(Archivversion) Faszinierend

Wunschmaschinen: eine Krad-Tagung in Tutzing

Motorrad fahren ist ein Stück Anarchie. Ich stelle meine Eigenverantwortung über die Gesetze und tue, was mir gefällt.« Sagte ein Fotograf bei der Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing, die sich drei Oktober-Tage um die Faszination Krad drehte, und ein Sturm der Entrüstung brach los. »Ich bin schockiert«, presste ein Polizist im Publikum heraus, bevor das böse Wort von der »Allmachtsphantasie« der Biker die Runde machte. Worauf prompt die Retourkutsche kam: »Halten sich denn die Moralapostel wirklich an alle Regeln?« Pfarrer Jochen Wagner, der das Seminar mit dem Titel »Wunschmaschinen. Motorrad erleben. Image zwischen Industrie und Politik« organisierte, war erfreut ob soviel Leidenschaft am späten Freitagabend. Entzündet hatte sich die Kontroverse an einem Vortrag der MOTORRAD-Redakteurin Berit Horenburg über das Kradeln als Vereinigung von eigentlich Gegensätzlichem. In Form gebrachte Leidenschaft beschäftigte anderntags Dave Robb, Leiter Motorrad Design bei BMW: »Die K 1200 LT strahlt Ruhe aus. Alles, womit der Mensch auf dem Motorrad in Kontakt kommt, ist weich.« Ob Luxustourer oder Enduro – das Design spielt eine immer größere Rolle bei der Anpassung an die Bedürfnisvielfalt der Kunden. So lautete eine der Thesen von Marktforscher Horst Nowak. Dagegen kreiste die Diskussion über die Zukunft des Motorrads um laute Auspufftöpfe. Wobei die Anhänger italienischer Renner mit schlanken Tüten mit denen stritten, die mehr Repressalien für Krachmacher forderten. Gila Altmann, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, plädierte als Grüne und Motorradfahrerin für Partnerschaft und Umweltfreundlichkeit. Zuletzt betonte der Seelsorger Hanns-Martin Hager vom Unfallkrankenhaus Murnau, dass der Unfall oft kein Zufall, sondern in »seelischen Verwerfungen« begründet sei. Was auf stürmische Zustimmung ebenso wie auf heftige Ablehnung stieß.

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