Bernie, der mopedgeile Bergmann (Archivversion) Laß knattern, Kumpel

40 Jahre malochte Bernhard Veltmann unter Tage, gab viel Kohle für alte Motorräder aus. Als Rentner hält er sie und sich in Bewegung.

Ich bin Bergmann, und darauf bin ich stolz.« Mit schwieliger Hand streichelt Bernhard Veltmann seinen Liebling, die Wanderer mit den acht Ventilen aus dem Jahr 1925. »Hildegard, mach mal die Tür zu, daß kein Staub aus der Stube reinkommt«, ruft er seiner Frau zu. Mit den Maschinen seines häuslichen Privatmuseums in Ibbenbüren ist Bernie, wie ihn seine Freunde nennen, äußerst pingelig.Dabei betrachtet er die Bikes nicht als bloße Ausstellungsstücke. Er will sie fahren. Das war schon immer so. Nach Schichtende, sobald der Kohlenstaub abgewaschen war, hieß es: rauf aufs Krad, Sauerstoff tanken. »Ein Kind giff man nen Teddybär, ‘n Mann en Motorrad«, westfält Hildegard aus der Küche. Mit neun Jahren mopste Bernie sich Vaters 98er Miele-Sachs, fuhr sie prompt in den Graben. Provozierte ein bißchen Ärger. Nach der Währungsreform 1948 trug der Bergmann die 40 Mark, die er in die Hand bekam, sofort zum Fahrlehrer. 1952 hatte er endlich das Geld für die erste eigene Maschine zusammen, eine 250 Triumph BTG. Als er die fürs Grasbahnrennen im nahen Rheine fitmachen wollte, entdeckte er seine wahre Bestimmung: das Basteln, Schrauben, Organisisieren.Erstes Objekt dieser neuen Leidenschaft: eine NSU T 501, Baujahr 1928, mit Stecktank und Hebelgas. Hildegard war zunächst entsetzt - »So ein Haufen Schrott« -, dann begeistert. Spätestens als Bernie nach Hunderten Stunden sorgfältigster Arbeit bei einem Oldtimer-Treffen auf dem Nürburgring den Pokal fürs bestrestaurierte Motorrad abräumte.Danach ging’s richtig los. Während eines Urlaubs im Allgäu gabelte Bernie eine Triumph Knirps im Kuhstall auf, gebaut anno 1920, 298 cm³, drei PS. Am Dümmer See rostete seine Traum-Wanderer vor sich hin. Ab damit nach Ibbenbüren. Wo auch eine 1927er Schüttoff und 1936er Saxonette landeten. Weil er’s gern mal richtig knallen läßt, schaffte Bernie noch eine Standard Rex Sport mit Königswelle ran. »Wenn ich damit zum Nürburgring komme, stiehlt sie den Superbikes die Show.«Bernies Motto lautet: »Knattern müssen die Dinger.« Bei Sonnenschein bugsiert er seine Schätze aus dem Museum, tuckert durchs hügelige Tecklenburger Land. Wo er bekannt ist wie ein bunter Hund. Bernie hat die Ibbenbürener Veteranenrallye und den Gleichmäßigkeitslauf um den »Schwarzen Diamanten« der Preussag initiiert. Außerdem heimste er bei den historischen Grand Prix auf dem Nürburg-, Schotten- oder Hockenheimring die Pokale gleich kistenweise ein.Hildegard schaute lange dem Treiben ihres Mannes zu. Und kam dabei selbst auf den Geschmack. »Nur im Beiwagen sitzen, da verdöst man ja allmählich.« Sie hat jetzt ein Abo auf den »Pättkeschnürer«, die 1,4 PS starke Triumph Sachs, die genauso jung ist wie sie: 63. Den technischen Part überläßt die Hilde liebend gern ihrem Bernie. Der tüftelt nicht nur zu Hause, der sinnierte auch in der Zeche. »Zur Nutzung von explosivem Staub organischer Stoffe in Energie« hat er ein Patent angemeldet. Die Kohle für die vielen innerbetrieblichen Verbesserungsvorschläge, die er einreichte, verheizte er in seine Mopeds. Auch wenn Hildegard manchmal warnte: »Bliew blos up’n Teppich, Bernie. Dao kuem wi mit de ollen Motorräder in Ewichkeit nich rüöwer.«

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