Berühmte Marken im Rennsport Teil 4 -Kawasaki (Archivversion)

Grünzeug

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre war die grüne Welle im Grand Prix-Sport angesagt: Kawasaki dominierte die Klassen bis 250 und 350 cm3 mit den legendären Tandem-Motoren.

In der Kürze liegt die Würze - unter diesem Motto stand das Grand Prix-Engagement von Kawasaki. Das mehr als 100 Jahre alte Unternehmen, 1878 von Shozo Kawasaki als Schiffswerft in Tokio gegründet und bald zu einem Mischkonzern für Öltanker, Lokomotiven, Flugzeuge, Stahlbrücken und Motorräder gewachsen, kam als letztes japanisches Werk in die Straßen-WM. Und Kawasaki machte sich als erstes wieder aus dem Staub. Von 1966 bis 1982 traten die grünen Renner auf den Grand Prix-Kursen an. In dieser relativ kurzen Zeitspanne gewannen sie immerhin neun Weltmeisterschaften, bis auf eine Ausnahme alle in den Mittelgewichtsklassen bis 250 und 350 cm3. Der erste WM-Auftritt mit einer 125er beim Hockenheim-Grand Prix 1966 konnte die etablierte japanische Konkurrenz von Honda, Suzuki und Yamaha noch kaum erschrecken. Doch genau drei Jahre nach dem Debüt schrieb der Engländer Dave Simmonds am selben Ort Rennsportgeschichte. Nach hartem Kampf mit Suzuki-Pilot Dieter Braun fuhr Simmonds auf der 125er vor 100 000 Zuschauern als Erster durchs Ziel. Für Simmonds und Kawasaki war es der erste Grand Prix-Sieg überhaupt, und am Saisonende gab´s sogar den WM-Titel. Trotz des Erfolgs mit der 125er fühlten sich die Japaner zu Größerem berufen. Im selben Jahr wurde die Mach III vorgestellt, Kawasakis erstes supersportliches Straßenmotorrad. Die 500er mit dem ultrabissigen Dreizylinder-Zweitakt-Motor brachte schon in der Straßenversion rund 60 PS bei 7500/min. Wer damit umgehen konnte, war der Sieger bei jedem Ampel-Duell. Die Rennversion H1R leistete gar 75 PS bei 9000/min. Mit ihr wurde der Neuseeländer Ginger Molloy 1970 sensationell Vize-Weltmeister der 500er Klasse hinter dem damaligen Seriensieger Giacomo Agostini auf MV Agusta. Simmonds kämpfte für Kawasaki in allen Klassen weiter. Er fuhr die inzwischen veraltete 125er, genauso die 250er und 350er. Mit der 500er gewann er sogar 1971 den spanischen Grand Prix in Jarama. Seine Karriere endete tragisch. Simmonds erlag im folgenden Jahr den Verbrennungen, die er sich beim Bekämpfen eines Wohnwagenbrandes im Fahrerlager zuzog. Schon seit 1969 hatte Kawasaki die Rennsportaktivitäten auf den lukrativen amerikanischen Markt konzentriert. »Green Meanies« - »die fiesen Grünen« - wurden die Kawasaki-Renner respektvoll genannt. Fahrer wie Yvon Duhamel, Gary Nixon oder Paul Smart taten ihr Bestes, um diesen Ruf zu rechtfertigen. Auf der H2R mit dem über 100 PS starken, luftgekühlten 750-cm3-Dreizylinder-Zweitaktmotor brachen sie einen amerikanischen Rundenrekord nach dem anderen. Kawasakis große Zweitakter sorgten aber auch in Europa für Aufsehen. Mit der inzwischen wassergekühlten 750er gewann der Engländer Mick Grant 1975 die Isle of Man-TT und ging mit einem Rundenrekord von 109,82 Meilen als bis dato schnellster Fahrer in die TT-Geschichte ein. Mit völlig neuentwickelten Rennmaschinen wollte Kawasaki 1975 auch in den prestigeträchtigen 250er und 350er Grand Prix-Klassen die Konkurrenz das Fürchten lehren. Die Zweitakter hatten zwei in Fahrtrichtung hintereinander stehende Zylinder. Beide Kurbelwellen waren über Zahnräder verbunden. Es handelte sich um den sogenannten Tandem-Motor, eine Konstruktion, die das ostdeutsche MZ-Werk schon Anfang der 60er Jahre entwickelt, aus Geldmangel aber nie eingesetzt hatte. Trotz der zwei seitlich angeordneten Drehschieber waren die Maschinen schmal wie eine 125er. Schon 1977 verbuchte Kawasaki mit dieser Konstruktion durchschlagende Erfolge. Mick Grant holte beim holländischen Grand Prix in Assen den ersten 250er WM-Sieg für Kawasaki. Die Verpflichtung von Anton Mang und dem Südafrikaner Kork Ballington im selben Jahr sollte sich für Kawasaki als Volltreffer erweisen.Toni Mang brachte seinen Freund Sepp Schlögl als Techniker mit ins Team. Die beiden hatten einst zusammen als Mechaniker bei Weltmeister Dieter Braun angeheuert. Bei Kawasaki stand zunächst aber Ballington ganz oben in der Gunst. Er wurde vorrangig mit Werksmaterial versorgt und bescherte Kawasaki 1978 und 1979 jeweils die 250er und 350er Weltmeisterschaft. Als Mang Ende 1979 wegen angeblichem Ersatzteilmangel als Werksfahrer versetzt wurde, sprang der Augsburger Zubehörhersteller Mike Krauser als Sponsor ein. Deshalb fuhr Mang 1980 mit der Kawasaki im Krauser-Design - weiß mit blau-roten Streifen - seinem ersten Weltmeistertitel entgegen. Mit selbstgebauten Ersatzteilen und einer Maschine, die dank Sepp Schlögel immer einen Tick schneller war als die Werks-Kawas, wurde Mang 1980 verdienter 250er Champion. Den greifbaren 350er Titel mußte er nach dem legendären Zweikampf mit Jon Ekerold beim WM-Finale auf der Nürburgring-Nordschleife knapp dem südafrikanischen Bimota-Yamaha-Piloten überlassen. Im nächsten Jahr wurde Mang als Werksfahrer rehabilitiert und startete zu einem wahren Höhenflug. Der Bayer holte 1981 die Doppelweltmeisterschaft der Klassen 250 und 350 cm3. 1982, im letzten Jahr der 350er WM, verewigte er sich mit der Kawasaki als letzter Champion dieser Kategorie. Die erfolgreichen KR-Modelle mit dem Zweizylinder-Tandem-Motor waren nach acht Jahren ohne große Überarbeitung schließlich veraltet. Kawasakis Bemühungen in der Königsklasse mit der KR500 - der Vierzylinder war ein doppelter 250er Motor - hatte nicht den erhofften Erfolg gebracht. Angeblich fehlten die Kapazitäten zur Weiterentwicklung der Maschinen, und so verkündete Kawasaki am 29. Oktober 1982 den Rückzug aus dem Grand Prix-Sport. In der Superbike-Klasse dagegen sind Kawas grüne Renner bis heute erfolgreich am Ball.
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Superbike-Stars (Archivversion)

