25 Jahre Yamaha SR 500 - Treffen (Archivversion) Geschmacksache

450 SR in Buldern – völlig normal, Westfalen ist für seine Eintöpfe berühmt.

Macht doch die Karre aus«, sagt Roy. Er hat das 25-Jahre-Treffen der Interessengemeinschaft Yamaha SR 500 in Buldern organisiert und grinst auf seiner Bierbank, wo er die Neu-ankömmlinge begrüßt, fein säuberlich registriert und schließlich mit einem Ansinnen konfrontiert. »Antreten, bitte!« Der Motor noch warm, die Mühle unwillig – schlechte Bedingungen, wie Freunde des japanischen Einzylinders wissen. Dass alle zuschauen und mitzählen, macht die Prozedur nicht einfacher. Zumal die Devise gilt: »One kick only!« Da rinnt nicht nur wegen der tropischen Temperaturen der Schweiß.Auch sonst geht es heiß her. Etwa im ewigen Glaubensstreit der Gemeinde, welche Baureihe die alleroriginalste sei – 48T oder 2J4? Nicht-SR-Fahrern ginge dieser Disput am Allerwertesten vorbei. Aber hier in Buldern, in Westfalen, dort, wo die Sturköpfe zu Hause sind und nunmehr für ein Wochenende im Juni auch die überzeugtesten SRler, da wird das verschärft diskutiert. Freilich: Das Schöne am Streit ist, dass man sich hinterher wieder versöhnen kann. Und es wird versöhnt ohne Ende, zumal ja fast keiner seine Maschine im umstrittenen Originalzustand belassen hat.Erstaunlich viele SR in Buldern besitzen ein drittes Rad. Erstaunlich deshalb, weil eine SR nicht gerade zum Zugpferd prädestiniert scheint. Arg im Trend liegen auch Silberfische – Umbauten der Stilrichtung Café Racer. Polierte Alutanks, glänzende Seitendeckel. Einander ein bisschen arg ähnlich sehen sich diese handwerklich perfekt gestylten Motorräder. Muss wohl so sein, wenn Individualität hinterm Hang zur reinen Ästhetik verschwindet. Der Unikate gab’s zu Buldern ebenfalls genug. Da hat ein Anhänger des Geländesports seine SR zu einem veritablen Supercrosser umfunktioniert, ein anderer sie zum Harley-artigen Vehikel stilisiert. Den Preis für den besten Umbau kassierte indes René, das heißt, seine SR. Mattschwarz das Teil, Heck kupiert und tiefer gelegt. Statt der Stange aktiviert eine starr geschweißte Kette die hintere Bremse. Und der Tank, eckig wie ein Sarg. »Vorfahren, los, vorfahren!« René lässt sich nicht lange bitten, knattert los. Die Vorderbremse beißt zu, und René dreht am Quirl, Sand und Gras spladdern vom breiten Hinterrad weg. Er gräbt sich ein, der beste Umbau des Jubiläumstreffens, dann erstirbt der Motor. Und die SR steht. Ganz ohne Ständer. Auf beiden Endrohren in frisch gefräster Kerbe. Aber so muss es sein: Legendäre Motorräder hinterlassen nun mal Spuren.

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