–––––Moto Cross der Nationen in Foxhill/England (Archivversion)

––––SCHMUTZENGEL

Viel Feind, viel Ehr. Beim Moto Cross der Nationen balgen sich die Off Road-Götter aller Klassen und aller Kontinente um noblen Lorbeer - auch wenn der diesmal etwas eingebräunt war.

Es war, als ob der britische Himmel alle Vorurteile dieser Welt bestätigen wollte. Denn es war so - nein schlimmer, wie es jede Häme über das britische Schmuddelwetter jemals in Worten hätte ausdrücken können. Ein November-Wochenende im September. Regen, Regen, Regen. So stark, als wollte er die kreischenden Moto Cross-Maschinen, die sich seit Jahren die Hänge in Foxhill, ein enges Wiesental nahe Swindon, hinauf- und hinabwühlen, ein für allemal wegspülen. Doch ausgerechnet an diesen beiden Tagen hätte sich der angelsächsische Wettergott nicht mit den Crossern anlegen sollen. Wenn die Stollenzunft die Flaggen zum Moto Cross der Nationen hißt, gibt´s kein Erbarmen. Denn wenn die drei schnellsten Piloten jedes Landes - jeweils ein Fahrer auf einer 125er, einer 250er sowie einer hubraumoffenen Maschine - auf einer der besten aktuellen Pisten vor der üblicherweise größten Fankulisse der Saison antreten, denkt niemand an Rückzug. Nicht in Foxhill und auch nicht im Dauerregen. Zumal sich das alljährlich größte Fest der Moto Crosser längst von der von 1981 bis 1994 währenden US-Siegesparty mit ausländischer Gästeschar zum Duell der Amis mit den wiedererstarkten Euro-Crossern gemausert hat. Einmal waren es die Briten und zweimal die Belgier, die seither den Yankees nur einen einzigen Sieg übrig ließen.Und während sonst auch die hartgesottenen Crosser samt Fangemeinde jeden Regenschauer zum Teufel wünschen, hielt in Foxhill zumindest die Schar der Ignoranten jeden Tropfen des englischen Landregens für Weihwasser eines neuerlichen europäischen Erfolgs. Denn im tiefen Morast - so vermuteten sie - hätten die sonnenverwöhnten US-Jungs weder Moral noch Fähigkeit zum Erfolg. Unwissend, daß lediglich der erst 18jährige, neu ernannte Superstar Ricky Carmichael im Sonnenstaat Florida residiert, während sowohl der 32jährige Evergreen John Dowd als auch sein 28jähriger Kollege Doug Henry aus den - der Name läßt´s vermuten - regenreichen Neu-England-Staaten im Osten der USA stammen.Zumal sich die vermeintlich eingebremste US-Riege ohnehin mit einer geschwächten Kontinental-Truppe suhlen mußte. Ausgerechnet die mitfavorisierten Belgier mußten auf einen ihrer Spitzenpiloten verzichten. Weil sich der neugekrönte Halbliter-Weltmeister Joel Smets bei einem Gastauftritt beim Inter-DM-Lauf im hessischen Bauschheim das Handgelenk gebrochen hatte, rückte der auf internationaler Ebene eher unbekannte Wallone Patrick Caps an die Seite seiner hockarätigen Landsmänner Stefan Everts und Marnicq Bervoets, ihres Zeichens Nummer zwei respektive vier der abgelaufenen 250er WM, ins belgische Team.Illustren Mangel litten auch die mitfavorisierten Franzosen. Viertelliter-Weltmeister Sébastien Tortelli hatte sich eine Woche vor Foxhill bei einem nationalen Lauf sämtliche Mittelfußknochen gebrochen, WM-Mitstreiter Frédéric Bolley trug seinen Gipsarm schon Wochen vorher spazieren. Somit witterte selbst das deutsche Team zum ersten Mal in der jüngeren Nationen-Cross-Historie Morgenluft. Nicht einmal zu Unrecht. 125er Mann Jochen Jasinski gilt spätestens seit seinem zweiten Rang beim völlig verregneten letztjährigen Achtelliter-WM-Lauf in Gerstetten als Schlammspezialist, die permanent hochmotivierten Pit Beirer und Bernd Eckenbach lassen Wind und Wetter ohnehin kalt.Wie offensichtlich auch die britischen Fans, die der eigentümlichen sportlichen Mixtur harrten - beim Nationencross starten im ersten Lauf die 125er und die offene Klasse gemeinsam, im zweiten Durchgang die 125er und die 250er und im dritten Heat die 250er zusammen mit der offenen Kategorie. Die Rekordkulisse von gut 30 000 Zuschauern applaudierte, trompetete und jubelte, als ihre sonst so farbenfrohen Helden sich in einheitlichem Braun in die erste Schlammschlacht stürzten. Und ausgerechnet US-Mann Doug Henry war es, der Fahrerkollegen und Unwissende des besagten Besseren belehrte. Wie ein Uhrwerk trieb der amtierende US-Meister seine 400er Viertakt-Yamaha um die hoffnungslos zugeschlammte Piste zum Sieg. Weil die deftige Fangopackung 125er Sunny Boy Carmichael aber völlig aus der Spur warf, durften doch die Belgier mit Marnicq Bervoets auf Rang sechs und dem überraschenden Caps sogar auf Position vier als vorläufige Führungsgruppe lachen. Und als es im zweiten Rennen Routinier John Dowd dem sommersprossigen Ricky Carmichael am Ende des Felds gleichtat, geriet die Titelverteidigung der Belgier im dritten Lauf zur Formsache. Und nicht nur das: Mit einem völlig überlegenen Auftritt, bei dem er die mit den tiefen Spurrillen und bleischweren Maschinen kämpfende Konkurrenz gewissermaßen zu Stümpern degradierte, holte Stefan Everts nicht nur den Mannschafts-WM-Titel nach Belgien, sondern auch sein nach der 250er WM-Niederlage schwer angeschlagenes Selbstvertrauen zurück.Was dem deutschen Trio leider nicht gelang. Während Jochen Jasinski mit der schwachbrüstigen 125er von den hubraumstärkeren Kollegen bereits am Ende der Startgeraden jeweils mit einem halben Zentner Morast belastet wurde, zudem im ersten Durchgang mit einem defekten Kolben beidrehte und in Lauf zwei immerhin Platz acht ergatterte, haderten die Herren Beirer und Eckenbach mit ihrem Schicksal. Bernd Eckenbach unterhielt die Fans zwar mit fahrerisch brillanten Auftritten, die seine Husky aber bereits nach kurzer Zeit mit optisch und akustisch effekthaschenden Fehlzündungen inklusive imposantem Funkenflug auf die Plätze 33 und sechs reduzierte. Pit Beirer schaffte Rang fünf in Lauf eins und wühlte sich im zweiten Heat verzweifelt, aber mäßig erfolgreich auf Rang 16. Am Ende kam das deutsche Team auf Platz sechs.Wobei der im dritten Lauf aufziehende dichte Nebel nicht nur den schmählichen fünften Rang der Amerikaner, sondern fast noch einen weitere kleine Sensation des Tages verschleiert hätte. Hinter den ausgelassen feiernden Belgiern holten nämlich die völlig verduzten Finnen mit Platz zwei ihr bislang bestes Resultat im Nationen-Cross. Vielleicht, weil die zu Hause schon im August bei November-Wetter trainieren können.
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–––––Die Moto Cross-Werksteams 1999 (Archivversion) - –––––WECHSEL-WELT

