Aprilia/Piaggio: Interviews über den Kurs des neuen Unternehmens (Archivversion) »Aprilia muss <br /><br /> mehr Motorräder bauen&#147;

Leo Francesco
Mercanti, 48, war bis Mitte 2001
Generaldirektor von Aprilia. Nach seinem nicht ganz friedlichen Ausstieg wurde er Geschäftsführer der spanischen
Piaggio-Tochter
Derbi und kehrt nun als Marken-Chef zu Aprilia zurück.

Derbi hat unter Ihrer Führung die Mulhacén 659 entwickelt,
deren Prototyp viel Anklang fand. Bringen Sie dieses Motorrad jetzt als Gastgeschenk zu Aprilia mit?
Nein, das nun nicht. Derbi hat die Mulhacén entwickelt, und dort gehört sie auch hin.
Würde sie eigentlich nicht besser zu Aprilia passen?
Finde ich nicht. Wir sehen die Mulhacén als eine ganze
Familie, mit Scramblern und Café Racern im mittleren Hubraumbereich und mit der 659 als größtem Modell. Würde es sich um
eine Aprilia handeln, wäre eine 650er für mich das untere Limit.
Wann geht die Mulhacén in Produktion?
Voraussichtlich Ende dieses Jahres.
Sie sind jetzt für Derbi und Aprilia zuständig. Wie sollen sich die beiden Marken künftig unterscheiden?
Derbi ist eindeutig auf ganz junge Fahrer ausgerichtet, und das funktioniert. 2004 hat Derbi 100 Millionen Euro umgesetzt und zum ersten Mal seit langem wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das soll so bleiben, weshalb die Marke weiterhin extreme Sachen für junge Leute baut, wie etwa den 50er-Roller GP1 mit Alu-Rahmen und fest montiertem Motor. Aprilia hingegen, ebenfalls eine Marke mit jungem Image, muss etwas erwachsener werden. Und vor allem mehr Motorräder bauen.
Wie viele Roller und Motorräder produziert Aprilia derzeit?
2004 waren es 102000 Fahrzeuge, davon rund 22000 Motorräder. Aber das war auch das Jahr der schlimmsten Krise. 2003 lag die Produktion bei insgesamt 160000 Stück, mit einem entsprechenden Motorradanteil. Und der soll in Zukunft immer größer werden.
Mit welchen Motorrädern?
Erst mal natürlich mit den vorhandenen, die Modellpalette ist ja nicht schlecht. Das Flaggschiff RSV 1000 ist weiterhin topaktuell.
Piaggio baut selbst Motoren und arbeitet seit längerem an einem großvolumigen Zweizylinder. Werden Aprilia-Motorräder künftig von Piaggio-Motoren befeuert?
Langfristig ist das denkbar, aber aktuell nicht. Aprilia hat
ein sehr gutes Verhältnis zu Rotax, wo die 1000er-Motoren gebaut werden. Und das soll so bleiben.
Seit dem letzten Jahr ist Aprilia im Offroad-Sport aktiv, und zwar mit einem eigenwilligen Zweizylinder-Motor. Verfolgen Sie dieses Engagement weiter?
Auf jeden Fall, wir werden das sogar verstärken, weil wir
Offroad für einen sehr zukunftsträchtigen Markt halten, sowohl Cross und Enduro wie auch Supermoto. Die Serienmotorräder kommen wegen Aprilias Krise zwar später als geplant, aber dieses Jahr gehen sie in Produktion. Und vielleicht bauen wir neben dem 450er- und 550er- auch einen 250er-Motor.
Welche Vorteile bringt der Zusammenschluss für die Gruppe?
Aprilia hat die einzigartige Fähigkeit, Tendenzen vorwegzunehmen und damit Trends zu setzen. Das war bei den 50ern und 125ern so, dann mit den Rollern und Motorrädern, nun wieder mit dem Offroad-Projekt. Außerdem hat Aprilia Kompetenzen in Sachen Design und bei der Entwicklung von Motorrädern. Piaggio bringt Manager, Strukturen und eine gesunde finanzielle Basis mit. Die
Zutaten für einen gelungenen Neustart sind also vorhanden. Jetzt müssen wir nur aufpassen, dass wir Köche nichts verderben.

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