250er-Rennen (Archivversion) Große Worte – große Taten

Jorge Lorenzo ist der Schnellste in der 250er-Klasse – mit dem Mundwerk, den Fäusten und am Gasgriff.

Jorge Lorenzo war der Mann der großen Worte und Taten beim Qatar-GP. Der 250er-Auftaktsieger von Jerez tönte nach seiner Pole Position, drei Zehntelsekunden vor seinem Fortuna-Aprilia-Teamkollegen Hector Barberá: »Es war schon ziemlich leicht, vor allem, weil meine Aprilia in diesem Jahr viel besser ist als die Honda.«
Im Rennen musste er dann zunächst ausgerechnet einen Honda-Fahrer ziehen lassen. Andrea Dovizioso erwischte einen Blitzstart und entschwand dem Feld in kürzester Zeit um über zwei Sekunden. Zur Halbzeit des 20-Runden-Rennens ließ Lorenzo seinen Worten schließlich Taten folgen und löste Dovizioso als Spitzenreiter ab. »In der letzten Runde überholte mich Dovizioso noch mal, und da war mir klar, dass ich die schlechtere Strategie hatte und wohl nicht mehr werde gewinnen können«, gab der Aprilia-Held seine voreiligen Gedanken erstaunlich offen preis, »aber dann hat mir Andrea den Gefallen getan, einen Fehler zu machen.«
Ein wenig mehr in Richtung Pubertät weist hingegen sein Verhalten gegenüber dem Teamkollegen Hector Barberá. Dieser hatte sich zum Dunlop-Renndienst geschlichen, um auszuspionieren, welche Reifenmischungen Freund Lorenzo im Rennen einsetzen werde. Als der davon erfuhr, ging er mit Vollgas auf Barberá los – in Worten und Taten.
Inmitten der jungen Kampfhähne holte Oldie Roberto Locatelli, der 125er-Weltmeister von 2000, einen viel bejubelten dritten Platz.
Von solchen Regionen noch weit entfernt ist die deutsche Kiefer-Aprilia-Truppe. Während der Sachse Dirk Heidolf als 15. wie in Jerez einen
WM-Punkt einfuhr, brachte der Australier Anthony
West die zweite Kiefer-Aprilia in der siebten Runde an 16. Stelle liegend mit Schaltproblemen wutschnaubend an die Box zurück.
In der 125er-Klasse möchte Daniel Epp, Teamchef von Weltmeister Tom Lüthi, ob des holprigen Saisonauftakts seines Schützlings den Ball flach halten: »Titel kannst du nicht planen. Wenn wir in der Spitze mitfahren und das jeweils Beste aus der Situation herausholen, ist das gut genug.« Selbst ein Scheitern des für 2007 geplanten Aufstiegs in die 250er-Klasse wäre kein Beinbruch. »Es steht nirgendwo geschrieben, dass
wir aufsteigen müssen. Wir können auch in der 125er-Klasse sehr gut leben«, fügte er hinzu.
Lüthi steckt ja auch nicht in der Krise, sondern hatte nur das Pech einer Verletzung inmitten wichtiger Fahrwerkstests bei der Saisonvorbereitung. Jetzt, wo die Euphorie des Titelgewinns verflogen ist, klappt es mit der Konzentration womöglich sogar besser. Schon im Vorjahr war Lüthi nach einem technischen Ausfall im ersten GP in Jerez vom Titelfavoriten zum Außenseiter abgerutscht und wurde dennoch Weltmeister. Gut möglich, dass 2006 genauso läuft. Zu einem Sieg hatte es in Qatar zwar wieder nicht gereicht. »Mit dem achten Platz aber können wir unter den schwierigen Vorzeichen sehr zufrieden sein. Wir haben einen Riesenschritt nach vorn gemacht«, zog der Schweizer Bilanz, während sein deutscher Teamkollege Sandro Cortese stürzte.
Weil Lüthis Honda – er fuhr erstmals unter Rennbedingungen einen Werks-Rahmen – auch in Sachen Motorleistung mit den schnellsten Konkurrenten von Aprilia und KTM mithalten konnte, ist Lüthi nun gut gerüstet, ernsthaft in den Titelkampf einzugreifen, selbst wenn sein stärkster Gegner, der 21-jährige spanische Aprilia-Pilot Alvaro Bautista, mit dem zweiten Sieg im zweiten Rennen einen klaren Vorsprung aufbauen konnte. Über sechs Sekunden hinter dem einsamen Sieger kämpfte Vizeweltmeister Mika Kallio auf seiner Werks-KTM den spanischen Aprilia-Piloten Sergio Gadea auf der Ziellinie nieder.
KTM-Junior Stefan Bradl berichtete von »großen Problemen in den drei schnellen Rechts der Strecke. Das
Motorrad schob dort nach außen, so dass ich regelmäßig meine Linie verlor«. Mehr als Rang 26 war nicht drin. mtr

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