25 Jahre Rallye Dakar (Archivversion)

Erfolgstypen

Vor 25 Jahren fiel der Startschuss zur ersten Paris-Dakar. Ein Rückblick auf ein Vierteljahrhundert der härtesten Rallye der Welt, auf die Maschinen und Menschen, die seither diesen Wüsten-Marathon geprägt haben.

Thierry Sabine hatte eine Vision. 1977 ging der Franzose auf der »Fernfahrt« von Abidjan nach Nizza, eine Art Vorläufer der Rallye Dakar, in der libyschen Wüste verloren, wurde per Zufall Tage später gerettet und träumte fortan von einer organisierten Rallye durch den Schwarzen Kontinent. Sein Credo: »Eine Herausforderung für die Teilnehmer. Ein Traum für jene, die zurückbleiben.«Die Herausforderung wurde 1979 für 170 Abenteuerreisende Wirklichkeit – bei einer Rallye von Paris nach Dakar. Unter ihnen ein gewisser Cyril Neveu mit einer Yamaha XT 500. Die XT war zwar bereits seit drei Jahren auf dem Markt, doch erst der Sieg Neveus nach 10000 Kilometern machte sie zum Kultmotorrad, zum Instrument, Fernreiseträume zu verwirklichen. 35 PS leistete die Ur-Rallye-XT mit herabgesetzter Verdichtung wegen des liederlichen Sprits in Afrika. Der Sieg machte sie auch zum Verkaufshit. 25000 Exemplare fanden allein in Deutschland ihre Kunden. 1980 waren 44 von 90 Dakar-Startern auf einer XT unterwegs, die Werks-XT hatten nun 534 cm3, 39 PS und liefen 150 km/h. Neveus zweiter Sieg sollte für Yamaha für lange Zeit der letzte sein. 1981 begann die Ära BMW: vier Erfolge bis zum Jahr 1985. Die Bayern waren offiziell auf den Dakar-Express aufgesprungen, und die Edelschmiede HPN hatte die Sieges-R 80 G/S auf die Räder gestellt. 55 PS leistete die 150 Kilogramm leichte HPN-BMW, dazu kamen 42 Liter Sprit. Im Lauf der Jahre waren Hubraumvarianten bis 1043 cm3 im Einsatz, die Leistung stieg bis auf 75 PS und machte die Boxer bis zu 190 km/h schnell. Daran hatte die Einzylinder-Fraktion mächtig zu kauen, und Hubert Auriol, heute Dakar-Renndirektor, sicherte sich den ersten Sieg. Inzwischen hatte ein weiterer Hersteller den Braten gerochen: Honda schickte 1982 fünf Werksfahrer auf XR 550 in die Wüste, Yamaha hatte die XT 530 zur XT 570 mit 583 cm3, Cantilever-Schwinge, Vierventilkopf, Register-Vergasern und 42 PS hochgerüstet. Aber das Team war vom Pech verfolgt. BMW, jetzt mit 980 cm3 unterwegs, haderte in diesem Jahr mit festgehenden Getrieben, so dass Teamchef Dietmar Beinhauer bei Rallye-Mitte entschied, die Mannschaft aus dem Rennen zu nehmen. Neveu, inzwischen zu Honda gewechselt, holte Sieg Nummer drei.1983 brach die Zweizylinder-Epoche an, die bis 1998 dauern sollte. Die R 80 G/S Paris-Dakar gewann für die Münchner die nächsten drei Rallyes: 1983 wiederum mit Auriol, dann folgte der große Auftritt des kleinen Belgiers Gaston Rahier. Der 164 Zentimeter kurze Ex-Motocross-Weltmeister sicherte BMW-Sieg Nummer drei und vier. Bei der Dakar 1986, dem Jahr, in dem Rallye-Gründer Thierry Sabine im Sandsturm bei einem Hubschrauberabsturz starb, war’s aufgrund diverser Pannen vorbei mit dem Glanz für BMW. Doch die Bayern konnten die Erfolge prächtig versilbern: Die GS-Baureihe mit dem Sondermodell »Paris-Dakar« wurde zum Klassiker und idealem Motorrad für Fernreisen, vornehmlich im Afrika-Tourismus. 