Bekleidung: Motorradbekleidungshersteller und -importeure im Interview (Archivversion) Interviews

Hersteller und Importeure von Motorradbekleidung und Helmen beantworten Fragen
zur vergangenen und zur kommenden Zweiradsaison und zum Markt allgemein.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Trends für 2006?
Arai: Wir gehen davon aus, dass viele Motorradfahrer zunehmend die Nase voll haben von den dümmlichen »Geiz ist geil”-Schreiereien und wieder mehr darauf achten, dass ihr Kopf ihnen wertvoll ist. Qualität und Sicherheit werden sich weiter durchsetzen.
Büse: Der Trend geht zu mehr Funktionalität bei niedrigeren Preisen. Das Design ist wichtig, da die Optik zuerst wahrgenommen wird. Qualität zum güns-
tigen Preis ist das Thema. Die Passform im Textilbereich wird sportlicher.
Nolan/X-Lite: Ein wichtiger Trend ist sicher die Anbindung von Helmen an moderne Kommunikationssysteme oder deren Nutzung als komfortable Gegensprechanlage.
Rukka: Es werden sich noch mehr Motorradfahrer textiler Schutzkleidung zuwenden, weil immer mehr Verbrauchern deren Vorteile gegenüber Leder bewusst werden. Die Nachfrage wird sich dabei noch stärker als bisher auf Billigprodukte einerseits und qualitativ wie technisch hochwertige Produkte andererseits konzentrieren – die einstmals so wichtige Mittelklasse verliert immer mehr an Bedeutung.
Shoei: Unsere Kunden verlangen immer höhere Qualität und sind durchaus bereit, hierfür mehr zu bezahlen. Wir erwarten deshalb auch 2006 eine Verschiebung hin zu den hochwertigeren Helmen in unserem Programm.

Lassen sich Motorradbekleidung ohne geprüfte Protektoren und Helme ohne aktuelle Homologation (ECE 22.05) überhaupt noch verkaufen?
BMW: Geprüfte Protektoren sind heutzutage ein Muss. Das Thema passive Sicherheit hat sich glücklicherweise in den Köpfen der meisten Biker verankert.
Büse: Motorradbekleidung lässt sich ohne geprüfte Protektoren an Schultern, Ellbogen und Knien nicht mehr verkaufen. Ein Schaumstoffpolster im Rücken und an den Hüften sollte ebenfalls vorhanden sein.
Rukka: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch viele Kunden gibt, die bereit sind, auf diese Sicherheits-Features zu verzichten.
Shoei: Leider fahren aber immer noch viel zu viele Kunden mit ungeprüften Helmen oder völlig veralteten Homologationen (E22/03 und älter) herum. Uns ist es völlig unverständlich, dass in einem derart reglementierten Bereich wie dem Straßenverkehr das wichtigste Schutzmittel nicht dem aktuellen Stand entsprechen muss. Manche Motorradfahrer setzen sich hier aus Eitelkeit großen Gefahren aus. Auch der Industrie-Verband Motorrad glänzt in diesem Bereich nur durch jahrelange Untätigkeit.

Wirkt sich der hohe Ölpreis auf den Markt aus?
BMW: Da aufgrund des hohen Ölpreises unter anderem sämtliche hochwertigen Materialien auf Polyamid-Basis teurer werden, müssen wir höhere Einkaufspreise hinnehmen. Das wird alle Anbieter von Motorradbekleidung zu Preis-erhöhungen zwingen. 
Büse: Der hohe Ölpreis wird sich über kurz oder lang zumindest auf den Preis der Textilgewebe und natürlich
auf die Transportkosten auswirken. Das
könnte sich spätestens ab 2007 auch in den Preisen niederschlagen.
Krawehl: Sogar zweifach. Zum einen sind viele Rohstoffe teurer geworden, denn praktisch alle hochtechnischen Materialien, wie sie für Motorradbe-
kleidung oder Helme verwendet werden,
basieren nun einmal auf Erdöl. Zum anderen sind die Transportkosten im Lauf des Jahres dramatisch gestiegen.
Shoei: Nur sehr marginal. Einzig die Frachtkosten werden wohl in Zukunft steigen.

Hat das schwere Erdbeben im Oktober in der Lederhochburg Pakistan Auswirkungen auf den Markt?
Büse: Das Erdbeben in Pakistan hatte nur eine kurze Unterbrechung der Produktion bewirkt. Die Auswirkungen auf den Transport der Ware war etwas größer, hat sich aber ebenfalls bereits wieder normalisiert. Auswirkungen auf den Markt wird es nicht geben.
Krawehl: Die pakistanischen Fabriken kämpfen mit einem ganz anderen Problem, das China heißt. Wer nicht
ohnehin schon dort produzieren lässt,
der sucht auf jeden Fall gerade nach einer Möglichkeit, dies zu tun.

Abriebfestere Kunstfaserstoffe, rationellere Fertigungstechniken, Produktionsaus-
lagerung nach Fernost – der Helm- und Bekleidungsbereich hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Bekommt der Kunde heute fürs gleiche Geld mehr Qualität als vor zehn Jahren?
BMW: Ohne einen konkreten Preisvergleich machen zu wollen, bekommen die Kunden hochwertiger Fahrerausstattung heutzutage deutlich mehr Qualität und Funktionalität als vor zehn Jahren.
Büse: Der Kunde erhält heute definitiv mehr Qualität für weniger Geld. Konkurrenz belebt ja schließlich das
Geschäft. Eine kostenbegründete Pro-
duktionsverlagerung nach Fernost oder Pakistan gab es für deutsche Firmen schon seit Einführung der modernen
Textilbekleidung für Motorradfahrer. Noch abriebfestere Textilmaterialien sind aber meiner Meinung nach nicht wirklich ein Thema, da der Endverbraucher die Technologien, die hinter den Hightech-Stoffen stehen, gar nicht mehr nachvollziehen kann oder will.
Nolan/X-Lite: In jedem Fall bietet ein aktueller Helm einen besseren Unfallschutz und vor allem auch einen besseren Fahrkomfort als noch vor zehn Jahren. Dabei spielen neue Werkstoffe wie etwa
für Außenschalen und Futterstoffe eine wichtige Rolle.
Rukka: Rukka produziert nach wie vor ausschließlich in Westeuropa. Der Fortschritt im textilen Bereich hinsichtlich Abriebfestigkeit und Komfort ist nicht kostenlos, doch der Motorradfahrer profitiert davon in puncto Qualität.
Shoei: Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat sich unserer Meinung nach für den Kunden deutlich verbessert.

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