Artikel über MOTORRADonline in Heft 13/1998

Stau im Internet?

Immer wieder hört man von Geschwindigkeitsproblemen im Internet. Wie kommt es dazu? Um das zu verstehen, muss man die Struktur des Netzes genauer betrachten: Das Internet besteht aus vielen einzelen Computernetzwerken, die über sogenannte Gateways miteinander verbunden sind. Am ehesten vergleichbar noch mit einem Straßennetz. Zu Geschwindigkeitsproblemen kann es auf verschiedene Weisen kommen. Die einfachste: Von und zu einem bestimmten Server (Ortschaft) sollen besonders viele Daten übertragen werden. Sind für diese Mengen die Leitungsanbindungen nicht ausreichend bemessen (die Straßen nicht groß genug) oder ist der Server zu klein, kommt es zu einem Stau. Ähnlich wie auf der Straße kommen zwar alle Daten durch, aber eben nur langsam. Wenn die Probleme nur auftreten, wenn von einem bestimmten Provider aus zugegriffen wird, kann das Problem auch darin bestehen, dass der Übergang vom Netz dieses Providers ins Internet zu gering bemessen ist (das heißt, die Verbindungsstraße ist zu schmal).

Die anderen Möglichkeiten für Geschwindigkeitsprobleme sind komplexer: Sie hängen damit zusammen, dass bei der Kommunikation zwischen den Rechnern im Internet nicht nur eine direkte Kommunikation zwischen zwei Rechnern besteht (wie etwa zwischen zwei Teilnehmern beim Telefonieren), sondern dass mehrere Rechner in diesen Prozess eingebunden sind. Die Adressen, die der Anwender sieht - und die auch in der Programmierung hinterlegt werden - sind nichts weiter als Umschreibungen für die eigentlichen Adressen, die nur als Zahlencodes existieren. Wenn also der Anwender eine bestimmte Seite sehen will, so richtet sein Rechner erst einmal eine Anfrage an einen Verzeichnisdienst (den sogenannten Domain Name Service (DNS)), der die gewünschte Adresse, (zum Beispiel http://www.motorradonline.de) in den entsprechenden Zahlenwert umsetzt (hier: 195.52.163.3). Mit dieser „Zahlenadresse“ versucht der Rechner des Anwenders dann, den entsprechenden Server zu kontaktieren - und das für jede Datei neu. Da auf einer (www-)Seite verschiedene Elemente vorkommen können (Text, Bilder), die alle als einzelne Dateien vorliegen, kann das für jede (www-)Seite mehrmals passieren. Verschärft wird die ganze Problematik dadurch, dass die Datenpakete auf ihrem Weg vom Server bis zum Anwenderrechner eine ganze Reihe weiterer Rechner passieren müssen, die alle als Nadelöhr fungieren können - ganz abhängig von ihrer jeweiligen Auslastung. Es ist also durchaus möglich, dass der Server eventuell nur zu zehn Prozent ausgelastet ist, die Anbindung des Servers groß genug bemessen ist, auch der Rechner des Anwenders eine ausreichende Anbindung besitzt, die Daten aber auf dem Weg zwischen den beiden Rechnern in einen Stau geraten.

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