Bartol, Harald: Interview (Archivversion) Grand Prix Compact

Im zweiten Jahr seines Engagements in der 125-cm3-Straßen-Weltmeisterschaft konnte KTM dank Werksfahrer Casey Stoner den
ersten Sieg feiern. MOTORRAD-Grand-Prix-
Reporter Friedemann Kirn erkundigte sich
bei Harald Bartol (Foto) nach dem Stand der GP-Projekte in allen drei Klassen.

Gratulation zum ersten KTM-Sieg im GP-Sport – doch warum hat es fast zwei Jahre
gedauert?
In meinem früheren Team, bei
Derbi, war es leichter, weil die Konkurrenz damals noch nicht so weit war. Die Derbi-Erfolge haben die Konkurrenz von Honda und Aprilia aufgeweckt. Deshalb ist es heute viel schwerer, in der 125er-Klasse Erfolg zu haben.
Wie lassen sich die Konzepte von
KTM und der Weltmeistermaschine von Honda vergleichen?
Die KTM ist derzeit sicher die modernste 125er. Wir haben eine überlegene technische Lösung fürs Getriebe entwickelt, und die Einspritzung, die wir seit dem Jerez-Grand-Prix zusätzlich zum Vergaser einsetzen, hat noch jede Menge
Zukunftspotenzial. Unsere Maschine hat das modernere Konzept, die Honda ist dafür von einem riesigen Entwicklungsstab bis ins letzte Detail durchdacht und ausgefeilt. Das zeigt sich schon am Preis: Der Kit von Honda kostet doppelt so viel wie bei uns ein komplettes Motorrad.
Wer ist der beste Fahrer der 125er-Klasse?
Absolut Andrea Dovizioso, keine Frage, allein von der Konstanz her. Zu
einem der Besten würde ich noch Jorge
Lorenzo zählen, der hart fährt, aber
selten stürzt. Einer der Top-Piloten dieser Klasse.
Bleibt euer Siegfahrer Casey Stoner bei KTM?
Das weiß ich noch nicht. Fest steht, dass er 250er fahren will. Doch es sieht so aus, als ob er das nicht bei uns machen würde. Ich denke, er wird zu Lucio Cecchinello gehen. Für unser Projekt ist
das ein Rückschlag. Ich arbeite gern mit einem Fahrer wie Stoner, der schnell ist, auch wenn er das Motorrad öfters wegwirft. Ein junger Fahrer, der die Maschine richtig ausquetscht, bringt mehr als ein erfahrener, der nur ständig das Motorrad hin- und herbauen lässt.
Wie weit ist das 250er-Projekt?
Derzeit werden die ersten Teile gefertigt. Ich bin aber noch vorsichtig. Ich möchte schwarz auf weiß sehen, dass
das Reglement mit 250er-Zweitaktern bis 2009 erhalten bleibt. Im Moment ist das nur eine in die Luft gesetzte Aussage.
Wie viel PS werden für die 250er-
Klasse benötigt?
Gut 100, auf alle Fälle. Mir schwebt was vor in der Nähe von 120 PS. Unsere 125er hat um die 55 PS.
Wie ist der Status quo des MotoGP-Projekts mit dem Roberts-Team?
Die Chancen, dass es verwirklicht wird, sind größer als je zuvor. Wir sind
dabei, das Geld aufzutreiben. Vom 23. bis 25. November testen wir in Jerez, und es wird mit allen Mitteln darum gekämpft, dass es weitergeht. Wenn wir mit den jetzt geplanten Änderungen in Valencia antreten würden, wären wir sicher schneller als Kawasaki und Suzuki und würden in der Gegend der Ducatis mitkämpfen.

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