Aluminium polieren (Archivversion) Blank-Überfall

Test the West: Der Weg zu solchem Hochglanz ist mühsam, ein Fall für Profis.

Größer könnte der Gegensatz kaum sein: auf der einen Seite der Malocher, von oben bis unten mit schmierigem Schleifstaub verdreckt. Auf der anderen Seite das Resultat seiner Arbeit: edel glänzendes Leichtmetall, sauber, rein - wie ein Spiegel. Polieren ist eine Drecksarbeit. Und eine Knochenarbeit, vor allem bei großen Teilen wie Rahmen und Rädern, die mit viel Krafteinsatz gegen die Schwabbelscheiben gedrückt werden müssen. Fast alles am Motorrad, was aus Leichtmetall gefertigt ist, ob Guß- oder Frästeile, Bleche oder Profile, läßt sich auf Hochglanz trimmen. Alu-Teile sind heute durchweg entweder lackiert oder galvanisch anodisiert. Aus gutem Grund, denn nur geschützte Teile widerstehen Dreck, Wasser und Salz. Harley-Fahrer oder Besitzer klassischer Ducati mit rohen Gußmotoren wissen ein Lied davon zu singen. Eloxierte Alu-Oberflächen hingegen sind hart, unempfindlich und dauerhaft. Beispiele sind die meisten Schwingen und Rahmen. Einige Fahrwerke sind jedoch lediglich im Alu-Look silbern lackiert, so bei Kawasaki-Sportlern. Wer den Schutzfilm entfernen will, sollte sich das gut überlegen, denn polierte Teile erfordern ständige Pflege. Vor dem Schleifen und Schwabbeln gilt es erst einmal, Farbüberzüge oder Eloxalschichten zu entfernen. Letzteres ist nur auf galvanischem Weg möglich. Dann beginnen die Vorarbeiten zum Glätten der Oberfläche mit einer Vielzahl von Werkzeugen wie Schleifscheiben und Fächerschleifer. Frank Fischer, Schleifprofi aus Peine, bei dem die Fotos aufgenommen wurden, hat zudem noch recht simple, selbstgefertigte Werkzeuge im Einsatz, quasi eine Art Betriebsgeheimnis. Beim Schleifen ist Gefühl und Vorsicht angebracht. Es spricht zwar nichts dagegen, pockennarbige Gußoberflächen zu glätten. Wer aber mit groben Schleifwerkzeugen an tragenden Teilen viel Material abträgt, schwächt das Bauteil. Im Bereich von wichtigen Schweißnähten darf gar kein Alu weggeschliffen werden. Motordeckel sind vergleichsweise unproblematisch, aber auch hier kann man einiges falsch machen. Besonders Dichtflächen sind hochsensibel, schon ein Ausrutscher mit dem Schleifwerkzeug ruiniert das Bauteil. Gerade das Glätten komplizierter Teile trennt den Anfänger vom Meister. Ebenen Flächen einfach nur Glanz zu verleihen gelingt auch dem Laien, Meisterstücke sind hingegen erst auf den zweiten Blick zu identifizieren. Die Oberfläche bleibt absolut plan, selbst im Bereich von Ecken, Kanten und Winkeln finden sich keinerlei Wellen und Macken. Ein sich in ebenen Flächen spiegelndes Teil sollte vom Original kaum zu unterscheiden sein, siehe Aufmacherfoto. In manchen Fällen macht das Polieren sogar aus technischer Sicht Sinn: Rennsportler tun es, um Risse leichter erkennen zu können, nebenbei zum leichten und schnellen Reinigen von Felgen oder Rahmen. Manche hochbelasteten Motorteile wie Pleuel werden poliert, um die Dauerfestigkeit zu erhöhen. Hauptbeweggrund für den Glanzlook ist aber das Aussehen. Der potentielle Kundenkreis sind Besitzer von Edelbikes, Oldtimern oder Rennmaschinen. Über Sinn und Unsinn der Poliererei muß man kein Wort verlieren, der eine mag es, der andere nicht.

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