Bekleidungsnormen (Archivversion)

Das ewige Kleben?

Bisher bekamen nur die Fahrzeuge die Plakette aufgeklebt. Nun gibt´s auch TÜV für Bekleidung.

Keine Sorge, noch müssen wir nicht alle zwei Jahre unsere Lederkombi beim TÜV vorführen. Aber immerhin taucht seit diesem Jahr erstmals TÜV-geprüfte Bekleidung im Handel auf. Da fragt sich der unbedarfte Normalbiker: Was steckt dahinter? Zur Erklärung ein Rückblick: Mitte der Neunziger drohte im Zuge des europäischen Normierungswahns auch eine Norm für Motorradkleidung, die hauptsächlich von selbst ernannten Sicherheitsaposteln in England forciert wurde. Damals schlugen die Wellen des Protests hoch, befürchteten doch viele als Konsequenz einen Tragezwang. Dies ist vorerst vom Tisch, mit einer Ausnahme: Eine Norm für die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) professioneller Motorradfahrern (Pizzadienste, Kuriere, Fachjournalisten) soll kommen, die Entscheidung darüber wird noch in diesem Frühjahr fallen. Als Gegenmaßnahme zur EU-Norm formierte sich damals der Widerstand der im Industrieverband Motorrad (IVM) organisierten Bekleidungshersteller, die einen eigenen Standard schaffen wollten, den IQL (Industry Quality Label). Aber die Angelegenheit geriet ins Stocken. Daher bastelte ein potentielles Testinstitut, der TÜV Rheinland, parallel an einem Konzept. Dies konnte Ende 1999 der Industrie angeboten werden. Erster Kunde war die vergleichsweise kleine Firma DMW in Hamburg. Viel Wirbel in der Szene gab es aber erst, als Polo und Gericke mit einem Teil ihres Angebots auf den TÜV-Zug aufsprangen. Ob der Markt darauf reagiert, bleibt abzuwarten.
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Bekleidungsnormen und Prüfzeichen (Archivversion)

Gert Thöle, 43, Ressortleiter Service, möchte nicht genormte, sondern gute Ware
Vielen ist nicht klar: Der TÜV ist keine Behörde, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, das Umsatz und Gewinn machen will. Als solches ist es nur recht und billig, wenn clevere Angestellte neue Geschäftsfelder entdecken. Zumal das, was der TÜV Rheinland sich zum Thema Motorradkleidung ausgedacht hat, prinzipiell wirklich vernünftig ist. Die Mehrkosten für die Zusatzpüfung werden zwar letztlich sicher an den Kunden weitergeleitet. Aber es zwingt ihn ja niemand zum Kauf, oder? Schließlich hängen bei Gericke oder Polo direkt daneben als Alternative die Sachen ohne TÜV-Label. Doch sind die dann unsicher, unkomfortabel, mit Schadstoffen belastet? Da haben die Hersteller vielleicht ein kleines Argumentationsproblem. Oder sollte der Schuss am Ende gar nach hinten losgehen? Nicht bei allen Motorradfahrern löst der TÜV positive Gefühle aus. Man denke nur an manche kleinkarierten Graukittel, die uns bei der Hauptabnahme piesacken. Trotzdem ist anzunehmen, dass andere Hersteller nachziehen werden, mit dem seriösen TÜV lässt sich prima das Firmenimage aufpolieren. Ist am Ende alles zertifiziert, wäre der Schritt zur Normierung nicht mehr weit. Dann droht doch noch das, was die Hersteller ebenso wie viele Biker verhindern wollten. Und gute, sichere Bekleidung gab und gibt’s auch ohne TÜV-Siegel.

Bekleidungsnormen und Prüfzeichen (Archivversion) - Prüfungsunterlagen

Irgendwie ist alles, was an Bekleidung angeboten wird, mehr oder weniger geprüft. Allerdings kann der Käufer die Ergebnisse und den Aufwand praktisch nicht nachvollziehen. Sticker, Labels, Etiketten oder beigefügtes Infomaterial sollen dazu dienen, den potentiellen Kunden von der Qualität des jeweiligen Teils zu überzeugen.Die erste Kategorie sind Normen, deren Einhaltung von zertifizierten und unabhängigen Prüfinstituten bestätigt werden muss. Etwa die Norm für Protektoren prEN 1621-1, erkenntlich am eingenähten oder geprägten CE-Emblem. Darin ist beispielsweise die Mindestgröße und das Dämpfungsverhalten der Protektoren festgelegt. Wer als Hersteller seine Produkte mit Sicherheit und Schutzwirkung bewerben will, muss zwangsläufig die Protektoren zertifizieren lassen. Alle nicht geprüften Protektoren dürfen höchstens als Komfortpolster bezeichnet werden. Eine weiteres Beispiel ist die neue Norm für Rückenprotektoren (prEN 1621-2). Die nächste Stufe sind Prüfzertifikate auf freiwilliger Basis von unabhängigen Labors. So kann man sich etwa die Umweltverträglichkeit vom Textilinstitut Hohenstein bescheinigen lassen. Oder gleich auf das neue Gesamtpaket vom TÜV Rheinland zurückgreifen. Die TÜV PROOF-Bescheinigung gibt es dann, wenn alle Forderungen hinsichtlich Funktionalität, Ergonomie, Sicherheit, Materialqualität, chemischer und physikalischer Eigenschaften, die in aufwendigen Fahr- und Laborversuchen überprüft werden, erfüllt sind. Durch Besichtigung der Fertigungsstätten oder stichprobenartige Prüfungen überwacht der TÜV die Einhaltung der Produktqualität. Praktisch alle namhaften Hersteller führen in eigenen Labors oder durch den Lieferanten interne Tests durch. Ein Beispiel für ein ähnlich umfangreiches Prüfprogramm wie das vom TÜV ist C.A.R.E. von BMW. Dazu wurde in den letzten Jahren ein aufwendiges Labor eingerichtet, in dem sämtliche Artikel hinsichtlich Sicherheit, Wetterschutz, Funktionalität und Qualität gecheckt werden.

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