100 Jahre MOTORRAD: Maschinen und Mythen (Archivversion) Der Mythos unbändiger Gewalt

Es war einmal ein Motorrad, so gewaltig, so böse, so stark, dass es sogar denen Angst machte, die damit hätten Geld verdienen können. Und das will was heißen. Die Vmax ward also zum Mythos und von Yamaha lange Zeit nur als Graue verkauft. Den ganz Unerschrockenen, mit den ganz dicken Armen und den ganz dicken Nerven. Für manche war die Vmax mit ihrem Bombenmotor und ihrem lämmerschwänzigen Fahrwerk einfach nur ein Scheißhaufen. Andere dagegen fanden sie schlicht brillant parfümiert. Mit dem Duft von verbranntem Gummi und dem Odeur unbändiger Gewalt. Keine Maschine, die schneller in mythische Höhen aufstieg - mit dem Vorderrad und von null auf hundert in weniger als drei Sekunden. Sie ging wie der Teufel, aber nur geradeaus. Ums Eck war’s die Hölle. Anders: Die Vmax zwingt zu einer Geradlinigkeit, die das Leben sonst nur allzu oft verwehrt. Weil’s dort brutal wäre, aber hier schlicht gewaltig kommt: Arnold S. fragt auch nicht erst, er langt hin. Und irgendwie steckt er doch in uns allen - Conan der Barbar.Indes, die Vmax war nicht das erste Motorrad, das die Japaner mit Thors Hammer geschmiedet hatten. Das nämlich hieß Z1 und kam von Kawasaki, 1972. Klar war die Honda CB 750 früher, und klar hat sie den Reihenvierer in die Serie eingeführt, genau wie die Scheibenbremse. Aber ging die CB 200? Nein, ging sie nicht. Aber die Z, die ging über 200. Die hatte 80 PS. Nur Mythos Mammut hatte mehr, kostete jedoch das Doppelte und war - langsamer. Sogar die Trommel hinten kam der Performance des bösen Four gerade recht. Nicht um der Gewalt Einhalt zu gebieten. Nein, um Legenden über die Unerschrockenheit der sie bändigenden Fahrer zu spinnen. Ebenso wie das wachsweiche Doppelschleifengeflecht, die mickrige Telegabel, jene heillos unterdämpften Federbeine und die labberig in Kunststoffbuchsen gelagerte Schwinge. Dieses Ensemble hatte der Gewalt des Reihenvierers nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen. Wenn die Z pendelte, pendelte sie zwischen Sein und Nichtsein. Und die Z pendelte oft. Doch weite Pupillen hinterm Visier bedeuteten Begeisterung, nicht etwa Angst. Trau dich oder verpiss dich! Mann oder Memme, Barbar oder Barbara?

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