Aprilia/Piaggio: Interviews über den Kurs des neuen Unternehmens (Archivversion) »Leidenschaft und <br /><br /> Emotionen reichen nicht&#147;

Rocco Sabelli, 50, ist Geschäftsführer von Piaggio und Aprilia und damit der Mann fürs Ganze. Der Chemie-
Ingenieur arbeitete mit Piaggio/Aprilia-Präsident Colaninno bereits bei der Sanierung der italienischen Telecom zusammen.

Sie haben insgesamt sieben Marken. Wie werden die positioniert?
Wie bisher, doch mit Möglichkeiten zur Ausdehnung. Nehmen Sie Aprilia: In Europa haben sich 2004 Modelle wie die Yamaha
Fazer 600 und die Honda Hornet 600 am besten verkauft. Und was bietet Aprilia in diesem Bereich? Nichts. Will heißen: Aprilia ist ein Nischenhersteller. Das wird jedoch nicht so bleiben.
Fährt Aprilia weiter Rennen?
Selbstverständlich, das gehört zu Aprilia wie das Salz in
die Suppe.
Schließt das eine Rückkehr in die Superbike-WM oder in die
MotoGP-Klasse ein und wenn ja, wann?
Sobald wie möglich. Allerdings müssen wir erst klären,
ob wir eher die Ressourcen für Superbike oder MotoGP haben.
Wer in der Gruppe soll denn künftig Motorräder bauen?
Wie bisher: Aprilia, Guzzi und Derbi.
Und Gilera und Laverda, ebenfalls traditionsreiche Marken?
Laverda produziert schon seit Jahren nicht mehr, im Grunde existiert lediglich noch der Name. Und Gilera bleibt ein engagier-
ter Rollerbauer.
Wird Guzzi weiter von Aprilia aus gesteuert?
Nein, ich sehe die Marke als eigenen Satelliten. Und ich halte es für keine leichte Aufgabe, sie wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Derzeit liegt der Umsatz bei 50 Millionen Euro.
Es muss aber mindestens das Doppelte sein, also eine Jahresproduktion von 10000 bis 12000 Motorrädern.
Wie wollen Sie das schaffen?
Dieses Jahr wird für Guzzi wichtig, denn es kommen zwei neue Modelle: die Breva 1100 und die Griso 1100. Ich selbst habe noch nicht genug Erfahrung auf dem Motorradmarkt, doch ich
spüre, dass die Mitarbeiter an einen Erfolg glauben. Wichtig sind jetzt die Vorstellung und die Auslieferung zum Saisonstart. Und dann das Image: Guzzi wird als leidend und schwach wahrgenommen. Das müssen wir schleunigst ändern.
Die Gruppe hat in Europa fünf Werke. Werden die zusammengelegt?
Nein. Natürlich sollen Aprilia und Piaggio künftig neue
Technologien gemeinsam entwickeln, wobei ich mir da auch eine
Zusammenarbeit mit anderen Herstellern vorstellen kann, etwa
mit BMW oder Renault. Gebaut werden die Modelle weiter in ihren bisherigen Werken.
Gilt das auch für Moto Guzzi?
Nun, wir haben das Werk in Mandello besichtigt und waren leicht bestürzt, denn es ist ziemlich baufällig. Da muss man sich überlegen, ob man es nicht lieber an anderer Stelle neu baut.
Natürlich in der gleichen Gegend.
Sie sind jetzt seit zwei Jahren in dieser Branche. Was halten Sie von den italienischen Herstellern?
Sie ähneln sich alle: die gleichen Tugenden, die gleichen Schwächen. Leidenschaft und Emotionen sind gut und schön, aber das reicht nicht. Die Unternehmer haben tolle Firmen aufgebaut, wie Claudio Castiglioni die MV-Gruppe oder Ivano Beggio Aprilia, doch 2004 hat kein italienischer Hersteller Gewinn gemacht. Das heißt, es muss sich grundlegend etwas ändern. Wer nur auf die Schönheit seiner Motorräder achtet, braucht jemanden, der ihm
jedes Jahr Geld zuschießt. Und das haben wir gewiss nicht vor.

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