25.Todestag von Jarno Saarinen (Archivversion) Der fliegende Finne

Vor 25 Jahren starb in Monza eines der größten Talente im internationalen Rennsport: Jarno Saarinen, 250er Weltmeister aus Finnland.

Auf der schnellen Monza-Bahn vor den Toren Mailands gab es schon einige Tragödien. Formel 1-Stars wie Graf Berghe von Trips, Jochen Rindt oder Ronnie Peterson verunglückten dort tödlich. Am 20. Mai 1973 kam es kurz nach dem Start des 250er Motorrad-Grand Prix zu einem Massensturz, bei dem der amtierende Weltmeister Jarno Saarinen, 27, aus Finnland und sein italienischer Konkurrent Renzo Pasolini, 34, starben.Die damaligen Umstände beschworen einen schweren Unfall geradezu herauf. Zum einen war der veraltete Rennkurs an sich - Leitplanken statt Sturzraum, schlechter Streckenbelag - für Motorrad-Rennfahrer enorm gefährlich. Zum anderen hatte es der selbstherrliche Veranstalter trotz einiger Fahrerproteste unterlassen, die ölsprühende Benelli von Walter Villa aus dem 350er Rennen zu nehmen beziehungsweise die verschmierte Piste vor dem nachfolgenden 250er Grand Prix zu säubern.Knapp einen Kilometer nach dem Start der Viertelliterklasse nahm das Unheil dann seinen Lauf. In der Curva Grande rutschte der in der Spitzengruppe liegende Pasolini mit seiner Aermacchi vermutlich auf dem Ölfilm weg, der dichtauf folgende Yamaha-Werksfahrer Saarinen konnte nicht mehr ausweichen und krachte auf den Italiener. Saarinen wurde zunächst auf die Strecke, dann in die Leitplanken und von dort wieder auf die Strecke katapultiert, wo ihn mehrere Fahrer überrollten. Bilanz des Horror-Crashs, der nach langen Debatten schließlich zum Abbruch des Grand Prix führte: zwei Tote, sechs Verletzte.Jarno Saarinen, im Dezember 1945 im südfinnischen Turku geboren, hatte seine Motorrad-Karriere Mitte der sechziger Jahre im Eisspeedway begonnen. 1968 fuhr er seinen ersten Straßen-Grand Prix und galt schon bald als das Fahrtalent schlechthin in der Szene. »Der hat in Hockenheim nach der Sachskurve einfach mal zwei Gegner in der Wiese überholt«, erinnert sich MOTORRAD-Kollege Waldemar Schwarz an einen der spektakulären Auftritte des fliegenden Finnen. Die Konkurrenz war von dem furcht- und respektlosen Saarinen zunächst wenig begeistert, mußte aber bald seine fahrerische Extraklasse und seine Professionalität anerkennen. Denn als gelernter Automobil-Ingenieur hatte er auch die Technik der Maschinen bestens im Griff.1972 wurde Saarinen auf Yamaha 250er Weltmeister. Die Saison 1973 begann mit furiosen Siegen bei den traditionellen Frühjahrsrennen von Daytona und Imola. Dann die Sensation beim Grand Prix-Auftakt in Paul Ricard: Saarinen gewann bei seinem 500er Debüt auf Anhieb mit der neuen Vierzylinder-Zweitakt-Yamaha vor Phil Read auf der bis dato überlegenen MV Augusta-Viertakter. Zudem triumphierte er im 250er Rennen. Zwei Wochen später konnte er den Doppelschlag in Salzburg wiederholen. Kaum jemand zweifelte damals daran, daß der Weltmeister beider Klassen am Jahresende Jarno Saarinen heißen würde - bis die Karriere des Finnen am 20. Mai vor 25 Jahren beim vierten Saison-GP in Monza so tragisch endete.

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