die Harley-Fahrer. Nachschlag gab es dann bei RTL, wieder auf die Harley-Fahrer. Wann hört das endlich auf?Klaus P. Dragowski, Berlin 1999 In artikel unterwegs Südsweden war eine furtbare Sache: die Fahrer sucte Elg zü treffen. Elg ist ca 400-500 kg swer und kollision mit ist lebesgefärlich. Gestern war in Zeitung Berihte auf solche »treffen« mit schlehen erfolg: Auto kaput und man ins friedhof. Der Elg ist gleich Farbe als der Wald, lauft snell und unerwaret über den Weg. Er seht slecht. Es ist ganz geönlich dass erst kommt Elgkoh und bald 2 Kälber. Die Kälber letzte Jahr sind ganz blöde, die laufen oft hin und zurück über den wäg. Also vorsichtig Fahren und sich umsehen, der Elg kann man erst dann sehen, wen er auf den Weg luft. Es ist glug, die Elge zu fürchten. Lieber unter 100 als über fahren für kürzere Bremswege.Esa Nurmi, Tampere
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100 Jahre MOTORRAD: Kuriose Leserbriefe (Archivversion)

> Der Elg ist gleich Farbe als der Wald, lauft snell und unerwaret über den Weg < Esa Nurmi, Tampere (1999)

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