2. Honda XLV 750 R-Treffen in Schwäbisch Hall-Hessental (Archivversion) NUR DIE

Die »schwerste und größte Enduro der Welt« - so spöttelte einst die Motorrad-Presse über die Honda XLV 750 R. Für die knapp 20 Freaks, die sich am zweiten Mai-Wochenende im schwäbischen Hessental trafen, gilt trotzdem: die oder keine.

»Das ist doch alles dummes Zeug!« Norddeutsch trocken kommentiert Germanistik-Student Tim Ingold aus Bremen die mäßigen Testergebnisse der Honda XLV 750 R, veröffentlicht 1983 in MOTORRAD. Als die »Fette aus Dingsda« - so die wenig schmeichelhafte Überschrift der Geschichte - wurde die vollgetankt 220 Kilogramm schwere Zweizylinder-Enduro vorgestellt. Rolf Steinemann aus dem schweizerischen Opfertshofen, 36 Jahre jung, mutmaßt gar »BMW-Sponsoring« hinter dem Verriß. Denn schärfste Konkurrentin der imposanten Enduro mit Kardanantrieb war damals die R 80 G/S. Alle weiteren Gespräche unter den XLV-Fans ergeben: schlechtes Fahrwerk, miserable Bremsen, bei manchen zu hoher Ölverbrauch – keinen stört´s. Weil sie ihre Hondas lieben.Gerademal 17 Biker aus ganz Deutschland und der Schweiz hat es ins schwäbische Hessental nahe Schwäbisch Hall gezogen - zum zweiten Honda XLV 750 R-Treffen. Kein spektakuläres Ereignis, aber eines mit Charme. Wo sonst findet man schon den fleißig Kippen drehenden Studenten neben dem smarten selbständigen Kleinunternehmer mit Handy und topschicker Brille? Oder die Erzieherin mit Zopf und Halstuch im Gespräch mit bärtigen Tüftlern, deren Maschinen mit mehr oder weniger gelungenen Umbauten aufwarten können - vereint am Lagerfeuer. Und daß sich zwei Bremer Jungs, Tim und Henrik, erst in dem schwäbischen Kuhdorf kennenlernen, hat schon was.Die geringe Teilnehmerzahl führt Student Jürgen Schelb, der das Treffen zum zweiten Mal organisiert, aufs schlechte Wetter zurück. Erst am frühen Samstag abend hat es aufgehört zu regnen. In kleinen Gruppen tummelt man sich ums Clubhaus des MC Hall. Ein bißchen Leben kommt auf die Wiese, als Jürgen zur Preisverleihung ruft: Urkunde und Kaffepott für die weiteste Anfahrt, den besten Umbau, die schönste Maschine. So was gehört zu einem richtigen Treffen. Auch die verlegenen Gesichter der Preisträger Tim, Rolf und Stefan.Aufbruchstimmung in der – man glaubt es kaum - Abendsonne. Zwei, drei XLV-Freunde wollen noch eine kleine Runde drehen. Nachholbedarf , denn die geplante, gemeinsame Ausfahrt war ja im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Stefan packt schon für die Heimfahrt, ein Nachzügler bollert den Feldweg in Richtung Clubhaus entlang. Zum Fototermin zu spät, nicht aber zum Essen – der Pizza-Express hat noch nicht geliefert. Ums qualmende Lagerfeuer drückt sich Berit, Freundin von Tim, scheu herum. Die 23jährige ist 600 Kilometer als Sozia von Bremen hierher mitgefahren. Ob es sich denn wirklich so prima auf der XLV sitze? Kurzes Zögern, ein skeptischer Blick in die Runde: »Mir tat trotzdem der A... weh.« Eine ehrliche Antwort, und keiner nimmt´s ihr krumm.Kontaktadresse: Jürgen Schelb, Telefon 0 79 51/76 36, Fax 0 79 51/4 51 94. Online: www.schelb.here.de.

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