Auch beim Handel mit Gutachten gibt es schwarze Schafe (Archivversion) Voll erwischt

Der Handel mit Prüfberichten und Gutachten floriert. Allerdings geht es dabei nicht immer mit rechten Dingen zu. Einen aktuellen Fall möchte die Redaktion MOTORRAD an dieser Stelle aufgreifen.Beim TÜV Fahrzeug-Lichttechnik in Berlin beantragte die Firma Kess Harley Import eine lichttechnische Untersuchung für einen Fahrtrichtungsanzeiger. In dem Bericht wurde die Erfüllung der lichttechnischen Vorschriften nach ECE-Regelung Nummer 50 bestätigt. Kostenpunkt des Gutachtens laut Angabe des zuständigen Labors: weniger als 1100 Mark.Die Firma Kess bot das auf ihren Namen ausgestellte Gutachten verschiedenen Zubehörhändlern für 500 Mark zum Kauf an. Was prinzipiell als gesetzlicher Eigentümer des Gutachtens legitim ist, doch gab es in diesem Fall einen Hinweis, daß das Gutachten nur für die Erteilung einer Einzel-Betriebserlaubnis gilt. Darüber hinaus wurde das »TÜV-Gutachten für Bulleteye-Blinker« speziell für japanische Motorräder angepriesen, obwohl die Blinker ursprünglich nur dafür gedacht waren, ältere Harley-Motorräder ungeschoren durch den TÜV zu bringen. Solange die Blinker ordnungsgemäß an anderen Motorrädern angebaut werden (gut sichtbar, Blinkerabstand etc.), ist aber nichts dagegen einzuwenden.Mehrere Händler sind auf das Kaufangebot eingegangen und bekamen das Gutachten per Nachnahme geliefert. In den verkauften Gutachten erschien urplötzlich ihr Name als Bevollmächtigte, obwohl im Original-Gutachten der Firma Kess keine weiteren Firmen namentlich genannt wurden. Nach Angabe eines betroffenen Händlers wurde diese Eintragung nachträglich von der Firma Kess vorgenommen. Diese wiederum beschuldigt den Käufer des Gutachtens. Auch ein Foto des Blinkers und eine Prüfnummer wurden eigenmächtig gegen die Originalabbildung ausgetauscht. Wer auch immer hier manipuliert hat, als Kavaliersdelikt kann man dieses Vorgehen sicher nicht mehr bezeichnen. Krönender Abschluß: Die Blinker wurden im Handel mit Sechs-Volt/Zehn-Watt-Lampen verkauft, obwohl das Gutachten ausdrücklich nach einer 21-Watt-Lampe verlangt. Ergebnis: Die zu schwachen Lampen brannten bei der ersten Betätigung auf Zwölf-Volt-Anlagen sofort durch.

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