170000 Modelle der GS-Baureihe wurden bis heute hier zu Lande verkauft. Ähnlich gut lief es bei Yamaha, die mit dem Zusatz »Ténéré« ihre XT-Reihe 73000 Mal verkauften, und das, obwohl nie ein Ténéré-Modell die Rallye gewonnen hatte.1986 ging ein anderer Stern am Rallye-Himmel auf: Neveu gewann mit der Honda NXR, wegen ihrer Erfolge respektvoll »Queen of Africa« genannt, zum ersten Mal mit einem wassergekühlten Motorrad. V2 mit 820 cm3, 80 PS, Vierventilköpfe, 245 Kilogramm vollgetankt – so lauteten die Eckdaten für das Wüstenschlachtschiff, das vier Mal in Serie bis 1989 siegte: zwei Mal mit Neveu, 1988 mit Edi Orioli, 1989 mit Gilles Lalay, der drei Jahre später während der Rallye Paris-Kapstadt bei einer Kollission mit einem entgegenkommenden Auto starb. Neveu war mit fünf Siegen mittlerweile der erfolgreichste Fahrer, Honda vermarktete die Siege mit Africa Twin und Transalp gleich doppelt. Hondas Bilanz: xxx verkaufte Africa Twin und xxx Transalp. Ein erster Versuch 1983 mit einer Großenduro, der XLV 750 R, war erfolglos verlaufen, die wuchtige V-Zweizylinder-Konstruktion war ihrer Zeit voraus.Bei der 1990er-Dakar gelang es Orioli, den einzigen Sieg für Cagiva auf der Elefant mit einem 75 starken 904-cm3-V2-Motor herauszufahren, bevor die große Zeit des Stéphane Peterhansel und der Yamaha XTZ 750 Superténéré begann. Acht Jahre dominiert die XTZ die Dakar – anfangs mit 800 cm3, später mit 850 cm3, Fünfventilköpfen und rund 80 PS. Dieser Triumph ist bis heute unerreicht. Der Rekord von sechs Siegen ging an Stéphane Peterhansel, zwei Mal gewann Orioli (1994 und 1996). 1998 zog sich Yamaha aus der Rallye zurück. Der XTZ-Paralleltwin wurde als Superténére in ihrem Marktsegment ein Verkausschlager, was auch sonst.1999 meldete sich BMW mit einem Paukenschlag zurück. Gleich zwei Mal (1999 und 2000) gewann Richard Sainct mit der Einzylinder F 650, dessen Vierventiler über 70 PS leistete, mit der Serien-F 650 jedoch nicht viel gemein hatte. Die verkaufte sich dennoch bislang 43 000 Mal. Im Jahr darauf schickte BMW gar noch zwei 900er-Boxer mit knapp 100 PS auf den Weg nach Kairo. Der Erfolg war total: Sechs BMW am Start, fünf im Ziel, die ersten vier Plätze gingen an BMW, der Boxer mit US-Boy Jimmy Lewis landete auf Rang drei. Trotz dieser Erfolge zog BMW sich zurück und überließ das Feld KTM. Die Österreicher rannten seit Beginn ihres Rallye-Engagements 1993 vergeblich dem Sieg hinterher. Erst 2001 gelang Fabrizio Meoni mit der wweit über 70 PS starken 660er-LC4 der durchbruch, ein Jahr später dominiert er mit der V2-LC8 mit über 100 PS und 2003 Sainct wieder mit dem Einzylinder. Allein dieses Jahr saßen über zwei Drittel der 162 Starter auf KTM-Einzylindern. Und auch die Firma in Mattighofen hat erfahren, dass sportlicher Erfolg reich und glücklich macht. Die LC4 ist ein Bestseller, 65000 davon sind in Deutschland in Betrieb. Der Zweizylinder-Replika 950 Adventure steht eine ähnliche Zukunft ins Haus.Apropos Langstrecken-Rallye: Die erste dokumentierte Rallye führte 1907 über 13000 Kilometer von Peking nach Paris. Der Sieger Prinz Scipione Borghese in einem Itala hatte im Ziel einen Vorsprung von dreieinhalb Wochen.
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Rallye Dakar: Jubiläum 25 Jahre + Kurzbericht Rallye Dakar 2003 (Archivversion) - König Richard III

