Abzocke im Netz (Archivversion) TAGE

Nicht schlecht, die Vorstellung, sein Motorrad für
1500 Euro übers Internet verkaufen zu wollen, und
dann kommt einer und bietet 3500. Allerdings, wie
immer in solchen Fällen, hat die Sache einen Haken.

Der Mann, der sich für die abgerockte Honda CB 400 N
interessierte, hatte wohl nicht alle Tassen im Schrank. Mailte dem Verkäufer auf dessen Internet-Anzeige, dass er ihm neben dem Kaufpreis 2000 Euro für Verpackung und Versand nach
Spanien erstatte. Er sei per Mobiltelefon zu erreichen und wolle ihm eine Einzugsermächtigung zukommen lassen, dann könne der
Verkäufer das Geld abbuchen und ihm die Honda zuschicken.
Das hätte der Verkäufer tun können, denn sogar per E-Mail verschickte Einzugsermächtigungen werden mittlerweile von fast jeder Bank akzeptiert. Er hätte dann 1500 Euro für seine CB eingestrichen, und von den 2000 wäre nach dem Verschiffen noch jede Menge hängen geblieben. Wäre. Denn als sicher kann gelten: Keiner bietet freiwillig so viel mehr, weil er es wirklich zahlen will. Das Gebot soll nur eines: den Verstand des Verkäufers ausschalten, damit der sich leichter übers Ohr hauen lässt. Während die Honda schon in Spanien angekommen ist, kann nämlich der
Käufer seine Einzugsermächtigung widerrufen und die Lastschrift rückgängig machen, noch dazu ohne Angabe von Gründen. Viele denken, dieses Recht gelte lediglich 14 Tage, aber tatsächlich
besteht die Möglichkeit des Widerrufs mindestens sechs Wochen lang. Ergebnis: Das Motorrad ist weg, das Geld ist wieder weg, und den Transport hat man selbst bezahlt.
Andere Käufer versuchen die Nummer mit Scheck: 1200 Euro für eine gut abgehangene Kawasaki KLR zuzüglich 2500 für den Transport nach England wurden einem Verkäufer auf seine Motoscout-Annonce geboten. Anders als beim Lastschriftverfahren kann der per Post verschickte Scheck zwar nicht zurückgezogen werden, aber er kann platzen. Bis der Verkäufer das von seiner Bank erfährt, dauert. Vor allem bei Schecks aus dem Ausland kann sich das lange hinziehen.
Man sollte also von sämtlichen Transaktionen mit Privat-
personen, die über Lastschrift oder Scheck abgewickelt werden
sollen, die Finger lassen, weil Überweisungen, die nicht rückgängig zu machen sind, von allen Ländern der EU aus so ein-
fach und kostengünstig zu realisieren sind, dass alle anderen Zahlungsformen sofort Verdacht erregen müssen.

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