Ah, jetzt, ja... (Archivversion) Ah, jetzt, ja...

...eine Kurve. Aber nicht irgendwo, sondern auf der Isle of Man.

Hätten Sie’s gewußt? Ein Typ namens Philip McCallen hat 1995 das Formel 1-Rennen der Tourist Trophy gewonnen. Auf dem Kontinent ist der Nordire bislang nur weit hinterhergefahren und hat bei den Thunder Bike-Rennen den Herren Mark und Co. In seinen schnellsten Momenten gerade mal in den Auspuff schauen dürfen. Von fern. Aber auf der Insel gelten andere Gesetze. Da ist der Mark vermutlich keinen Pfennig wert. Und schon gar nicht erst am Start. Wegen fehlender Sturzräume. Zu gefährlich. Obwohl die deutschen Top-Fahrer durch Abwesenheit glänzen, sind die Germans die treuesten Gäste des ältesten und berühmtesten Motorradrennens der Welt. Und es könnten noch viel mehr sein. Wenn Inseln nicht die dumme Angewohnheit hätten, ringsum von Wasser umgeben zu sein. Da macht auch die Isle of Man keine Ausnahme. Stur liegt sie inmitten der Irischen See. Mit Schlauchboot, Gummiente oder kalfaterter Schlummertonne ist da nicht hinschippern. Klar wie Kloßbrühe also, daß die Fähren Ende Mai mit unschöner Regelmäßigkeit total ausgebucht sind (Termine und Preise siehe Kasten auf Seite 43). Nur wer frühzeitig bucht, hat die Tickets nach England und von dort auf die Isle of Man sicher im Tankrucksack. Dort übernächtigt angekommen, logieren Puristen und überzeugte Belstaff-Träger gar rustikal beim Bauern in der Scheune oder - noch freiluftiger - auf einem der vielen Campingplätze, wo für die Übernachtung mindestens fünf Manx-Pfund (zwölf Mark und mehr) zu löhnen sind. Das schont den Geldbeutel und hilft alte Freundschaften vertiefen. Wer weniger Wert auf Lagerfeuerromantik legt, es dafür aber gern ein bißchen bequemer und die Toiletten eine Spur sauberer hätte, der dürfte mit »Bed & Breakfast« bestens bedient sein (Unterkunftsvermittlung siehe Kasten Seite 43). Solche einfachen Privatunterkünfte - oft mit Familienanschluß - sind während der Tourist Trophy ab 40 Mark pro Nacht samt opulentem Frühstück zu haben. Wer lieber luxuriös im Fünf-Sterne-Hotel nächtigen will, kann auch dies, sofern seine Brieftasche für die 260 Mark pro Tag beispielsweise im »Castle Mona« gestopft genug ist. Und dann soll’s ja noch die Sorte von Bikern geben, die sich gern ins gemachte Bett legt und andere organisieren läßt. So hat der Reiseveranstalter Tim Bennet von »Isle of Man Travel« 1995 über 1900 Motorradfahrer auf die Insel gebracht. Auch »Edelweiss Bike Travel« bietet Reisen unter der Anleitung erfahrener Tour-Guides an. Wer den ruhigen Schlaf liebt, der schlägt sein Urlaubsdomizil besser nicht in der Nähe der Strandpromenade von Douglas auf. Denn dort ist nachts der Bär los. Und der brummt gewaltig. Am lautesten rund ums legendäre Pub Buschy’s, wo das Bier in edlen Plastikbechern kredenzt wird. Ganz wichtig für Britannien-Neulinge: Viertel vor elf läuten die Barkeeper zur letzten Runde. Der kluge Mann bestellt da sofort ein paar Bitter, Ales, Stouts, Lagers und Porters im voraus oder wechselt ins nächste Hotel mit Schankgenehmigung (fully licensed), wo durstige Kehlen oft auch noch nach Mitternacht ein Pint vom heimischen Okells Bitter abkriegen. Danach unbedingt den Spruch »Don’t drink and drive« verinnerlichen: Angetrunkenen Bikern drohen saftige Geldstrafen und - in schwereren Fällen - Gratisunterkünfte hinter schwedischen Gardinen. Wer sich als Hanf Dampf in allen Gassen fühlt, sollte mit Kommissar Rex rechnen. Der pflegt schon beim Anlegen der Fähre kräftig zu schnüffeln. Wenn er fündig wird, gibt’s ein paar Wochen Zwangsaufenthalt und nichts von der TT. Wo beim Formel 1- Rennen auf dem 60,7 Kilometer langen Mountain Course TT-Legende Joey Dunlop natürlich mal wieder Favorit, aber natürlich auch Philip McCallen nicht zu unterschätzen ist. Und das nicht nur, weil uns Udo fehlt.

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