(Archivversion) Augustusburg / Ducati-Buch

Augustusburg ist ein Kindertreffen«, lästert der Biker aus Kassel. Keine Randale, alles Friede, Freude, Glühwein. Trotzdem ist er dabei, denn mit genau dieser Erklärung haben ihn seine Kumpels nach Sachsen gelockt. Er pennt in der in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar in der heimeligen Jugendherberge im Schloß, seine härter gesottenen Kumpels haben am schattigen Nordhang ihr Zelt aufgeschlagen. Am nächsten Tag halten sie den Tausenden von Schaulustigen, die an ihnen vorbeidrängeln, ein Schild entgegen: »Echte Biker. Nicht füttern!« 25 Zentimeter Altschnee in den höheren Lagen des Erzgebirges und Temperaturen um den Gefrierpunkt verkündet der Wetterbericht. Er behält recht. Das Weiß zieht die Massen an. »Einen richtigen Kassensturz haben wir noch nicht«, erklärt Ottokar, die graue Eminenz des Treffens, »aber 1500 Motorradfahrer werden´s schon sein.« Und damit 500 mehr als beim letzten Mal. Ottokar gehört zu denen, die das Treffen bis zur Wende mitorganisiert hatten. Jetzt moderiert er nur noch ein bißchen über den Hoflautsprecher, denn die Organisation wurde auf Weltniveau angehoben. Aber die erste Frage lautet noch immer: Kommst du aus dem Osten oder aus dem Westen? MuZ und BMW dürfen zwar sponsern, aber den Ton geben nach wie vor die Ballermänner aus Eisenach und Suhl an, und dazu knattert es zschopauerisch bläulich.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote