Beggio, Ivano: Interview (Archivversion) Interview

»1000 Stück in Deutschland«
Mit Aprilia-Chef Ivano Beggio sprach MOTORRAD-Korrespondentin Eva Breutel in Noale.

MOTORRAD: Warum hat es von der Vorstellung der RSV Mille in Mailand im letzten September bis zum ersten Fahrtermin so lange gedauert? Beggio: Die Mille ist Aprilias erstes Big Bike, da muß alles optimal sein, nicht nur die Leistung, sondern auch die Zuverlässigkeit. Wir haben diese Monate für Langstreckentests genutzt und sind jetzt davon überzeugt, daß wir das Beste bieten.MOTORRAD: Wann kommt die RSV Mille zu den Händlern?Beggio: Wenn dieses Interview erscheint, stehen bereits 500 Stück bei den Händlern in ganz Europa. Das sind hauptsächlich Vorführmodelle, damit die Kunden das Motorrad kennenlernen können.MOTORRAD: Wieviele RSV Mille wollen sie dieses und nächstes Jahr produzieren?Beggio: Mit der eigentlichen Produktion legen wir im September los, bis Ende 1999 wollen wir insgesamt 4.000 Stück fertigen.MOTORRAD: Wieviele sind für den deutschen Markt vorgesehen?Beggio: Rund 1000, gerechnet ab September bis Ende 1999.MOTORRAD: Das sind ganz schön viele.Beggio (lacht): Ja, ich weiß, aber wir sind zum einen mutig, und zum anderen haben wir großes Zutrauen in unser Produkt. Ich glaube, daß die RSV Mille gerade deutschen Motorradfahrern gut gefallen wird, denn sie wissen eine solche Mischung, wie wir sie bieten, zu schätzen: Viel Leistung, sportliches Fahrwerk, ein hervorragender CW-Wert, und dennoch kein Show-Bike, sondern eines, mit dem man nicht nur auf die Rennstrecke, sondern auch auf Tour gehen kann und auf dem sich auch ein Beifahrer wohl fühlt. MOTORRAD: Welche Händler werden die Mille in Deutschland verkaufen?Beggio: Unsere Aprilia-Händler. Wir werden am Anfang nur bestimmte Händler mit der RSV Mille beliefern, und zwar jene, die uns in Sachen Kundendienst und Service am besten geeignet erscheinen. Wir haben bereits intensive Schulungen gemacht, und zwar sowohl in Sachen Technik wie auch Marketing. Langfristig ist es aber unser Ziel, daß alle Aprilia-Händler in der Lage sind, auch Big-Bike-Kunden zu bedienen.MOTORRAD: Welchem Hersteller wollen Sie mit der Mille vor allem Kunden abjagen?Beggio: Allen, die große Zweizylinder bauen, egal, ob es Ducati, Honda, Suzuki oder BMW ist.MOTORRAD: Wie sieht Ihre weitere Planung in Sachen Big Bikes aus? Sehen wir auf der Intermot im September schon eine weitere Variante, etwa die Enduro?Beggio: Wir wollen innerhalb von drei Jahren unsere Big-Bike-Palette komplett machen, und zwar in allen Bereichen: naked bikes, Tourer, Enduros und Chopper. In München werden wir allerdings noch nichts davon zeigen, auch weil da gerade die Serienproduktion der RSV Mille zu den Händlern kommt.MOTORRAD: Wie läuft der geplante Einstieg in die Superbike-WM?Beggio: Wir haben gleichzeitig mit der Serienversion auch die Rennversion der RSV Mille weiterentwickelt, technische Einzelheiten darf ich aber noch nicht verraten. Wir wären gern noch in dieser Saison das eine oder andere Rennen gefahren, aber das verbietet das Superbike-Reglement. Aber in der nächsten Saison sind wir von Anfang an mit dabei.MOTORRAD: Ihr erklärtes Ziel ist es, die Superbike-WM zu gewinnen. Welchen Zeitrahmen haben Sie sich gesteckt?Beggio: In drei Jahren müssen wir soweit sein, daß wir ganz vorne mitfahren. Ob wir dann gleich gewinnen...MOTORRAD: Haben Sie schon einen Fahrer für die Superbike-WM?Beggio: Nein. Es gibt natürlich Verhandlungen, aber es ist ja nicht so, daß die guten Superbike-Piloten jetzt bei uns Schlange stehen. Aprilia ist in diesem Segment ein Neuling, und viele wollen erst mal abwarten.

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