Aktion Leser testen selbst, Teil 2: BMW, Ducati, Harley-Davidson, Triumph (Archivversion) Gut drauf

Diese Biker müssen bei der Aktion »Leser testen selbst« etwas falsch verstanden haben. Nicht akrobatische Kunststücke waren verlangt, sondern solide Auskünfte über ihre Maschine. 38 000 MOTORRAD-Leser machten es richtig.

BMW-Fahrer achten besonders auf Zuverlässigkeit und gute Verarbeitung, Ducati-, Harley- und Triumph-Besitzer legen großen Wert auf Aussehen und Motorcharakteristik. Binsenweisheiten? Vorurteile? Weder noch. Es ist die Wahrheit. Die Leser selbst haben ihre Maschinen bewertet, und das Ergebnis bestätigt, was alle Biker eigentlich schon immer wußten.Doch neben solchen Banalitäten förderte die Befragung einige interessante Details zutage. So sollte es den BMW-Konstrukteuren zu denken geben, wenn bei sechs der zehn BMW-Modelle die Bremsen nicht den Erwartungen der Kunden entsprechen. Vor allem GS-Fahrer beklagen sich über das schlechte Bremsverhalten ihrer Enduros. Eine Schwäche, die vor allem Eigner von Boxer-Modellen beklagen, ist der Durst der bayerischen Zweizylinder. Trotz dieser Mängel kamen die BMW im Markenvergleich am besten weg. Alle Modelle der weiß-blauen Traditionsmarke lagen im Durchschnitt der 18 bewerteten Kriterien über 1,02. Besonders gut schneidet die bei Aprilia gefertigte F 650 ab. Das in deutsch-österreichisch-italienischer Zusammenarbeit entwickelte Einsteigermodell zeigt wesentlich mehr Stärken als Schwächen und belegt mit einem Durchschnitt von 1,26 Platz eins unter allen getesteten Motorrädern.Im guten Mittelfeld liegt dagegen Ducati. Die Sportler aus Bologna bieten genau das, was man von ihnen erwartet: überdurschnittliche Fahrleistungen, prima Fahrverhalten, tolles Handling und rassiges Styling. An der Verarbeitung und der Eratzteilversorgung hapert´s allerdings noch. Und auch wenn sich Ducati-Käufer mit den Fahreigenschaften ihrer Maschine zufrieden zeigen, Anschaffung und Unterhalt sollten ihrer Meinung nach wesentlich billiger sein. Wer hätte gedacht, daß die Besitzer der italienischen Renner öfter mal zu zweit fahren möchten? Die schlechte Soziustauglichkeit kreiden sie ihren Bikes jedenfalls als besondere Schwäche an.Auch Harley-Chopper sollten nach Einschätzung ihrer Besitzer ruhig mehr Soziuskomfort bieten. Am meisten stört die Fans der traditionsreichen Marke aber der hohe Kaufpreis. Doch der überdurchschnittliche Wiederverkaufswert, das klassische Aussehen und der unverwechselbare Sound des amerikanischen V2-Motors machen diesen Nachteil wieder wett. Für die schlechten Bremsen haben dagegen die wenigsten Harley-Besitzer Verständnis.Bei Triumph steht der Motor im Mittelpunkt des Interesses. Er ist bei den Freunden der englischen Bikes der Haupt-Kaufgrund und erfüllt in ihren Augen auch im Fahrbetrieb auch die Erwartungen. Gute Beschleunigung und satter Sound runden das Bild eines gelungenen Motorrads ab. Die Besitzer von Trident- und Daytona-Modellen bemängeln an ihren Maschinen das schlechte Handling, vom teuren Kaufpreis und den hohen Betriebskosten ganz zu schweigen.In puncto Umweltfreundlichkeit hinken alle Marken den Erwartungen der MOTORRAD-Leser hinterher. Außer an den Kat-Modellen von BMW kritisieren die Tester aller Modelle das Abgasverhalten ihrer Bikes. Die englische Traditionsmarke steht diesbezüglich an der unrühmlichen Spitze. Entweder achten Triumph-Fahrer besonders auf Umweltfreundlichkeit, oder ihre Maschinen stinken tatsächlich mehr als andere.Auffällig große Markentreue zeigen BMW-, Ducati- und vor allem Harley-Fahrer. Während über die Hälfte der Käufer japanischer Motorräder und 67 Prozent aller Triumph-Besitzer mit einem Motorrad einer anderen Marke liebäugeln, kommt für die meisten Fahrer von BMW, Ducati oder Harley überhaupt nichts anderes in Frage. Offensichtlich hat die Treue zu »seiner« Marke nicht unbedingt etwas mit der Zufriedenheit des Motorrad-Kunden zu tun. Denn obwohl Harley-Davidson im Markenvergleich am schlechtesten abgeschnitten hat, können sich die wenigsten Liebhaber der amerikanischen Kultmotorräder für irgendeine andere Marke erwärmen. Triumph-Fahrer dagegen gaben ihren Maschinen zwar durchweg gute Noten, trotzdem würden sie auch gern in den Sattel einer BMW wechseln. An manchen Bikes muß also mehr dran sein als ihre technischen Qualitäten. Aber das ist sicher auch wieder nur ein Vorurteil.

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