Aufgalopp zu einem beinharten Wettbewerb (Archivversion) Aufgalopp zu einem beinharten Wettbewerb

Buchstäblich im Schweinsgalopp neigt sich die Motorradsaison 1996 ihrem Ende zu. Rasant verfärbt sich das Laub, es wird merklich frischer auf dem Bike. Herbst - und damit die Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen und einen Ausblick in die neue Saison zu wagen.Der viele Regen und für die Jahreszeit oftmals merklich zu kühle Temperaturen haben über weite Strecken des Jahres verhindert, daß mal über eine längere Zeit so richtig Bikerfreuden aufkommen konnten. Hersteller und Handel können von diesem wetterwendischen Jahr ein zum Teil gar garstig Lied singen, verlief doch 1996 an der Verkaufsfront so uneinheitlich und unberechenbar wie schon lange nicht mehr. Hinzu kommt, daß die immer kritischer werdende wirtschaftliche Lage, begleitet von zum Teil empfindlichen finanziellen Einbußen beim Bürger, natürlich auch am Freizeitmarkt Motorrad nicht ohne Schrammen vorüberging.Zwar wird die Zweirad-Branche landauf, landab nicht müde, auf offener Bühne zu versichern, ihr gehe es gut - die Dellen sind jedoch unverkennbar. Zum einen ist der Preiskampf auch in der Motorrad-Branche nun mit aller Macht entbrannt. Vor allem Hersteller und Händler im Zuberhörbereich bekommen dies heftig zu spüren. Umsätze und Gewinnmargen lassen deutlich zu wünschen übrig, auch wenn uns umstrittene Studien des Industrie-Verbandes Motorrad das Gegenteil vorgaukeln wollen. Da sollte man dann schon mal fragen, wer aus welchen Gründen solche Studien denn bezahlt hat - um am Ende ganz bestimmte Ergebnisse herauszukriegen. Und die japanischen Motorrad-Anbieter, in den vergangenen drei Jahren durch den hohen Wechselkurs ihrer Yen-Währung heftig geschüttelt, holen nun zum Gegenschlag gegen Europäer und Amerikaner aus. Immer mehr Motorräder unter Nippon-Flagge werden auf europäischen Fließbänder gefertigt - was sie auf dem europäischen Markt im Preis eindeutig wettbewerbsfähiger macht. Honda-Produkte wie die Enduro NX 650 sind Beleg dafür. Und zum zweiten nehmen sich die Japaner unverhohlen solche europäischen Erfolgsmarken der vergangenen Jahre wie BMW und Ducati vor. Die gnadenlose Offensive jetzt auch im Segment sportlicher Zweizylinder enthüllt diese Strategie unbarmherzig. Die Messe in Köln deutete da nur den Aufgalopp an. Der Rollermarkt sieht ebenfalls nur auf den ersten Blick nach Hosianna aus. Die Stückzahlen steigen rasant. Beim zweiten Blick stellt man aber fest, daß angesichts der gnadenlosen Offensive aus Taiwan und Korea vor allem im unteren und mittleren Preissegment eigentlich kein Anbieter mehr mit befriedigenden Gewinnmargen arbeitet.Grund zu Pessimismus? Ich meine, nein. Nach wie vor ist das Gesamtniveau - auch wenn gewisse Tendenzen nachdenklich stimmen - zufriedenstellend. Bedenklich ist allerdings, daß die Gewinne mancher Hersteller, wenn es noch enger wird, nicht mehr langen werden, ausreichend in die Zukunft, sprich: in neue Produkte zu investieren. Der Motorrad-Markt aber lebt von aufregender Produkt-Animation.

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