250: Gefahr aus Fernost (Archivversion)

Die Favoriten der Viertelliter-WM kommen aus Japan – das musste beim Saisonstart auch Aprilia-Pilot Ralf Waldmann erkennen.

Jan Witteveen machte keine Umschweife. »Wir werden vielleicht einzelne Läufe gewinnen. Doch die Weltmeisterschaft bei den 250ern ist dieses Jahr in japanischer Hand”, prophezeite der Aprilia-Teammanager düster. Auch bei Ralf Waldmann ist die Euphorie verflogen, nach dem Klassenwechsel der stärksten Piloten Rossi und Capirossi vielleicht doch endlich mit dem WM-Titel an der Reihe zu sein. »Solche Rechnungen sind noch nie aufgegangen”, winkte ebenso Cheftechniker Sepp Schlögl ab.Diesmal sind es keine Italiener, sondern Ausnahmetalente aus dem Fernen Osten, die Waldi den Weg versperren. Der 22-jährige Shinya Nakano, seit einem Jahr im französischen Chesterfield-Yamaha-Team unter Vertrag, fuhr aus der Pole Position zu einem gnadenlosen Start-Ziel-Sieg davon und machte aus seinen Titelambitionen keinen Hehl. »Mein Ziel ist ganz klar die Weltmeisterschaft. Ich habe jetzt ein Jahr Erfahrung in Europa, kenne alle Strecken, und die Yamaha 250 wurde wie die 500er in vielen kleinen Details sorgfältig verbessert. Vor allem das Fahrwerk ist beeindruckend”, meinte der liebenswerte Japaner und verschwieg höflich, dass Yamaha noch ein paar PS gebrauchen könnte.Denn Honda, 1998 mit einer belächelten Neukonstruktion völlig aus der Spur geraten, meldet sich nach zwei Jahren intensiver Weiterentwicklung mit geballter Kraft zurück. Und mit einer ganzen Ladung von Siegpiloten: Der kleine Daijiro Katoh glühte bei seinem Debüt im italienischen Axo-Gresini-Team auf Platz zwei und merkte vorwitzig an, ein Kampf um den Sieg wäre ihm lieber gewesen als der zweite Platz. »Katoh hat zwar keine Erfahrung in Europa, dafür aber mit diesem Motorrad. Er weiß bei der Abstimmung präzise, was er will und fährt stets fehlerlos am Limit. Nervosität ist für ihn ein Fremdwort”, sagt Gresini über den 23-Jährigen. Dritter im Bunde ist Tohru Ukawa. Nach vier vollen Grand Prix-Jahren auf Honda sieht auch der 26-Jährige seine Zeit gekommen und trainierte erbitterter denn je für den Titelkampf. »Ukawa ist sehr schnell, aber ein Gentleman, der im Kampf stets fair bleiben will. Nur deshalb haben andere rücksichtslose Haudegen in der Vergangenheit mehr Siege eingesammelt”, charakterisiert ihn sein Teammanager Jeff Hardwick. In Südafrika war es nicht mangelnde Zweikampfhärte, sondern Reifensorgen, die Ukawa hinter Neuling Katoh zurückwarfen. «For sure not happy”, fasste Ukawa in Worte, was ihm auch ins Gesicht geschrieben stand.Die Deutschen müssen sich warm anziehen. Ralf Waldmann fehlte als Siebter fast eine Minute auf den Sieger und wunderte sich über mangelnden Reifengrip, tröstete sich aber mit einem raketengleichen Start und der Tatsache, eine Saison zur Abwechslung einmal mit WM-Punkten eröffnet zu haben. Klaus Nöhles fuhr Spätbremser Roberto Rolfo davon und gilt nach seinem 14. Rang beim 250er-Debüt als kommender Mann im Aprilia-Germany-Team. Mit durchschlagender Gabel und Reifensorgen kämpfte sich Aral-Yamaha-Hoffnung Mike Baldinger auf Platz 18. Alex Hofmann warf das Handtuch, weil ein im Training bewährter Reifentyp im Rennen keinen Grip aufbaute.

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