Die neue Kawasaki Z1 stellte 1972 alles bislang Dagewesene in den Schatten. Das Superbike mit dem 900-cm3-Vierzylinder und zwei obenliegenden Nockenwellen war der Grundstein einer neuen Rennsport-Epoche. Mit 105 PS bei 10500/min im Renntrimm schaffte die Z1 1973 einen sensationellen Daytona-Rundenrekord und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 290 km/h. Anfang der 80er Jahre sorgten in Amerika Fahrer wie die späteren Grand Prix-Stars Eddie Lawson oder Wayne Rainey mit den Kawasaki-Superbikes für Furore. Ihre unverkleideten, zumindest äußerlich der Serie entsprechenden Z 1000-Maschinen mit hohem Lenker waren eine Attraktion. Bald schwappte die Superbike-Welle nach Europa über. In Deutschland formierten sich 1983 die ersten Teams, und Kawasaki war wieder vorn dabei. Hierzulande wurden die Motoren der Z1000 mit rund 150 PS in reine Rennfahrwerke von Tunern wie Jung oder Egli eingebaut. Erst als 1988 die Superbike-Klasse zur offiziellen Weltmeisterschaft aufgewertet wurde, kam die Hubraumbeschränkung auf 750 cm3 für Vierzylinder- beziehungsweise 1000 cm3 für Zweizylinder-Motoren. Ebenso die Vorgabe, daß die Rennmaschine dem homologierten Serienmotorrad optisch gleichen muß. Nachdem zuerst Honda mit der RC 30 und dann Ducati in der Superbike-WM am Drücker war, schlug 1993 die Stunde für Kawasaki: Werkspilot Scott Russell gewann den Titel mit der ZX-R.

Marken, berühmte, im Rennsport Teil 4: Kawasaki (Archivversion) - Die Weltmeister

1969 125 cm³: Dave Simmonds1978 250 cm³: Kork Ballington; 350 cm³: Kork Ballington1979 250 cm³: Kork Ballington; 350 cm³: Kork Ballington1980 250 cm³: Anton Mang1981 250 cm³: Anton Mang; 350 cm³: Anton Mang1982 350 cm³: Anton Mang

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