Bikerparty in einem Kölner Nachtclub (Archivversion) Motorradlust

Sex sells. Deshalb haucht blanker Busen manchem Motorradtreffen oder Messeauftritt mehr Standvermögen ein. Im Kölner »Pascha« war es umgekehrt, dort luden die Babes ein: Bikes und ihre Fahrer.

Das Pascha? Die beiden jungen
Frauen amüsieren sich. Ihre Antwort ist eine Gegenfrage. »Soo, zum Pascha also?« Das kennt beinahe jeder in Köln. Gilt nämlich als größtes und bekanntestes Bordell Deutschlands und als erstes mit Geld-zurück-Garantie bei Nichtgefallen. Zehn Stockwerke hoch ist das 1974 er-
baute Dirnenhochhaus, in pastelligen Blautönen gehalten. Nicht nur bei Nacht der leuchtende Venus-Hügel von Köln.
Dort steigt an einem Sonntagnachmittag eine »große Bikerparty«. Allerdings nicht im Bordell, sondern im Table-Dance-Bereich, dem Nightclub. Die beiden Häuser liegen zwar unter einem Dach, hätten jedoch nur indirekt miteinander zu tun, erklärt Werner Krieger, zuständig fürs »Management Table-Girls«, den Unterschied: »Bei uns gibt es keine Prostitution.«
Aber eine Treppe höher, im so genannten »Laufhaus«. Dort haben die Freier Auslauf, drehen ihre Runden auf der Suche nach der besten Option. Direkt gegenüber ragt der Konkurrenz-Puff auf. Heißt schlicht »Das Bordell«. Daneben ein schmuckloser Imbiss, die »Snack-Bar«. Läuft im Dreischicht-Betrieb rund um die Uhr. Ab fünf Uhr in der Früh’ gibt’s dort frische Brötchen. Ansonsten hat die Hornstraße noch einen Schlachthof und einen Lidl-Markt
zu bieten, der hat heute jedoch zu. Ist ja Sonntag. Bonjour tristesse.
Endlich schneidet Motorengedröhn die Luft, Harleys, MV Agustas und Benellis laufen ein, stolze Fahrer in schicken Lederjacken parken sie in Reih und Glied.
Auch eine Form käuflicher Liebe, denn es
sind diverse Vorführer von Kölner Motorradhändlern dabei. Vor allem die US-Bikes werden generalstabsmäßig aufgestellt. Doch halt, erst noch vorm Eingang posieren. Vom Glamour geht Gefahr aus: Opulentes Metall auf zwei Rädern und nackte Haut zwischen knapp geschnittenen Miederwaren provozieren fast Auffahrunfälle.
Noch mal gut gegangen, niemand fährt dem Vordermann hinten rein, nur mancher Motorradfahrer unschlüssig noch zwei, drei Mal die Straße auf und ab. Über den Abend verteilt verirren sich nur wenige
Biker ins gar nicht plüschige Ambiente. Hauptsächlich mehr oder wenige beleibte Harley-Piloten, nicht selten mit Anhang, und einige Sportfahrer.
»Die meisten haben von ihren Ehefrauen nicht frei gekriegt«, erzählt ein Insider. Sie verpassen etwas, die Stimmung wird allmählich heißer. Tänzerinnen schlängeln sich an Stangen, präsentieren anspruchsvolle Akrobatik. Ihre bis zum Spagat
gespreizten Schenkel machen die Bikes
zu bloßen Statisten, funkelnder Chrom und schnittige Verkleidungen haben einen schweren Stand gegen nackte Haut.
»Es ist doch scheinheilig: Auf jedem besseren Biker-Fest gibt’s Table-Dance oder Ähnliches, und bei der Harley-Party
in Hamburg diesen Sommer war auf der Reeperbahn immer am meisten los.« Karl-Jörg von Herz kennt seine Pappenheimer, führt die Harley-Vertretung in der Domstadt. Ja logisch, Sex sells, sagt er. »Das war schon immer so und ist doch bei den Autos nicht anders. Auf der IAA rekelt sich auch auf jeder Motorhaube eine Dame.«
Der ganzen Zweiradbranche würde es besser gehen, glaubt von Herz, »wenn mehr Leute sehen würden, dass Motorräder attraktiv auf schöne Frauen wirken«. Dennoch kam der Anstoß dazu, den Spieß diesmal umzudrehen, die Bikes zu den Babes zu bringen, nicht von ihm. »Das Pascha ist Veranstalter, die sind an mich herangetreten.« Im Verband der Kölner Motorradhändler entstand dann schnell die Idee einer markenübergreifenden Party.
Erika Thiel ist Inhaberin des vor an-