Das Moto Cross der Nationen gilt nicht nur als Höhepunkt, sondern auch als Abschluß der internationalen Moto Cross-Saison. Spätestens jetzt weiß jeder Hersteller, welcher Werks-Pilot in der kommenden Saison auf der Gehaltsliste stehen wird. Die in den diversen WM-Klassen nicht aufgelisteten Marken engagieren sich entweder gar nicht oder nur über Teams einiger Landesimporteure.WM 125 cm³:Husqvarna: Alessio Chiodi (I)Moto TM: Philippe Dupasquier (CH)KTM: Trampas Parker (USA), Grant Langston (SA)WM 250 cm³:Honda: Stefan Everts (B), Frédéric Bolley (F), Marc Eastwood (GB)Kawasaki: Marnicq Bervoets (B), Pit Beirer (D)KTM: Werner Dewit (B)Suzuki: Leon Giesbers (NL), Joshua Coppins (NZ), Brian Jörgensen (DK)Yamaha: David Vuillemin (F), Mickael Maschio (F), Yves Demaria (F)WM 500 cm³ :Husaberg: Joel Smets (B), Danny Theybers (B)Husqvarna: Darryll King (NZ), Bernd Eckenbach (D), Fabrizio DinizKTM: Viertakt: Shayne King (NZ), Peter Johansson (S)Zweitakt: Rupert Walkner (A), James Marsh (GB), Damien King (NZ)Yamaha: Andrea Bartolini (I), Alessandro Puzar (I)

Moto Cross der Nationen in Foxhill/GB (Archivversion)

Ergebnisse:1. Belgien (Patrick Caps Yamaha 125, Stefan Everts Honda 250, Marnicq Bervoets Suzuki 250) 22 Punkte, 2. Finnland (Petteri Gustafsson Suzuki 125, Mark Kovalainen Honda 250, Miska Aaltonen KTM 250) 45, 3. Neuseeland (Joshua Coppins Suzuki 125, Shayne King KTM 250, Darryll King Husqvarna 610) 49, 4. Niederlande (Remy van Rees Kawasaki 125, Leon Giesbers KTM 250, Gert-Jan van Doorn Honda 500), 5. USA (Ricky Carmichael Kawasaki 125, John Dowd Yamaha 250, Doug Henry Yamaha 400) 54, 6. Deutschland (Jochen Jasinski Yamaha 125, Pit Beirer Honda 250, Bernd Eckenbach Husqvarna 610) 68.

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