(Archivversion) Mit Erfolg

Die Schule des spanischen Ex-Rennfahrers Alberto Puig hat wieder einen Weltmeister hervorgebracht: Dani Pedrosa siegte bei den 250ern.

Vor einem Jahr hatte Dani Pedrosa in Australien die düsterste Stunde seiner jungen Karriere erlebt: Als frisch gebackener 125er-Weltmeister in Phillip
Island angekommen, brach er sich bei einem Sturz in den ersten Minuten des ersten freien Trainings beide Fußgelenke. Statt seinen Titel zu feiern, verbrachte der Teenager die nächsten fünf Monate im Rollstuhl, bevor er sich zum ersten Mal auf seine neue 250er schwingen konnte.
Dieses Jahr stürzte der Spanier im Abschlusstraining, kam aber mit dem Schrecken und einigen Prellungen davon, die sein Mentor Alberto Puig mit Eis behandelte. Und so konnte am Ende doch jene Party in Australien steigen, mit der er die alptraumhaften Erinnerungen endlich aus dem Gedächtnis fegte: Weil ihm nach dem überlegenen Sieg in
Malaysia nur noch zwei Punkte gefehlt hatten, reichte ihm der vierte Platz hinter dem Aprilia-Trio Sebastian Porto, Alex de Angelis und
Manuel Poggiali dicke zum vorzeitigen Gewinn der 250er-Weltmeisterschaft.
In nur einer Saison hatte das 47-Kilo-
Fliegengewicht die Grand-Prix-Mittelklasse erobert und den bisher von Marco Melandri gehaltenen Jugendrekord für den WM-Titel um über ein Jahr unterboten: Pedrosa war mit 19 Jahren und 18 Tagen wie schon 2003 bei den 125ern jüngster Champion aller Zeiten.
Das macht die mentale Stärke des Spaniers nur noch imponierender. So geduldig, wie er im Winter auf die Heilung seiner
Knöchel gewartet hatte, so beharrlich kämpfte er die Rennsaison über gegen ein anderes Problem, das sein Team der Öffentlichkeit gegenüber sorgfältig geheim gehalten hatte: Schon ab den ersten Tests auf der 250er litt
er an dem unter Rennfahrern verbreiteten
Karpaltunnelsyndrom im rechten Unterarm. Erst nach dem Portugal-GP entschied er
sich für eine Operation. »Wir müssen ja nicht alles ausplaudern. Dieses Problem zu verraten hätte die Konkurrenten nur stärker gemacht«, entschied Alberto Puig.
Der Ex-GP-Star hatte Pedrosa in einem von ihm selbst organisierten Junior-Cup entdeckt, sorgfältig aufgebaut, gleichzeitig aber auch rigoros zur Härte gegen sich selbst erzogen. »Trotzdem habe ich ihm nur geholfen, sein Talent zu entfalten. Einen wie Dani zu
finden ist auch für mich wie ein Lottogewinn«, gibt Puig zu. Im Gegensatz zu vielen Kollegen wirkt Pedrosa im Fahrerlager meist ernst und in sich gekehrt. Falls er nicht über sein Motorrad nachgrübelt, schmökert er in der Biografie von Radprofi Lance Armstrong, dessen Philosophie ihm viel bedeutet. Auf
die Frage, wen er am liebsten besiegt, antwortet der 19-Jährige denn auch kurz: »Mich.« fk

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