Aprilia: Vom Dorfplatz auf den Weltmarkt (Archivversion)

Zweiräder gab«s bei Aprilia schon immer – am Anfang allerdings ohne Motor. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich Alberto Beggio an die Fertigung von Fahrrädern. Erst unter seinem Familiennamen, später benannte er die Firma nach seinem Lieblingsauto, dem Aprilia von Lancia. Die ausgesprochen flache Gegend rund um Noale, 30 Kilometer westlich von Venedig, eignete sich bestens für Drahtesel und verhalf dem kleinen Hersteller zu einem ordentlichen Absatz. 1968 hatte Aprilia 18 Angestellte und macht einen Jahresumsatz von rund 750.000 Euro. In diesem Jahr stieg Albertos Sohn Ivano ins Geschäft ein. Und alles wurde anders. Ivano Beggio, selbst begeisterter Geländefahrer, ließ erst mal kleine Off-road-Maschinen fertigen. Das Geschäft lief gut an, und ab 1975 mischte Beggio der Jüngere mit Mopeds und kleinvolumigen Motorrädern in der italienische Biker-Szene mit. 1980 begann dann die Umstrukturierung: Aprilia konzentrierte sich auf Konstruktion und Entwicklung, gebaut wurden alle Komponenten von Zulieferern – ein System, auf das die Firma bis heute setzt.Der Einstieg in die Sportszene erfolgte 1985. Beggio hatte inzwischen seine Träume, selbst Rennen zu fahren, begraben, wollte (und will) aber zumindest in allen Klassen den Konstrukteurstitel gewinnen. Den ersten Grand-Prix-Sieg fuhr Loris Reggiani 1987 in der 250er-Klasse ein, und in den 90ern gab es kein Halten mehr: Als einziger europäischer Hersteller bot Aprilia den Japanern Paroli.Den großen kommerziellen Durchbruch schaffte Aprilia 1990 mit der Wiederbelebung des Rollers: Der 50er-Roller Amico hatte ein komplettes Plastikkleid und vor allem eine ansprechende, moderne Optik. Doch Beggio drängte es mit Macht zu den Motorrädern. Nach diversen 125ern kam 1992 das erste große Motorrad, die Pegaso 650, und 1997 schließlich der Supersportler RSV mille. In den folgenden Jahren präsentierte Aprilia weitere Tausender wie der Tourer Futura, die Reise-Enduro Caponord und die SL Falco.2000 verleibte Ivano Beggio seinem Imperium die Motorradmarken Moto Guzzi und Laverda ein. Wegen der Krise auf dem Zweiradmarkt kein besonders günstiger Zeitpunkt für Investitionen, wie Beggio heute selber sagt. Auf dem Weg zu seinem erklärten Ziel, Europas größter Zweiradhersteller zu werden, braucht er also noch einen langen Atem. Letzter Coup des Herstellers ist der Dreizylinder RS Cube, der im GP 1 derzeit zwar noch nicht für das Podium gut ist, aber aufsteigende Tendenz zeigt.

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