500-cm³-Moto Cross-WM in Aufenau (Archivversion) Neun danke

Ein guter Schluß ziert alles. Bernd Eckenbach (9) holte sich beim letzten GP der Saison im hessischen Aufenau den Sieg - und damit Rang vier in der WM.

Es lag schon etwas Wehmut in der Luft, als Jochen Jasinski mit der YZM 400 F über die Ziellinie preschte. Er hatte ihr einen würdigeren Abschied bescheren wollen, der kleinen Viertakt-Werks-Yamaha, die vor nur etwas mehr als eineinhalb Jahren die Moto Cross-Welt verändert hatte. Wie weggewischt war die Mär, daß - zumindest im Off Road-Metier - viel eben viel hilft. 400 cm³ Hubraum, Drehzahlen jenseits der 10 000er Grenze und die Handlichkeit einer federleichten 250er Zweitakter hatten gereicht, um den wilden Italiener Andrea Bartolini allein in dieser Saison fünfmal zuerst über die Ziellinie zu katapultieren - allerdings auch, um ihn Anfang August im belgischen Namur schmerzhaft über den Lenker zu befördern. Diagnose: Oberschenkelbruch. Und weil im Sport des einen Leid doch des öfteren des anderen Freud ist, durfte der 28jährige Jasinski, ansonsten auf einer aufgepäppelten Serien-400er Yamaha für das schwäbische Yamaha-Team Kurz unterwegs, Signore Bartolini beim 500er WM-Finale in Aufenau beerben.Doch war allen klar, daß Jasinskis erste Chance gleichzeitig seine letzte war. Das sündhaft teure Edelbike wandert demnächst in den Ruhestand. Genauso wie das von Yamaha-Werkspilot Peter Johannsson, obwohl der in Aufenau dem Edel-Crosser zum durchaus respektablen dritten WM-Gesamtrang verhalf (siehe Interview unten). Was den Druck auf den dadurch gewissermaßen zum Edelbestatter gewordenen Deutschen auf der Farewell-Tour offensichtlich noch intensivierte. Auf jeden Fall fand der Bedauernswerte vor heimischer Kulisse nie zu seinen wirklichen Fähigkeiten. Platz elf im ersten Lauf und ein Sturz in Heat zwei blieben als letzter Eindruck des Nobel-Crossers in den Köpfen der etwa 5000 Fans zurück.Den Erwartungsdruck der Off Road-Freaks hatte Joel Smets dagegen vor dem WM-Finale abgestreift. Im niederländischen Rhenen krönte er sich bereits drei Wochen vor dem Aufenauer Rennen zum neuen Halbliter-Weltmeister - seinem dritten Titel in dieser Klasse. Die permanente Partylaune ließ sich der ebenso ehrgeizige wie lebenslustige Flame jedoch auch im Hessenland nicht verderben. Der 28jährige, der sich die bald anstehende Winterpause mit Auftritten bei der Enduro-Sechstagefahrt in Australien und dem schwedischen Brutalo-Enduro Gotland Grand National auf seine Art versüßen möchte, fand sein Vergnügen vorab schon mal in Aufenau. Quasi ohne Konkurrenz trieb der rotblonde Belgier seine 600er Viertakt-Husaberg übermütig um die von den Zuschauern nahezu komplett einsehbare Piste. Nach dem problemlosen Sieg im ersten Lauf übersah der Vater eines zweijährigen Sohns im permanenten Überschwang der Gefühle in Heat zwei offensichtlich in der allerletzten Runde einen Stein, stürzte - und machte damit den Fans das schönste Geschenk des Tages: den Laufsieg von Bernd Eckenbach.Wobei sich der 26jährige Schwabe bereits vorab empfohlen hatte. Schon der fünfte Platz im vorläufigen WM-Gesamtklassement wäre für den Profi in seinem ersten Jahr als Husqvarna-Werksfahrer ein formidabler Einstieg gewesen, wenn in Aufenau nicht sogar der aktuelle vierte WM-Platz von Andrea Bartolini gelockt hätte. 27 Punkte rangierte der wehrlose Italiener auf Platz vier vor dem Modellathleten aus Hildrizhausen bei Stuttgart. Platz drei und vier - und damit 28 Zähler - also das Mindestgebot für das Erbstück. Während der ebenfalls druckempfindliche Husky-Treiber im ersten Lauf eben noch mit Position vier das Minimum schaffte, streifte Eckenbach im zweiten Start das Zwangskorsett ab, hielt sich bis auf Joel Smets alle Gegner locker vom Leib und wäre schon mit dem Ehrenplatz hinter Kollege Smets auf Parteitagskurs gewesen, wenn der weltmeisterliche Fauxpas 400 Meter vor dem Ziel nicht noch ein Happy End besagter erster Güte beschert hätte.

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