Richard Sainct (rechts) ist der diesjährige König der Wüste. Der dritte Sieg des 33jährigen Franzosen bei der Dakar-Rallye (zwei Mal auf BMW 2000, 2001) war gleichzeitig sein erster auf der Einzylinder-KTM LC4. Nach über 8500 Kilometern lag er im Ziel Ägypten sieben Minuten vor seinem Landsmann Cyril Despres (links), ebenfalls auf einem Einzylinder. Der Sieger der beiden Vorjahre, Fabrizio Meoni hatte Pech. Mit der Zweizylinder-KTM LC8 zur Titelverteidigung gestartet, verlor Meoni wegen eines Motordefekts viel Zeit, die Aufholjagd auf Sainct endete mit einem kapitalen Sturz und verwies den Italiener auf Platz drei. Pech auch für den einzigen Deutschen, Norman Kronseder. Der Saatgutzüchter aus dem bayrischen Steinach hatte sich die Rallye zu seinem 40. Geburtstag geschenkt und wollte nur ankommen. Auf der vorletzten Etappe, das Ziel fast schon vor Augen, touchierte ihn ausgerechnet Jutta Kleinschmidt auf seiner KTM. Knöchelbruch, aus. Kronseder: »Eine absolut unnötige Aktion.« Dass Kleinschmidt ihm dafür das Startgeld für das nächste Jahr zahlen wollte, ist nur ein schwacher Trost.

Rallye Dakar: Jubiläum 25 Jahre + Kurzbericht Rallye Dakar 2003 (Archivversion)

25 Jahre Dakar: Alle Sieger, alle Maschinen1979Cyril Neveu (F),Yamaha XT 500 (499 cm3)1980Cyril Neveu (F), Yamaha XT 500 (534 cm3)1981Hubert Auriol (F), BMW R 80 G/S (798 cm3)1982Cyril Neveu (F), Honda XR 550 (980 cm3)1983Hubert Auriol (F), BMW R 80 G/S (980 cm3)1984Gaston Rahier (B), BMW 80 G/S (1011 cm3)1985Gaston Rahier (B), BMW 80 G/S (1000 cm3)1986Cyril Neveu (F), Honda NXR (820 cm3)1987Cyril Neveu (F), Honda NXR (820cm3)1988Edi Orioli (I), Honda NXR (820 cm3)1989Gilles Lalay (F), Honda NXR (820 cm3)1990Edi Orioli (I), Cagiva Elefant (904 cm3)1991Stéphane Peterhansel (F), Yamaha XTZ (800 cm3)1992Stéphane Peterhansel (F), Yamaha XTZ (800 cm3)1993Stéphane Peterhansel (F), Yamaha XTZ (800 cm3)1994Edi Orioli (I), Yamaha XTZ (800 cm3)1995Stéphane Peterhansel (F),Yamaha XTZ (850 cm3)1996Edi Orioli (I), Yamaha XTZ (850 cm3)1997Stéphane Peterhansel (F), Yamaha XTZ (850 cm3)1998Stéphane Peterhansel (F), Yamaha XTZ (850 cm3)1999Richard Sainct (F), BMW F 650 (675 cm3)2000Richard Sainct (F), BMW F 650 (675 cm3)2001Fabrizio Meoni (I) KTM LC4 (693 cm3)2002Fabrizio Meoni (I), KTM LC8 (942 cm3)2003Richard Sainct (F), KTM LC4 (693 cm3)

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