Abzocke im Internet (Archivversion) betrug.com

Die Welt ist schlecht und das Böse prinzipiell immer und überall. Vor allem aber im Internet. Weil es dort so herrlich leicht ist, andere übers Ohr zu hauen. Denkt sich wohl auch der windige Betreiber der windigen Seite www.superbikesdeals.com.

Was man denn davon halten solle, ob das mit rechten Dingen zugehen könne, und ob wir da etwas mehr wüssten? Denn eigentlich sei das doch, sprach der Leser am Telefon weiter, ein verdammt verlockendes Angebot, eine neue Honda CBR 1000 RR zum Beispiel für 4330 Euro oder eine Yamaha R1 für 5388!
Einfach zu verlockend, das Angebot. So verlockend, dass bei so manchem der Verstand sich automatisch verabschiedet. Um es so zu formulieren, dass es wirklich jeder kapiert: Vergessen Sie auf der Stelle den Traum, eine neue Tausender zum Preis einer 125er zu schießen.
Ein großer deutscher Grauhändler nämlich führt die Ware zu einem über doppelt so hohen Preis, die CBR für 11699, die
R1 für 13295 Euro. Trotz dieser riesigen
Differenz liegt der Hauptunterschied zwischen Grauhändler und Internetanbieter jedoch darin, dass einer die Ware tatsächlich führt, der andere nur darauf wartet, dass ein Dummer aufsteht, der ihm im Netz ins Netz geht. Jemand, der allen
Ernstes glaubt, dass der Importeur oder Hersteller Motorräder verschenkt und dafür obendrein Prämien zahlt. Noch dazu an Geschäftspartner, die er überhaupt nicht kennt und die auch Wert darauf legen, dass keiner sie kennen lernt.
Allein das sollte einen schon stutzig machen. Dass, wie im Fall von superbikesdeals. com, zwar Telefon- und Faxnummer unter »contact« zu finden sind, darunter aber kein Anschluss. Denn die Vorwahl steht nicht für Portugal, den angeblichen Firmensitz, sie steht für Luxemburg. Auch die angegebene »Rue Soeiro Pereira Gomes« ist in keinem Stadtplan von Lissabon verzeichnet. Außerdem heißt es in Portugal »Rua« und nicht »Rue«. Die kleinen Abweichungen scheinen indes System zu haben, existiert doch eine englische Website www.superbikedeals.com. Dort kostet die R1 allerdings 8929 Pfund, umgerechnet rund 13090 Euro.
Von dem vermeintlichen portugiesi-schen Firmensitz von superbikesdeals.com agiert allerdings sowieso niemand. Um das festzustellen, reicht es aus, eine Suchmaschine mit eben jener Adresse zu füttern. Daraufhin erfährt man unter www.motorforum.nl, dass die Domain superbikesdeals.com auf einen Anthony Starek registriert sei, der in Honolulu auf Hawaii residiere. Im gleichen Thread kommt raus, dass bei Bestellung einer Maschine die Zahlungen auf eine Bank in Spanien, die Cajamar in Malaga, vorab zu leisten seien. Als Kontoinhaber wird ein Herr Vicenzo Volza geführt.
Gibt man wiederum diesen Namen in eine Suchmaschine ein, bekommt man in einem Ebay-Forum den nicht ganz unwichtigen Hinweis, dass Herr Volza sich bereits als Internetbetrüger mit Kameras einen Namen gemacht hat. Keinen guten. Was auch auf Herrn Starek zutrifft, wie ein anderthalb Jahre alter Eintrag unter http://
forum.pgardner.net zeigt. Starek, damals noch in Miami gelistet, gab an, ein Notebook verkaufen zu wollen. Ein Interessent, skeptisch genug, weigerte sich, Starek das Geld vorab zu überweisen, schlug eine persönliche Übergabe vor. Antwort: »Wenn Sie sich nicht wohl dabei fühlen, mir das Geld zu schicken, dann tun Sie es nicht. Aber ich lehne ein persönliches Treffen ab, da ich sehr beschäftigt bin.«
Sicher kein Zufall, dass superbikesdeals.com sich ähnlich kontaktscheu
gibt. Wer ein Motorrad persönlich abholen möchte, erfährt per E-Mail Folgendes: »Unsere Gesellschaft ist eine reine Exportgesellschaft, wir haben keinen Laden und kein öffentlich zugängliches Lager. Wir
haben nicht die Erlaubnis, Motorräder hier in Portugal vor Ort zu verkaufen.« Zweite Mail: Wie es denn mit dem Überweisen funktioniere? Nach 20 Minuten kommt prompt Antwort in Form eines Standardbriefs: Man arbeite mit einem Treuhandservice, der dem Kunden eine Bankverbindung mitteile. Nach Eingang des Geldes informiere der Service den Verkäufer, der daraufhin die Ware versende. Oder auch nicht. Weil er sich damit rausreden kann, keine Nachricht von einer Überweisung auf das Konto der Firma erhalten zu haben. Vielleicht auf ein anderes?
Natürlich kann einem niemand ver-
bieten, trotz allem bei diesem Anbieter
zu ordern. Mag ja sein, dass man zu den
Wenigen gehört, die ein Motorrad abkriegen. Denn: Selbst dem windigsten Geschäftsmann ist daran gelegen, den einen oder anderen Leumund zu haben, der allzu hartnäckige Bedenken zerstreut.
Obzwar das Internet so manchem
miesen Trick erst ermöglicht, bietet es ebenfalls viele Optionen, diesen Tricks auf die Schliche zu kommen.

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