Bimota verkauft (Archivversion) Italo-Krimi

Mit der Entwicklung des Zweitakter 500 Vdue riskierte Bimota zu viel. Jetzt kam die einstige Edelschmiede unter den Hammer.

Der Zuschlag kam am 13. Dezember kurz nach 12 Uhr. Da ließ Konkursrichter Guido Federico aus Rimini den Hammer fallen, sprach Bimota dem einzigen Bieter zu: der Firma »Moto Alternativa srl« aus Padua in Norditalien. Für das Konkursgericht in Rimini ist der Fall damit erledigt. Für die Bimota-Freunde hingegen geht das Rätselraten jetzt erst los. Was passiert mit der Marke, die auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken kann?Der Aufstieg der kleinen Edelschmiede von der Adriaküste beginnt 1973 - mit einem Sturz. Hobbyrennfahrer Massimo Tamburini fällt auf der Rennstrecke in Misano von seiner Honda CB 750. Der damals 30-Jährige, der in späteren Jahren als Entwickler der Ducati 916 und der MV Agusta F4 noch berühmt werden sollte, hält das Fahrwerk für ungenügend. Er gründet kurzerhand mit seinem Partner Giuseppe Morri die Firma Bimota Meccanica und baut fortan seine eigenen Motorräder. Tamburinis Grundkonzept: Man nehme das Herz eines Serienmotorrads, verpflanze es in ein selbst entwickeltes Chassis, ohne auf Kosten und Material zu schauen, und stimme das Ganze sauber ab. So entstehen exklusive Sportmotorräder in geringer Stückzahl – im Schnitt um die 500 pro Jahr, erst Ende der Neunziger steigt die Produktion auf über 1000 Einheiten – zu stolzen Preisen: Bimota-Modelle kosten das Anderthalb- bis Dreifache von normalen Serienmaschinen. Mitte der 90er Jahre beschließt die Geschäftsleitung, einen eigenen Zweizylinder-Zweitaktmotor zu entwickeln. 500 Vdue heißt das wagemutige Projekt, 1997 wird der Zweitakter vorgestellt. Doch das Konzept ist nicht ausgereift, die Benzin-Direkteinspritzung macht Probleme. 120 Modelle werden dennoch verkauft und müssen auf Garantie aus aller Welt zurück nach Rimini geholt werden. Der kleine Hersteller mit 60 Angestellten steht am Rand des Abgrunds.Und so fällt der Jubel 1998 bei der 25-Jahr-Feier eher verhalten aus. Bimota sucht verzweifelt einen Retter. Der erscheint in Gestalt des norditalienischen Unternehmers Francesco Tognon, zuvor Geschäftsführer und Teilhaber der Traditionsmarke Laverda, über der ebenfalls der Pleitegier schwebt. Tognon bringt Geldgeber aus der Textilbranche mit, der Fortbestand von Bimota scheint gesichert. Doch die Vdue bleibt weiterhin eine teure Fehlentwicklung, erringt nie Serienreife. Die Firma versucht auf einem anderen kostspieligen Feld einen Neubeginn: im Rennsport. Mit Virginio Ferrarri als Teammanager, der 1987 für Bimota auf der YB4 die TT Formel eins gewonnen hatte. Anthony Gobert, das Enfant terrible der Superbike-Szene, schafft das Kunststück, beim zweiten Rennen der Saison 2000 in Phillip Island einen Lauf zu gewinnen. Die Rennsportwelt steht Kopf, alles bejubelt den David, der es den mächtigen Goliaths gezeigt hat.Aber die Freude währt nur kurz. Bimota hat sich mit dem angeblichen nigerianischen Prinzen Malik Abdul Ibrahim eingelassen, der Sponsoren bringen soll. Bei Teamchef Ferrari zockt der Hochstapler eine Viertelmillion Euro ab und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Mittlerweile verlieren die Bimota-Geldgeber aus der Textilbranche die Geduld: Nach dem Anfangserfolg erwarten sie nun Siege in Serie. Als die ausbleiben, drehen sie den Geldhahn zu. Schon beim Superbike-Rennen in Misano im Juni 2000, im Vorfeld als Heimspiel gefeiert, ist Bimota nicht mehr dabei. Die Firma ist am Ende. Noch nicht einmal ein Abkommen mit Ducati, demzufolge Bimota für die Bologneser das Sondermodell MH 900e produzieren soll, bringt Rettung. Übernahmeangebote aus den USA und Frankreich erweisen sich als Windeier. Bimota wird am 5. März 2001 vom Konkursrichter für insolvent erklärt.Auf gut 17 Milliarden Lire (knapp 9 Millionen Euro) belaufen sich die Schulden, stellt die Konkursverwalterin fest. Den Wert der Konkursmasse setzt sie auf vier Milliarden Lire (gut zwei Millionen Euro) an. Dazu gehören am Firmensitz in der Via Giaccaglia im Süden Riminis insgesamt 34 halbfertige sowie 72 komplette Motorräder, von der Tesi bis hin zu drei Prototypen des Superbike-Renners SB8 K, außerdem Produktionsanlagen, Werkzeuge und Möbel; dazu in der Bimota-Dependance in Predappio bei Forlì weitere 143 Motorräder, die meisten davon vom Typ 500 Vdue, sowie der Markenname Bimota.Bis zum ersten Termin am 3. Dezember geht kein Gebot ein. Allerdings präsentierte sich tags darauf im Amtszimmer von Konkursrichter Guido Federico im blauen Anzug und mit prall gefüllter Aktentasche Giuseppe della Petra von Moto Alternativa aus Padua. Er habe den Gebotstermin leider versäumt, entschuldigt sich der frühere Aprilia- und Bimota-Angestellte. Doch jetzt sei die Finanzierung gesichert, er habe alle Unterlagen in der Tasche. Richter Federico setzt kurzfristig einen neuen Termin an, und diesmal klappt es: Della Pietra gibt bis zum 12. Dezember sein Gebot ab – exakt die geforderte Summe – und erhält am 13. Dezember den Zuschlag. 200 000 Euro zahlt er sofort an, der Rest ist innerhalb von 90 Tagen fällig.Wer ist Della Pietra? Er selbst, da sind sich Insider sicher, hat keine vier Milliarden Lire und erst recht nicht die Finanzkraft, um die Marke wieder aufzubauen. Ist er der Strohmann von Ex-Geschäftsführer Francesco Tognon, mit dem Della Pietra befreundet ist? Die Herren geben sich derzeit nicht sehr auskunftsfreudig (siehe Interview). Verliert sich die Spur von Bimota also im nebligen Norditalien? Oder gibt es doch einen Neustart an der sonnigen Adriaküste? Fortsetzung folgt.

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