Bilanz der deutschen GP-Stars (Archivversion) Auf neuem Kurs

Sportlich haben die deutschen Grand Prix-Stars eine aufregende Saison hinter sich. Jetzt steigt die Spannung am Verhandlungstisch, denn alle Teams müssen auf neuen Kurs gehen.

Nicht nur wegen Ralf Waldmanns Aufholjagd in der 250-cm3-WM und seiner tollen Vizeweltmeisterschaft war die GP-Saison 1996 an Spannung kaum zu überbieten. Zusätzliche Aufregung schaffte der Rückzug von Sponsor HB, dem größten Geldgeber, den der deutsche Motorradsport je zur Verfügung hatte.Während andere, auch weniger erfolgreiche Teams und Fahrer, im Reichtum badeten, drohte Waldi und seinem Teamkollegen Jürgen Fuchs trotz aller Erfolge die Arbeitslosigkeit. Teamchef Dieter Stappert gab zwar Durchhalteparolen aus und schwor, auch 1997 ein Budget für Ralf Waldmann auf die Beine zu stellen. An Sponsoren herrscht tatsächlich kein Mangel - nur, ob sie für eine Größenordnung von allermindestens 2,5 Millionen Mark für einen Fahrer mit einer Werksmaschine geradestehen, ist bis heute nicht geklärt.Auch HB-125-Star Dirk Raudies wurde von der Entscheidung kalt erwischt. Ursprünglich hatte der Oberschwabe von einem Kampf um den WM-Titel und einem anschließenden Klassenwechsel geträumt, nach Stand der Dinge muß der WM-13. jedoch froh sein, wenn er für 1997 genügend Geld auftreibt, ohne das eigene Sparschwein schlachten zu müssen. Ebenso drückend sind die Zukunftssorgen von Jürgen Fuchs. Weil er sich nicht wehrlos in einen Nummer zwei-Status drängen ließ, wurde Fuchs früh von Stappert fallengelassen und nicht nur teamintern, sondern soweit wie möglich auch Herstellern und etwaigen Geldgebern gegenüber isoliert. Stappert legte keinerlei Fürsprache ein, um Fuchs auch 1997 einen Start auf einer Werks-Honda zu ermöglichen, sondern wacht vielmehr eifersüchtig darüber, die Zahl der NSR 250 im Interesse von Waldi möglichst gering zu halten.Doch auch die andere Option von Jürgen Fuchs, gemeinsam mit Harald Eckl ein Aprilia-Team auf die Beine zu stellen, wurde immer unwahrscheinlicher. Aprilia-Importeur Erhard Just, Eckls wichtigster Verbündeter, trennte sich von seiner Firma a & g. Das deutsche Marlboro-Budget, das bislang Harald Eckls 125er Team mit Peter Öttl und Tex Geissler zufloß, sollte plötzlich Waldi zugeschanzt werden. Eckl fand ein rettendes Ufer beim Kawasaki-World Superbike-Team, wo er die Nachfolge von Rob Muzzy als Chef des offiziellen Werksteams antreten will. Seine GP-Fahrer suchen andere Alternativen. Peter Öttl denkt nicht an Aufhören und schwankt zwischen einem Angebot aus der Pro Superbike-Szene und einem eigenen Privatteam für die 125 -cm3-WM, Tex Geissler soll eine Chance im United Grey-Team erhalten, das einen deutschen Fahrer will.Das Yamaha-Team von Hermann Kurz, bislang wegen der kaum WM-tauglichen Technik der TZM-Production Racer unter Wert geschlagen, versucht ebenfalls, einen deutschen Fahrer in die WM einzuschleusen. Nachwuchsmann Reinhard Stolz soll kommen, falls die Teamvereinigung IRTA einen Startplatz einräumt.Insgesamt zogen sich die deutsch-japanischen Teams prachtvoll aus der Affäre. Sowohl UGT als auch Ditter Plastic kämpften bei den 125ern um den Titel mit. Teambesitzer Rolf-Peter Ditter will nun mit Tokudome in die 250er WM aufsteigen.

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