Battle of the Kings auf Ibiza (Archivversion) Kinis Könige

Die außerhalb der Saison eher tröge Party-Insel Ibiza wurde aufgeschreckt. Cross-Legende Heinz
Kinigadner und Red Bull hatten zur Battle of the Kings geladen, der Vollgas-Saisonparty.

Der König, der Kini war er – in Tirol,
wo er zu Hause ist – eigentlich schon immer, allerspätestens aber seit dem Gewinn seines zweiten 250er-Motocross-WM-
Titels 1985. Heinz Kinigadner, in Österreich eine Ikone durchaus auf einer Stufe mit
Niki Lauda oder Gerhard Berger, lud bereits zum dritten Mal Top-Stars aus der Vollgasbranche ein, seine königliche Würde mit ihm zu teilen – ganz egal, ob sie auf zwei oder auf vier Rädern erfolgreich sind.
»Battle of the Kings« heißen in aller
Bescheidenheit die zwei Tage auf Ibiza,
an denen sich zum Beispiel MotoGP-Superheld Max Biaggi in von Yamaha-R6-Triebwerken befeuerten Cross-Karts mit DTM-Auto-Champion Matthias Ekström anlegte. Oder der deutsche MotoGP-Pilot Alex Hofmann in ebensolchem Vehikel den DTM-Audi-Werksfahrer Martin Tomczyk deklassierte, um dann in der letzten Kurve mit gerissenem Gaszug stehen zu bleiben und den Sieg dem auch an diesen Fun-Tagen überaus ehrgeizigen Supermoto-Weltmeister Thierry van den Bosch zu überlassen. Anschließend musste Hofmann sich die hämische Frage anhören, ob in seinem Cross-Autochen nicht zufällig eines der
defektanfälligen Kawasaki-MotoGP-Aggre-
gate versteckt gewesen sein könnte.
Mit Quads auf einer Stadioncross-
Piste glänzten allen voran der 125er-Motocross-Weltmeister Ben Townley sowie der MOTORRAD-Mitarbeiter und gerade eben entthronte Stunt-Weltmeister Christian Pfeiffer. Den wildesten Auftritt in dieser Abteilung aber hatte Suzuki-MotoGP-Junior John Hopkins. Von Reifen-Testfahrten aus Valencia verspätet angekommen, fand er im Umkleidezelt keine vernünftigen Protektoren mehr und flog dann ganz im
Sinne von Battle-of-the-Kings-Hauptsponsor Red Bull mit wehendem Cross-Hemdchen quasi bauchfrei über den durchaus seriösen Tabletop-Sprung – eine Aktion, die außer »DJ John Hopper« nur noch
Offroad-Crack Townley und nach gewisser Eingewöhnung Artist Pfeiffer wagten.
Christian Pfeiffer war es auch, der die rund 2000 Zuschauer zur Raserei brachte, die überraschend aufgetaucht waren – die Königsschlacht war nämlich eher als eine von einem TV-Produktionsteam begleitete Party denn als Publikumsveranstaltung ge-
dacht. Vorher noch nie auf einem 600er-Quad unterwegs, pfiff Pfeiffer nach nur
wenigen Versuchen im Wheelie freihändig und souverän die komplette Zielgerade des Hippodroms von Ibiza rauf und runter.
Völlig Ibiza-unytpisch war leider das Wetter, das mit vereinzelten, aber heftigsten Regengüssen die königliche Schlachtordnung gewaltig durcheinander brachte. So blieben die KTM-Supermoto-Maschinen unberührt am Rande der Pferderennbahn stehen. Ebenso musste der Programmpunkt »spanisches Pferderennen«, zu dem die Organisatoren im Vorfeld nur geheimnisvoll schwiegen, ausfallen.
Gänzlich ohne Probleme liefen dagegen die Wasserspiele. Auf den Jet-Ski zeigte vor allem Matthias Ekström, dass
er nicht umsonst praktisch jede freie
Minute mit diesen Geräten verbringt, so er nicht in seinem DTM-Audi sitzt. Für die experimentierfreudigeren Renn-Könige standen außerdem zwei Einmann-Hoovercrafts
bereit, die jedoch gewisse technische Macken aufwiesen. Suzuki-MotoGP-Testfahrer Gregorio Lavilla etwa brachte sein waidwundes Vehikel nur mit größter Mühe und Glück heil an den Strand zurück.
Beim Canoe-Race glänzten Muskelprotze wie Spaniens Dakar-Held Nani Roma.
Am Ende hatte zwar Yves Demaria, 2004 Motocross-Weltmeister der offenen Klasse MX3, gewonnen. Der eigentliche König der Könige aber war Pit Beirer. Auf einem mit einem Sitz ausgerüsteten Jet-Ski jagte der querschnittgelähmte frühere Weltklasse-Crosser derart übers Wasser, dass zu den anderen Königskindern kein Unterschied zu erkennen war.

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