Alle Transfers 1996 (Archivversion) Marktforschung

Herbstzeit ist Marktzeit im Motorsport. Und in jeder Kategorie gibt es heißbegehrte Stars, hinter denen fast alle Teams her sind.

Nicht immer ist der Weltmeister die zentrale Figur bei der allherbstlichen Jagd nach den besten Arbeitsplätzen für das neue Jahr. 500er Champion Michael Doohan verlängerte zum Beispiel schon frühzeitig seine von zwei WM-Titeln gekrönte Zusammenarbeit mit der Honda Racing Corporation (HRC). Sein Konkurrent Luca Cadalora wurde so zum Mittelpunkt aller Spekulationen für die Halbliter-GP-Saison 1996. Der WM-Dritte aus Italien ist sich mit seinem Traumpartner Erv Kanemoto grundsätzlich einig, mit einer Werks-Honda NSR 500 endlich einen seriösen Großangriff auf den letzten, ihm noch fehlenden Titel zu starten. Aber das kalifornische Tunergenie, mit Cadalora schon 1991 und 1992 Weltmeister in der 250er Klasse, hat erst knapp drei Viertel des Etat beisammen - ein altes Problem des ebenso gut wie teuer arbeitenden Kanemoto. Und der von Cadalora beabsichtigte Transfer der Millionen seines Sponsors Marlboro von seinem bisherigen Yamaha-Roberts-Team zu Kanemoto scheint nicht so glatt zu laufen wie von Cadalora geplant. Im Gegenteil: Das japanische Yamaha-Mutterhaus versucht mit allen Mitteln, auch mit den traditionellen Beziehungen zu Marlboro, seinen Starfahrer Cadalora im Roberts-Team zu halten. Gar nicht beteiligt an der Hatz nach Cadalora hat sich Lucky Strike-Suzuki. Teamchef Gary Taylor hat schon frühzeitig die Verträge mit seinen beiden Fahrern Daryl Beattie und Scott Russell verlängert. Nicht auf Konfrontation mit den 500er Cracks geht der König der Superbiker. Carl Fogarty ließ schon vor längerem durchblicken, daß es ihn trotz gemeinsamer Erfolge von Virginio Ferraris Ducati-Werksteam wegzieht. Unterschrieben hat der Brite bei Honda, wo er als Teamkollege von Aaron Slight die Werks-RC 45 pilotieren wird. Bei Ducati-Ferrari spricht vieles für die Verpflichtung des genialen Maniacs John Kocinski. Denn Teamchef Ferrari braucht neben Ducati-Neuling Neil Hodgson unbedingt eine Top-Fahrer, der mit dem schlagkrätigen Duo im zweiten Ducati-Werksteam mithalten kann. Mit Vizeweltmeister Troy Corser und dem 20jährigen US-Superbike-Champion Mike Hale und neuem Cosponsor Casinos Austria drängt das Promotor-Power Horse-Team des Österreichers Alfred Inzinger massiv nach der Krone. Komplett war Mitte November auch das Suzuki-Werksteam mit der neuen GSX-R 750. Englands Superbike-Nummer zwei, John Reynolds, kommt von Kawasaki und erhält Verstärkung von Mirk McCarthy, dem aktuellen Tabellenführer der australischen Superbike-Meisterschaft. Shooting Star in der 250er WM ist Jürgen Fuchs. Nachdem sowohl Weltmeister Max Biaggi, Vize Tetsuya Harada und der WM-Dritte Ralf Waldmann in ihren Teams bleiben, war Fuchs plötzlich in der beneidenswerten Lage, zwei unterschriftsreife Top-Angebote von Aprilia und Honda auf dem Tisch zu haben. Er entschied sich für die Kontinuität und wird weiterhin im HB-Honda-Team bleiben, allerdings als echter Werksfahrer. Einen spektakulären Wechsel vollzog Stefan Everts in der 250er Moto Cross-WM. Der Weltmeister steigt von seiner Kawasaki und wird Honda-Werksfahrer, was seine Chancen auf die Titelverteidigung nicht gerade schmälern wird. Sein -Kawa-Nachfolger als Kollege des US-Amerikaners Tallon Vohland ist der französische Nachwuchsstar Fréderic Bolley.

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