Auf Messers Schneide (Archivversion) Auf MessersSchneide

Die Geschichte der Honda Fireblade könnte Bücher füllen. In zwölf Jahren Bauzeit erfährt ein Motorrad, vor allem, wenn es sich um einen Supersportler handelt, eine ganze Menge Entwicklung. Die Fireblade jedoch besonders viel. Denn eines war ihr von Anfang an in die Wiege gelegt: Sie sollte anders sein als die anderen. 1992 brachte Honda die neue Formel eines Supersportlers, das Gewicht einer 600er gepaart mit der Leistung einer 1000er, auf den Markt. Wobei ihr die Konkurrenz leistungsmäßig allerdings immer überlegen war. Dazu spendierten die Macher der Blade ein unnötiges 16-Zoll-Vorderrad und einen extrem kurzen Radstand. Erst jahrelange heftige Kritik überzeugte Honda, diesen Irrweg zu verlassen. Bei der Motorleistung ließen sich die Ingenieure dagegen nicht beirren und blieben immer einen Schlag unter dem satten Druck einer Yamaha R1 oder Suzuki GSX-R 1000. Und es gab ein weiteres Dogma: Keine Blade sollte jemals einen Lenkungsdämpfer tragen. Selbst als das 2000er-Modell zur Gewichtsersparnis einen zweigeteilten Rahmen bekam und deshalb nicht mehr die Fahrstabilität der Vorgängerinnen erreichte, verzichtete man darauf. Fatal wirkte sich diese Dickköpfigkeit bei der noch leichteren 2002er-Version aus. Sie war ein richtiges Biest, woran eine Umrüstaktion nicht viel änderte.Dennoch: Verkauft hat sich die Fireblade immer. Honda-Fans gieren nach einem sportlichen Flaggschiff. Der Ruhm der nahezu unschlagbaren GP-Maschinen begeistert eben. So gesehen, haben die neuen Macher der jüngsten Blade alles richtig gemacht. Die standesgemäße Kraft aus einem Liter Hubraum, ein neuer, elektronisch gesteuerter Lenkungsdämpfer und ein steiferes Fahrwerk für mehr Fahrstabilität. Der Ritt auf der 2004er-Feuerklinge gleicht deshalb trotz nominell 21 PS mehr Leistung keineswegs dem Tanz auf Messers Schneide (siehe Fahrbericht ab Seite 10), sondern eher jenem fahrdynamischen Erlebnis zweirädriger Spitzenleistung, das Normalsterbliche noch seriös beherrschen können. Beherrschbarkeit ist übrigens auch das Erfolgsgeheimnis der MotoGP-Honda.

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