Beirer, Pit: Interview (Archivversion) «Das hätte ins Auge gehen können“

Warum Pit Beirer im zweiten Lauf von Talavera das Handtuch warf.

?Zunächst mal Gratulation für Ihren Laufsieg. Ein Sieg, den Sie auch Ihren hervorragenden Starts zu verdanken haben. Das war nicht immer so. Stimmt, Starts waren früher eher meine schwache Seite. Zu meinem ersten 250er GP-Sieg, 1995 in Irland, hat mir mein Tuner Werner Schwärzel eine Startanlage geschenkt. Seitdem trainieren wir die Startphase systematisch und professionell. Mit Hilfe von Lichtschrankenmessungen konnte ich meine Starts so optimieren, daß ich heute zu den besten Startern im Feld zähle. Gerade in Schlammrennen wie hier in Talavera ist der Start die Tür zum Erfolg.?Ihre Stärke im Schlamm dürfte aber auch das Resultat Ihrer Motivation sein. Trainieren Sie immer noch bei jedem Wetter? Ich ziehe meinen Trainingsplan immer durch. Das Wetter spielt da keine Rolle. Das hielt ich schon immer so. Selbst als wir im Januar im Sonnenstaat Kalifornien zum Training waren und es dort eine Woche lang regnete, bin ich gefahren - obwohl ich dann immer der einzige Fahrer auf der Strecke gewesen bin.?Sind Sie deswegen als einziger Pilot im Schlamm von Talavera den spektakulären Doppelsprung gesprungen? Nicht unbedingt. Ich wußte nicht, daß sich die anderen nicht trauen. Ich dachte eher, daß ich Boden auf Everts verliere, wenn ich nicht springe, also hab ich´s getan. Außerdem: Wenn man gewinnt, muß man ja irgendwas besser machen als die anderen.?In Lauf zwei haben Sie aufgegeben. Für Sie, der quasi nie zurücksteckt, so lange sich die Räder noch drehen, eine ungewöhnliche Entscheidung. Stimmt, doch nach dem Sturz am Start war ich völlig eingeschlammt. Handschuhe, Griffe, Sitzbank - alles war voller Schlamm. Ich konnte das Motorrad einfach nicht mehr halten. Beim Absprung an einem 25 Meter langen Table-top rutschte ich mit einer Hand vom Lenker und gleichzeitig mit dem Fuß von der Raste. Das hätte ins Auge gehen können. Meine Grenze war einfach erreicht.?Dennoch, auch in den letzten Wochen gab es nicht nur glückliche Zeiten. Die Tatsache, daß Weltmeister Everts einen anderen Rahmen erhielt als Sie, drückte schon etwas auf die Stimmung, oder? Bei mir zunächst nicht. Ich selbst bin mit der Werksmaschine hochzufrieden. Die negativen Einflüsse kamen eher von außen. Die ständigen Fragen der Journalisten nach dem Warum. Ich mußte mich ständig rechtfertigen. Das belastete mich in der Tat.?Durch Ihren neuen Status als Werkspilot hat auch der Rummel um Ihr Team sichtbar zugenommen. Und Ihre Truppe selbst wurde bedeutend größer. Besteht nicht die Gefahr, daß zu viele Köche den Brei verderben? Dies ist wirklich eine ungewohnte Situation für mich. Es herrschte in Talavera wirklich zuviel Trubel um mich herum. Wir haben diese Situation noch am Sonntag abend in der großen Runde besprochen und geklärt. Auf der anderen Seite ist mir bewußt, daß ich selbst diese Konstellation so gewollt habe. Ich habe Spezialisten gefordert und sie auch bekommen. Nun liegt es an mir, mit dieser neuen Situation zurechtzukommen.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote