Bitumen-Datenbank (Archivversion) Die Faxe dicke

Druck machen in Sachen Bitumen-Schmiererei: Meldebogen ausfüllen, an MOTORRAD schicken. Von dort fließen die Information über Straßenschäden direkt an die Ministerien.

Es tut sich was. Der Fall Scheffler geht - dank der Unterstützung der MOTORRAD-Leser* - in die zweite Instanz. Sogar die Politik reagiert. Mit parlamentarischen Anfragen in den Landtagen von Bayern und Nordrhein-Westfalen. Was jetzt noch verstärkt werden müsste, ist der Druck der unmittelbar Betroffenen. Der Motorradfahrer.Und der sollte da ansetzen, wo viele Behörden auf Durchzug stellen oder mit der Standardfloskel reagieren. »Das Aufspritzen von Bitumen samt nachträglichem Absplitten ist seit den zwanziger Jahren ein übliches und bewährtes Verfahren.« Ein Nullargument: Auch Folter galt über Jahrhunderte als »übliches und bewährtes Verfahren«. Zu warten, bis die Einsicht in die Gefährlichkeit des be- und gesinnungslosen Hantierens mit Bitumen die allerletzte Amtsstube erreicht, wäre eine - im wahrsten Sinn des Wortes - tödliche Nachlässigkeit. Die Motorradfahrer Joachim Scheffler und Guido Rübhausen, die beide innerhalb weniger Tage in ein und derselben Kurve auf nassem Bitumen wegrutschten, in der Leitplanke starben, könnten vielleicht noch leben. Wenn die Motorradfahrer, die später zugaben, dort ebenfalls gestürzt zu sein, ihr Malheur gemeldet hätten. Sofort. Weil die Fälle dann »aktenkundig« gewesen wären, hätte Handlungsbedarf bestanden, zumindest aber hätten die Ämter sich nicht auf so billige Art und Weise aus ihrer Verantwortung herausreden können (MOTORRAD 2/2001) .Zugegeben, vor allem Ortsfremden auf der Durchreise fällt es schwer, sofort den richtigen Ansprechpartner zu finden. Wo ist das zuständige Polizeirevier? Wie lange dauert das? Außerdem: Machen diese Fahrereien, Laufereien nicht die ganze Spritztour oder Wochenendausfahrt kaputt? Eine verständliche Bequemlichkeit - die’s vielen Behörden einfach macht, stier weiter zu verfahren wie bisher. In seinem von MOTORRAD in Auftrag gegebenen Gutachten zum Fall Scheffler schreibt der Tübinger Rechtswissenschaftler Professor Dr. Michael Ronellenfitsch: Eben weil dieses bituminöse »Anspritz- und Absplittverfahren« als üblich angesehen wird, ist es »nur im Einzelfall pflichtwidrig, eine entsprechend reparierte Stelle als Gefahrenquelle zu belassen. Aus der Summe von Einzelbeobachtungen kann aber ein Gesamtbild werden, wenn die Betroffenen Eigeninitiative zeigen. Schon im Interesse der anderen Verkehrsteilnehmer ist es dringend geboten, dass alle Unfälle und Beinahe-Unfälle auf Grund von Bitumen der Polizei gemeldet werden«.Um dies so einfach wie nur möglich zu machen, richtet MOTORRAD eine Datenbank ein. Wer auf Bitumen arg ins Schlittern kam, sollte schnellstens den Meldebogen ausfüllen, der unter motorradonline.de zu finden ist. Wer keinen Zugang zum Internet hat, nutze die Dienste der gelben Post. MOTORRAD faxt oder mailt diese Informationen von den Lesern an die jeweiligen Verkehrsministerien, die wiederum in der Pflicht stehen, die Straßenbauämter über die Gefahrenstellen zu unterrichten.Versteht sich, dass diese Aktion nur dann läuft, wenn viele Motorradfahrer daran teilnehmen. Vor allem die Stammtische und Clubs, die ihre Hausstrecken aus dem Effeff kennen und also auch ihre Gefahren, die sie, natürlich, gekonnt meistern. Nicht aber der ortsfremde Biker. Schon gar nicht bei Dunkelheit oder Nässe. Da empfiehlt sich, auch vor Ort Druck zu machen. Druck von der Straße. Die Meldung persönlich - am besten zu mehreren - bei der Polizei abzugeben, sich das bestätigen zu lassen und dann an MOTORRAD zu schicken. Damit die Bitumenflickerei auch zentral registriert ist. Und das Amt zusätzlich noch Post vom Ministerium bekommt. Wenn die Motorradfahrer die Faxen dicke haben, gibt’s die Faxe eben dicke.Wer auf Bitumen stürzt, kann in der Datenbank abchecken, ob bereits anderen ein ähnliches Ungeschick widerfuhr. Wenn ja, erleichtert das die Forderung nach Schadenersatz oder Schmerzensgeld ungemein. Und Behörden reagieren bekanntlich dann am schnellsten, wenn’s ans Eingemachte, die Finanzen geht. Dann entlarvt sich auch der vermeintliche Kostenvorteil, auf den man sich in Zeiten leerer Kassen beruft. Es ist eh zynisch genug, Menschenleben gegen Bares aufzurechnen.Wichtig: Selbst wenn schon ein Eintrag vorliegt, unbedingt noch mal melden. »Da eine Häufung von Vorfällen auf die besondere Gefährlichkeit eines Straßenabschnitts deutet«, so Ronellenfitsch, »müsste der Verkehrssicherungspflichtige auf längere Sicht den baulichen Zustand der Straßen ändern. So könnte ein Zwang entstehen, künftig vom Anspritz- und Absplittverfahren Abstand zu nehmen.« Also, packen wir’s an!* Die MOTORRAD-Leser spendeten für das Berufungsverfahren im Fall Scheffler 68 933,47 Mark

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