derthalb Jahren eröffneten Nachtclubs, der täglich ab 21 Uhr geöffnet hat. Stolz steht sie in ihrem adretten Lokal, das über 300 Leute fasst. Sie setzt auf Imagepflege, lädt regelmäßig zu Kabarett, Kleinkunst und Konzerten ein: »Wir wollen weg von der reinen Erotik, die spielt sich bei uns eh nur im Kopf ab.« Vor nicht allzu langer Zeit
organsierte der Club sogar einen Seniorennachmittag zwischen langen Beinen, da war natürlich RTL vor Ort. Tja, und nun also die Biker. In den Augen von Frau Thiel eine ideale Zielgruppe. »Unser Publikum ist männlich und will vorm Alltag abtauchen. Das passt doch auch aufs Motorradfahren.« Sie muss es wissen: Ihr Ex-Mann fährt eine R1, war immer rennbegeistert.
Im Table-Dance-Schuppen zahlt man(n) 20 Euro Eintritt, an den Wochenenden 25 Euro, und hat dann alle Getränke frei. Selbst alkoholische. »Hohe Preise können wir uns nicht leisten, wir haben eine hohe Arbeitslosigkeit in Köln.« Aber am wich-
tigsten sei die Atmosphäre. Die Ausstrahlung der Tänzerinnen und der Respekt des Publikums vor ihnen.
Sie lassen sich gleichwohl bezahlen, mit Spielgeld. Den »Pascha-Dollars« im Wert von 1,50 Euro. Davon gehen an diesem Abend jeweils 50 Cent an das Kölner Haus Lebenswerk e.V., das krebskranke Menschen unterstützt, dazu kommt dann noch der Erlös einer Tombola. Für eine Hand voll Pascha-Dollars führen die Damen Striptease in kleiner Runde vor, bei dem die Zuschauer brav still halten müssen. »Privat Dance« heißt das. Auch sehr beliebt ist die Variante, nackte Mädels mit Sahne zu besprühen – eine Funktion muss Sahne aus der Dose ja haben –, worauf die Süßen sich dann ablecken lassen.
Die verführerischen Angebote sprechen nicht nur Männer an. Ute ist 44, hat fünf Kinder und eine Yamaha Fazer 600. Die Frauen hier sind »tippi-toppi«, findet sie und legt sich zu den Tänzerinnen auf die Bühne. Auch ein paar Prostituierte von nebenan schauen zur Stripvisite vorbei.
Ein junger Türke, 30 Jahre alt, stolpert über die Bikes im Eingangsbereich. Seinen Namen will er nicht nennen, weil er oben, wie er sagt, noch schnell »einen verlöten« will, aber Motorräder findet er cool. Er
würde gerne eins kaufen, hat aber nur 2000 Euro »auf Tasche«. In den Programmpausen spielt die Rockband »Rockstars Cologne« versiert Biker-Hymnen nach. »Born to Be Wild« und »Hells Bells«. Ludwig Vogt, Geschäftsführer vom Motorradhaus Lust, zögert keine Sekunde auf die Frage, was die Motorradbranche vom ältesten Gewerbe der Welt lernen könne: »Professionalität!«
Der gelernte Vertriebsmann Armin Lobscheid pflichtet ihm bei, sieht pikante Parallelen zwischen der Lust aufs Bike und der auf käufliche Liebe. »Wenn der Kunde etwas wirklich haben will, dann interessiert ihn nicht, was es kostet,« weiß der graumellierte 48-Jährige. Er ist Geschäftsführer des Bordells.
Ob das Motorrad trendy sei? Das
wisse er nicht, doch wenn eine Frau erst einmal mitfahren würde, dann hätte man eigentlich schon gewonnen. Allerdings würden die meisten Youngster auf vier-
rädrige Vehikel abfahren, zumal »man auf dem Gebrauchtmarkt viele ehemals teure Autos nachgeworfen bekommt«. Das Geld für den Sprit müsse man dann zwar bei
der Oma schnorren, aber trotzdem tauge ein zehn Jahre alter Fünfer-BMW prima für den Stich bei den Frauen.
Den suchen nicht wenige im Laufhaus, zu vorgerückter Stunde. Auch den einen oder anderen Biker verschlägt es dorthin. Klaus stolziert in silbernem Lederkombi durch die Flure, seine GSX-R 1000 parkt vor der Tür. »Wenn man schon mal hier
ist...«, entschuldigt er sich fast.
Zur Saisoneröffnung 2005 soll es wieder eine Biker-Party im Pascha geben. Infos dazu unter www.pascha-tabledance.de.

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